Eine Torte und Geschenke - die Zentralbibliothek feierte den kleinen Geburtstag, wie es sich gehört. So wurden einige Besucher, die zufällig um 12.30 Uhr in die Bücherei kamen, mit einem Stück Kuchen begrüßt. Rainer Kulenkampff und Thomas Schaumlöffel vom Verein 'Freunde der Stadtbibliothek' brachten Gutscheine mit. Aus Anlass des Tages wurden vier Räume im Gebäude nach Bremer Persönlichkeiten benannt. Unter anderem erhielt der große Konferenzraum den Namen des früheren Bürgermeisters Victor Marcus. Er hat mit seinem Privatkapital die Bremer Bibliothek mitbegründet, sie hieß 1902 allerdings noch 'Lesehalle'.
In den vergangenen fünf Jahren, verkündete Barbara Lison, hat die Stadtbibliothek elf Millionen Medien ausgegeben. Aneinandergereiht würden diese Bücher, Zeitschriften und DVDs bis nach Gibraltar reichen. Vorbei sind offenbar die schwierigen Zeiten, zu denen die Bibliothek selbst an den Neuanschaffungen sparen musste. Laut dem stellvertretenden Bibliotheksdirektor Erwin Miedtke gibt die Bibliothek jährlich rund eine Million Euro für Anschaffungen aus. Dies werde auch mittelfristig so bleiben. Lison: 'Das Medienbudget ist das Herzblut der Bibliothek.'
Carmen Emigholz breitete praktisch einen Schutzschirm über die Bibliotheken aus: 'Das öffentliche Bibliotheksangebot kann man auch unter Spardruck nicht preisgeben.' Die Leseförderung gehöre nicht zu den Dingen, die von der Politik verhandelbar seien. 'Für viele Menschen ist es wichtig, dass sie ein niedrigschwelliges Angebot haben.'
Jetzt wird offenbar sogar darüber nachgedacht, wie die Bibliothek mit einem Kern-Angebot wieder in die Ortsteile gehen kann. Emigholz und Lison erwähnten gestern, dass sogenannte Lese-Punkte entstehen könnten. Dabei wird unter anderem an Obervieland und Hemelingen gedacht. Bei Lese-Punkten soll es sich um einräumige Mini-Bibliotheken handeln, mit einem kleinen Bücherbestand, PC-Zugang zum Katalog und Personal der Stadtbibliothek, das zu bestimmten Zeiten vor Ort ist. Die konkreten Umsetzungsschritte sind anscheinend noch offen.
Einzig eine Zahl ist seit dem Umzug ins alte Polizeihaus rückläufig: Es gibt immer weniger Inhaber einer Bib-Card, wie heute der Bibliotheksausweis heißt. 70000 waren es beim Umzug, Ende dieses Jahres sind es voraussichtlich nur noch 52000. Eine der Erklärungen ist, dass in der Zwischenzeit die Gebühren angehoben worden sind. Lison zufolge gehen der Bibliothek viele Jugendliche verloren, wenn sie erstmals für ihre Bib-Card zahlen sollen. Deshalb wird jungen Erwachsenen jetzt für 15 Euro eine günstige Einstiegs-Karte geboten. Regulär kostet die Jahreskarte 25 Euro.
Und auch das Gebäude bereitet Barbara Lison offenbar mitunter Unbehagen. Das Klima sei zeitweise so aufgeheizt und schlecht, dass für den Notfall im Sommer schon Pläne zur Schließung bereitlagen. Es sei 'für die Kunden schlimm und für die Beschäftigten auch'.
Dennoch: Zu Barbara Lisons Visionen gehört es, dass die Bibliothek auch im digitalen Zeitalter ein Ort bleibt, an dem sich die Menschen real treffen. Es gibt keine Schwelle, es gibt keinen Kaufzwang, die Kunden müssen sich nicht per Ausweis legitimieren. Die Bibliotheks-Chefin: 'Wir werden keine Kontrolleure aufstellen.'


Regenwahrscheinlichkeit:

