Premium Aerotec, die hundertprozentige Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS N.V., zu dem auch Airbus gehört, ist seit einem Jahr operativ. In ihr sind jetzt außer den Bremern das EADS-Werk in Augsburg sowie die einstigen Airbus-Werke in Varel und Nordenham versammelt. Damit umfasst der Zulieferverbund mehr als 6000 Beschäftigte. Der Zulieferer verfügt über eigene Entwicklungskapazitäten, deren Schwerpunkt sich in Augsburg befindet. Daneben gibt es 'Entwicklungsbüros' in Bremen, Hamburg und Manching. Die Unternehmenszentrale hat ihren Sitz in Augsburg, operativ wird der Verbund von Varel aus gesteuert.
Während der Mutterkonzern EADS sich verpflichtet hat, bis zum 31.12.2012 Mehrheitsgesellschafter des Verbunds (mindestens 51,1 Prozent der Anteile) zu bleiben, erhielten die Beschäftigten in Nordenham, Varel und Augsburg die Zusicherung, bis Ende 2013 von betriebsbedingten Kündigungen verschont zu bleiben. Die Bremer, die nun ein Jahr nach der Gründung der Premium Aerotec dazustoßen, erhielten eine gleichlautende Zusicherung, die bis Ende 2014 gelten soll.
Sicherheit für die Beschäftigten
Zusammen mit den Investitionen der EADS in neue Fertigungstechnologien im Verbund, besonders in die Fertigung der neuen Kohlefaserverbundteile, sei bei der Überleitung eine nachhaltige Sicherung für die Beschäftigten erreicht worden, sagte Rüdiger Lütjen, Vorsitzender des EADS-Konzernbetriebsrats, bei der Feier mit den künftigen Bremer Mitarbeitern. Lütjen: 'Das Paket aus Investitionen in die neue CFK-Technologie, die Absicherung der sozialen und tariflichen Standards und die Beschäftigungssicherung über fünf Jahre sichern den Start für die Kolleginnen und Kollegen ab.'
Während Werksleiter Helmut Färber die Bremer Mitarbeiter am Freitag mit eher hochdeutsch klingenden Worten im Verbund begrüßte, richtete Hans Lonsinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Premium Aerotec, ein schwäbelndes 'Herzliches Grüß Gott!' an die Beschäftigten. 'Wir sind sicher auf dem Flugplatz in Bremen gelandet', fuhr der Unternehmenschef fort und schickte sich an, den Perspektiven des Verbunds positive Konturen zu geben. 'Wir haben einen guten Auftragsbestand', sagte Lonsinger. Dieser sei 'besser als bei vielen Produzenten der Autoindustrie oder des Maschinenbaus'. Die Airbus-Produktpalette sei perfekt. Zwar werde es 'mit Sicherheit eine kleine Delle oder einen Abschwung' in diesem Jahr geben, vielleicht stünden 'auch zwei schwierige Jahre bevor', längerfristig jedoch zähle die Luftfahrt zu den Wachstumsbranchen mit entsprechend positiven Aussichten.
Kerngeschäft des Verbunds ist die Entwicklung und die Herstellung von Metall- und Kohlefaserverbund-Flugzeugstrukturen. auch damit verbundene Vorrichtungen und Produktionssysteme werden von der Premium Aerotec selbst hergestellt, beispielsweise im Werk Varel. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Gerald Weber, hob in seiner Ansprache gestern die strategische Ausrichtung des Verbunds im Flugzeugbau hervor und sagte, das Unternehmen werde durch die Übernahme der Bremer Teilefertigung 'seine bis jetzt ausgezeichnete Position im weltweiten Markt für Flugzeugstrukturen weiter ausbauen'.
Tatsächlich ist Premium Aerotec inzwischen der wichtigste Zulieferer für Airbus und in sämtlichen großen zivilen und militärischen Flugzeugprogrammen bei Airbus vertreten, darunter in den Fertigungsprogrammen für die Airbus-Modelle A318 bis A321, A330/A340, im Programm für die neue A350 XBW sowie beim Jumbo A380. Die militärische Fertigung macht derzeit rund zehn Prozent im Verbund aus. Sollte der Transporter A400M demnächst in Serie gehen, würde sich dieser Anteil verdoppeln. Darüber hinaus liefert der Verbund Komponenten für den Eurofighter und Tornado ebenso wie für unbemannt fliegende Systeme (UAVs). Auch Boeing ist mit seinem neuen 'Dreamliner' Kunde. 'Wir haben alles akquiriert, was weltweit zu akquirieren ist', sagt Verbundchef Lonsinger.

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