Ein Dutzend Teams hat sich zu dem Wettkampf gemeldet, der alle zwei Jahre und zum ersten Mal im Norden stattfindet. Ausgerichtet wird der Wettkampf immer von der Siegermannschaft, und das war vor zwei Jahren in Bayreuth das Bremer Team. Das Privileg hat jedoch auch einen Nachteil. 'Wir selbst dürfen nicht starten', sagt Hauptkommissar Ralf Goldmann. Er hat die insgesamt zehn Szenarien entworfen, durch die sich am Dienstag und Mittwoch rund 200 Wettkämpfer quälen mussten.
Die Spezialkräfte sollten zum Beispiel das Schulschiff Deutschland in Vegesack entern, in Borgfeld eine Einsatzlage ähnlich der eines Castortransportes lösen, den Waller Fernsehturm erklimmen und auf dem Schießstand der Polizei in Huckelriede die Treffsicherheit unter Beweis stellen. Außerdem gab es an jeder Station Aufgaben, die das logische Denken, das Gedächtnis oder aber die Mathekünste der Beamten forderten. 'Anspruchsvoll' nannten einige Beamte das Programm, 'wahnsinnig anstrengend' nannten es andere.
Brandenburg legt hohes Tempo vor
Zur zweiten Gruppe gehört ein junger Beamter aus Brandenburg, der sich gerade mit drei seiner Kollegen im Bunker an der Pappelstraße zu orientieren versucht. Die Männer müssen den Amokschützen dingfest machen, Schaltkästen reparieren und mit ihren Farbpatronen auf geometrische Figuren schießen, die ihnen vor Beginn der Übung gezeigt worden sind. Die Figuren sind überall im Bunker verteilt. Sie sind an Wänden zu sehen, sie hängen von Decken und drehen sich - und sie sehen im Halbdunklen beinahe genau so aus wie andere Symbole, die unbeschadet bleiben müssen. Sonst drohen Zeitstrafen. Doch damit noch lange nicht genug, denn Goldmann hat sich noch ein paar weitere Schikanen einfallen lassen: Einem Rechtshänder wird der rechte Arm an den Körper gebunden und er muss mit links schießen. Einem anderen werden sogar beide Hände gefesselt.
Das Team legt trotzdem ein hohes Tempo vor, arbeitet sich Bunkeretage um Bunkeretage empor. In dem Zwielicht den Überblick zu behalten, ist selbst für Beobachter schwer. Die Temperaturen in dem Bunker, die stickige Luft und die schwere Einsatzmontur fordern ihren Tribut. Die Männer sind klitschnass vom Rennen gegen die Uhr, die Beine schwer von den vielen Treppenstufen. Immer wieder Schreie, immer wieder fallen Schüsse - und dann ist der Amokschütze getroffen. Doch die Übung ist noch lange nicht vorbei.
Am Ende reicht es am Bunker für einen Platz im 'guten Mittelfeld', erklärt der Stationsleiter, der die Zeit genommen hat. Das Brandenburger Team weiß von seiner Platzierung nichts, denn die Ergebnisse werden erst bei der Siegerehrung bekanntgegeben, die für Mitternacht vorgesehen ist. Aber die Männer sind zufrieden. 'Es ist schwierig, die Ziele zu erkennen und von den Figuren zu unterscheiden, auf die nicht geschossen werden soll', sagt einer , in dessen Gesicht sich die Anspannung und die Strapazen widerspiegeln. 'Und das ist dann tatsächlich so wie im richtigen Leben, wie bei einem echten Einsatz.'
Die BFEs stehen bei so genannten Großlagen oft im Fokus. Sie sind es, die bei Demonstrationen Gewalttäter und Steinewerfer aus der Menge heraustrennen und festnehmen. Sie stehen bei Einsätzen gegen Hooligans in den ersten Reihen und müssen sich Gesichter und Kleidung merken, um auch später noch Täter überführen zu können, sagt Wettkampf-Leiter Ralf Goldmann. 'Und deswegen schaffen es in die BFEs auch nur Kollegen, die körperlich und psychisch absolut fit und belastbar sind.' Doch selbst die bringt Goldmann mit seinem Parcours an die Grenzen.
Denksport nach dem Castor-Einsatz
Am Nachmittag ist die Mischung aus Adrenalin und Erschöpfung den meisten Beamten deutlich anzumerken. Da werden ein paar hundert Meter Marsch zu einem Hof an der Straße 'Am Hollerdeich' schnell zur Tortur. Verglichen mit dem was kommt, ist der Marsch dann aber doch wieder eher ein Spaziergang. Das Szenario ist dem Einsatzgeschehen im Wendland entnommen: Menschen haben sich versammelt, um gegen den Castor-Transport zu demonstrieren. Eine Trecker-Sperre muss aus dem Weg geräumt werden, eine Sitzblockade aufgelöst und riesige Strohballen müssen hin und her bewegt werden. Und am Ende gibt es auch hier wieder Denksportaufgaben. Das Team aus Sachsen hat die Aufgabe gerade gemeistert. Sie haben Fehler gemacht und analysieren jetzt, was hätte besser laufen können. Was sie nicht wissen: Sie haben eine Zeit hingelegt, die der Stationsleiter als 'bombastisch' bezeichnet. Sachsen liegt an dieser Station knapp hinter dem Team aus Schleswig-Holstein.
Wie lange das noch so bleibt, hängt von den letzten beiden Teams ab, die sich mit der 'Castor-Lage' noch beschäftigen werden. Die Mannschaft aus Mecklenburg-Vorpommern ist bereits im Anmarsch. Die Beine sind ihnen schwer, das sieht man bei jeden Schritt. Sie quälen sich Meter um Meter nach vorne, bis sie auf die Sitzblockade stoßen, die sie auflösen müssen. Irgendwann ist auch das geschafft, doch damit ist der Tag noch lange nicht vorbei. An zwei Stationen müssen die Männer noch einmal kämpfen, noch einmal über ihre Grenzen gehen. Denn nur so kann man gewinnen, nur so kann man noch besser sein als die besten Polizisten der Republik.





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