Das Heim sei übervoll, sagt sie. Jeder Hund im Zwinger habe nur zwei Quadratmeter Platz für sich. Auch das Geld reiche vorne und hinten nicht. 'Wir haben einen großen Investitionsstau im sechsstelligen Bereich', sagt die resolute Tierheimchefin. Ihr größtes Problem ist zurzeit das Hundehaus: Der Bau aus den 50er-Jahren ist marode, müsste neugebaut werden - und er ist heillos überfüllt.
'Wir bekommen immer mehr Hunde gebracht. Zuletzt hatten wir bis zu drei Tiere in einem Zwinger', erzählt Karin Mendel. Statt 7,5 Quadratmetern, wie vom Tierschutzgesetz vorgeschrieben sei, würden die Tiere auf zwei Quadratmetern leben. 'Wir sind immer stündlich am Tauschen, damit die Hunde in den Auslauf können.' Das sei kein Zustand. Auch die Bausubstanz sei ein Problem. Nicht nur Farbe blättere überall von den Wänden, auch Installationen, Leitungen und das Mauerwerk seien schon lange nicht mehr in Ordnung.
Geld reicht nicht aus
Grund für die hohe Zahl von abgegebenen Tieren ist nach Einschätzung von Karin Mendel nicht nur die Urlaubszeit, in der oft Tiere ausgesetzt werden, sondern auch die vielen Fundtiere. 'Die Mitarbeiter der Stadt geben immer mehr bei uns ab', erzählt Mendel. Der Zuschuss fürs Tierheim betrage aber seit 'ewigen Zeiten' nur 40000 Euro. 'Davon kann ich nicht einmal zwei Vollzeitkräfte bezahlen. Eigentlich müssten wir unter diesen Bedingungen schließen. Dann kann die Stadt sehen, wo sie bleibt.' Karin Mendel betont, dass die Kommune verpflichtet sei, sich um Fundtiere zu kümmern. Mit dem Zuschuss 'kaufe' sie sich jedoch aus dieser Verpflichtung heraus.
Dabei liegen schon Pläne für einen Neubau vor. 700000 Euro würde der kosten, doch zurückgehende Spenden und Mitgliederzahlen im Tierschutzverein, der das Heim trägt, machten einen Neubau unmöglich. Der Jahresetat des Heims betrage etwa 230000 Euro, das reiche gerade für die laufenden Kosten. 'Wir wissen nicht, wie es weitergehen kann.' Eine Erhöhung der Beiträge hält sie für nicht durchsetzbar.
Ein Neubau reicht auch nach Ansicht der FDP-Stadtverordneten nicht aus. Ihr Fraktionsvorsitzender Mark Ella fordert bessere Unterstützung seitens der Stadt. 'Der Verein kann den gestiegenen Kostendruck nicht ausgleichen und schon gar keinen Umbau finanzieren.' Außerdem wäre der Neubau eines Hundehauses auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ella hat andere Ideen. 'Wir sollten es wie Berlin machen', schlägt er vor. Das dortige Tierheim wurde neu gebaut und in der Stadt verankert. 'Da ist sogar eine kleine Erlebniswelt entstanden.' So könnte man an das eigentliche Tierheim einen kleinen Streichelzoo anschließen. Oder über die Beratung zur Haltung von Haustieren und ein Zubehörgeschäft etwas dazu verdienen. Auch ein Tierfriedhof sei denkbar.
Damit hat er Karin Mendel auf seiner Seite. 'Wir könnten uns zudem eine Tierpension vorstellen.' Immer wieder kämen Anfragen von Bürgern, ob man die vierbeinigen Mitbewohner nicht für die Dauer des Urlaubs oder eines Krankenhausaufenthalts im Tierheim unterbringen könnte. 'Das müssen wir immer ablehnen. Aber das wäre eine gute Einnahmequelle.' Allerdings würde ein solcher Neubau natürlich auch Geld kosten. Am jetzigen Standort, zwischen der Mülldeponie Grauer Wall und dem Speckenbütteler Park, sei das zudem nicht möglich. 'Bremerhaven hat aber genügend Flächen, da findet sich etwas', ist Ella überzeugt. Auf jeden Fall aber müsse etwas passieren.
Unterstützung erhalten der Freidemokrat und die Tierheimchefin vom Amtstierarzt. Eigentlich, so die einhellige Meinung, hätte man das Heim in der Seestadt schon längst schließen müssen. Wohin dann aber mit all den hilfsbedürftigen Tieren?
Schon deshalb müssen in nächster Zeit wohl auch weiterhin zwei Quadratmeter pro Vierbeiner ausreichen.


Regenwahrscheinlichkeit:

