Als Schmuckstück und Anziehungspunkt im umgestalteten Europahafen, um dort die zukunftsgerichtete Entwicklung der Überseestadt mit der Historie zu verknüpfen. Zunächst sollen der Senat und die Handelskammer gemeinsam einen Beauftragten für Bremens maritimes Erbe finden und berufen.
Aufgabe des 'Beauftragten für das maritime Erbe' soll es im ersten Schritt sein, eine Stiftung oder einen Förderverein ins Leben zu rufen und die nötigen Mittel einzuwerben. Gleichzeitig könnten Verhandlungen mit der 'Deutschen Stiftung Sail-Training' (DSST) aufgenommen werden, der die Bark 'Alexander von Humboldt' heute gehört. Generell würde es zum Aufgabengebiet des neben- oder ehrenamtlichen Beauftragten gehören, alle privaten und öffentlichen Aktivitäten zur maritimen Geschichte Bremens zu bündeln und zu koordinieren.
Derzeit ist die 'Alex' ein letztes Mal auf der Sail in Bremerhaven zu sehen. Möglichkeiten, das Schiff mit den markanten grünen Segeln zu erwerben, gibt es dabei durchaus. Die Stiftung Sail-Training biete den Segler bekanntlich seit 2009 zum Kauf an, seitdem klar ist, dass die Nachfolgerin 'Alex II'tatsächlich finanziert werden kann. Die Preisvorstellungen der Eigner für das Traditionsschiff liegen bei 3,8 Millionen Euro. Die Rede ist davon, dass es momentan ernsthafte Nachfragen gebe (siehe den nebenstehenden Bericht), aber offenkundig noch keine konkreten Kaufverhandlungen.
Lücke soll geschlossen werden
Die Idee, jetzt von Seiten der Stadt Bremen aktiv zu werden und die Sicherung in die Wege zu leiten, stammt vom Sozialdemokraten Klaus Aufdemgarten aus dem Ortsverein Altstadt. Er kennt sich mit maritimen Themen aus, er hat mehrere Bücher über Werften geschrieben, zum Beispiel über 'Abeking & Rasmussen' in Lemwerder. Beim Parteitag jetzt im Bürgerzentrum Neue Vahr bezeichnete Klaus Aufdemgarten es als bedauerlich, dass im kanalähnlichen Becken des Europahafens keine Schiffe lägen. Die 'Alexander von Humboldt' wäre seiner Ansicht nach genau das richtige Schiff, um diese offensichtliche Lücke zu füllen.
Weil der Segler allerdings hohe Investitionen benötigt, um ihn fahrtüchtig zu halten, denkt Aufdemgarten in erster Linie daran, ihn im Hafenbecken fest an die Spundwand zu legen. 2009 zum Beispiel wurde die Kosten für Reparatur und Wartung auf 500000 Euro geschätzt. Für den festen Liegeplatz im Europahafen müsste ein Nutzungs- und Betriebskonzept erarbeitet werden. Beispiel dafür wäre das 'Schulschiff Deutschland', das in der Lesummündung in Bremen-Nord liegt. Das 'Schulschiff Deutschland' ist nicht mehr in der Lage, sich aus eigener Kraft von der Stelle zu bewegen.
Verknüpfung zur Vergangenheit
Gerade die Überseestadt hat nach Ansicht des Antragsstellers einen Nachholbedarf ins Sachen maritimer Ausrichtung. Die öffentliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Überseestadt sei bislang zu eng auf wirtschaftlichen Erfolge fokussiert. Das ehemalige Freihafenareal besitze aber Bedeutung für das Selbstverständnis der Stadt als Welthafen. Zitat aus dem Antrag mit der Ziffer 30: 'Der Begriff ?Überseestadt? konnte bisher nicht anschaulich gemacht werden.'
Aufdemgarten erntete für seinen Vorschlag in der kurzen Debatte Zuspruch und Kritik gleichermaßen. So warnte zum Beispiel der Kapitän eines Segelschiffes vor den Folgekosten, die durch den Plan entstehen könnten. Er fahre auf einem vergleichbaren Segelschiff, dessen Unterhaltung allein 180.000 Euro pro Jahr verschlinge. Er rechnete vor, wie hoch das Stiftungskapital sein müsste, um allein diesen Posten zu finanzieren.
Andere Redner konnten dem Anstoß Aufdemgartens aber sofort positive Aspekte abgewinnen. So wurde zum Beispiel moniert, Bremen leiste nicht genügend Anstrengungen, um historische Schiffe ans Weserufer zu legen. Unter anderem unterstützte Frank Schmitz den Antrag im Namen des Unterbezirksvorstandes. Am Ende stimmte die Mehrheit der Delegierten für den Antrag, der jetzt dem Senat vorgelegt wird. Der Unterbezirk Stadt nimmt aufgrund seiner Größe im SPD-Gefüge eine dominierende Stellung ein.
1906 vom Stapel gelaufen
Die 'Alexander von Humboldt' ist 1906 als Baunummer 155 bei der Werft AG ?Weser? vom Stapel gelaufen. Zunächst war sie als Feuerschiff unter dem Namen 'Reserve Sonderburg' an verschiedenen Stellen in der Nord- und Ostsee im Einsatz, quasi als mobiler Leuchtturm. Und sie war als solches mit dem heutigen Dreimaster nicht zu vergleichen. Erst nachdem die 'Reserve Sonderburg' in der 1980er Jahren in den Ruhestand geschickt werden sollte, kam die Idee von Privatpersonen auf, die eiserne Bark zu einem Windjammer umzubauen und für Trainingsfahrten mit Jugendlichen zu nutzen. So wurde das Schiff von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Aurich gekauft und der Umbau in Auftrag gegeben.
Mit drei Masten ausgestattet, bekam der Rumpf der Bark zunächst einen neuen, dunkelgrünen Anstrich, auf Vorschlag der damaligen Brauerei Beck & Co (heute InBev) dann auch grüne Segel. Die Werbeauftritte für die Biermarke aus Bremen machten die 'Alexander von Humboldt' schließlich zu einem der bekanntesten Segelschulschiffe weltweit.



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