Zu wenig Beamte

 - 06.09.2009

Kripo verzichtet auf Task Force

Von Rose Gerdts-Schiffler
Bremen. Sie gelten als die Task Force der Bremer Polizei, eine Gruppe wendiger Ermittlerinnen und Ermittler, die dorthin gehen, wo es gerade brennt – mit einem klaren Auftrag und einem klar formulierten Ziel. Ihr Name: Flexible Ermittlungsgruppe (FEG). Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit musste die Polizeiführung nun „eine unerträgliche“ Entscheidung treffen und die FEG vorübergehend schließen. Grund sind die hohen Rückstände in der Bearbeitung von Betrügereien und Einbrüchen.
Polizeipräsident Holger Münch.
Polizeipräsident Holger Münch.

Im April dieses Jahres mussten sich dieMitarbeiter der FEG daher extrem flexibel zeigen. Statt in zwei, drei Monaten Jugendbanden in den unterschiedlichsten Stadtteilen den Garaus zu machen oder gewalttätige Clanstrukturen aufzubrechen, wurde die Gruppe aufgeteilt, um innerhalb der Kripo die größten Löcher zu stopfen. Die meisten Ermittler schickte die Polizeiführung in das Kommissariat 5, das sich unter anderem mit Betrugsfällen beschäftigt.

Mit 5000 Delikten im Rückstand

Dort hatten die Sachbearbeiter im Frühjahr „Land unter“ gemeldet. Bis heute sind die Beamten mit 5000 Delikten im Rückstand. Monat für Monat kommen 750 bis 800 neue Verfahren hinzu. Bis vor Kurzem waren es noch 500 neue Fälle im Monat. Doch dank Internet können sich gewiefte Täter fremdes Eigentum aneignen, ohne einen Schritt vor die Tür zu gehen. „Sofa-Kriminalität“ nennen Kriminalisten die Begehungsform, die bundesweit die Deliktzahlen nach oben schnellen lassen.

„Uns fehlen aktuell 120 Polizisten unter der errechneten Mindeststärke“, sagt Polizeipräsident Holger Münch unumwunden. Allein 36 Kolleginnen und Kollegen seien es in der Kripo. Bis zum Sommer nächsten Jahres müsse die Polizei Bremen mit weiteren 27 Abgängen und Pensionierungen rechnen. Erst ab Oktober 2010 sei ein Ende des „tiefen Tals“ zu erkennen. Dann machen sich die höheren Einstellungsquoten in jüngerer Vergangenheit bemerkbar.Bis dahin müssen Münch und seine Kollegen immer wieder die Quadratur des Kreises versuchen. „Wir wollen, dass die Streifenwagen durch die Stadt rollen. Deswegen haben wir das fehlende Personal in der Kripo nicht aus der Schutzpolizei geholt“, betont Münch. Mit dem Preis, dass die Sondergruppe FEG bereits im Frühjahr „vorübergehend geschlossen“ werden musste.

Erfolgreiche Ermittlungsarbeit vorerst auf Eis gelegt

Diese Entscheidung war „strategisch grausam, eigentlich unerträglich“, betont Hans-Jürgen Rippe, stellvertretender Leiter der Bremer Kripo. Denn die FEG hatte Erfolg: Erstmals kam die Gruppe im Juli 2007 in Huchting zum Zuge. In enger Kooperation mit den Beamten vor Ort ermittelten die Beamten die Wohnorte, Treffpunkte und Tatorte von Mitgliedern einer gefürchteten Jugendgruppe. Innerhalb von drei Wochen waren sechs von sieben jungen Tätern in Haft. Bei einem wurde gar eine langjährige Bewährungsstrafe widerrufen.

Die Szene war erheblich verunsichert. „Jeder Straftäter, aber auch die Bürger vor Ort wussten, die Polizei wühlt da rum“, erzählt der Polizeipräsident. Die positiven Auswirkungen seien bis heute spürbar. Ähnlich effektiv wirkte die Gruppe auch in Blumenthal, wo sie der Straßenkriminalität den Kampf ansagte. Der Erfolg erklärt sich vor allem aus der Tatsache, dass die FEG-Mitarbeiter nicht nur frei von normaler Sachbearbeitung und Alltagsarbeit sind, sondern einen klar definierten Auftrag erhalten und dann sofort loslegen können. Die mühevolle Bildung einer Sonderermittlungsgruppe, die sich erst aufeinander einspielen muss, fällt weg. Das Team kann heute in der Neustadt agieren, zwei Monate später in Oberneuland, Blumenthal oder Findorff. Deswegen würden manche am liebsten gleich mehrere FEGs in Bremen ins Leben rufen. Problemfelder und Themen gäbe es genug. Doch das bleibt angesichts der Personalnot ein Traum. Rippe: „Unser Ziel ist, dass wir die FEG ab Anfang nächsten Jahres wieder losschicken können.“

 





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