Einräder, Stelzen, Inline-Skates, Hoch- und selbst Rhönräder – entlang der Veranstaltungsmeile Martinistraße hatten alle Fortbewegungsmittel ohne Verbrennungsmotor Hochkonjunktur. Vor der Bühne demonstrierten junge Kunstradfahrer und BMX-Akrobaten ihr Hobby. Dazu Spiele, Esel vom Nabu, Kino im Parkhaus und viele Informationen rund um das Thema Mobilität. Erst ging es etwas verhaltener los, spätestens aber nach dem Eintreffen der zentralen Radtour war Platz Mangelware. Später kamen dann noch die Teilnehmer der Weser-Inline-Tour aus Richtung Bremerhaven hinzu.
Trubel auf der Martinistraße, Ruhe in der Neustadt
Im krassen Gegensatz zum Trubel auf der Martinistraße standen die abgesperrten Bereiche rings um die City. Wer schon immer mal auf der Bürgermeister-Smidt-Straße oder am Herdentor spazieren wollte – gestern bestand dazu die Gelegenheit, auch wenn sich vereinzelt Autofahrer nicht an die Absperrungen halten mochten. Die Polizei meldete keine besonderen Vorkommnisse.
Mit dem Hochrad waren drei Herren aus Leer unterwegs. Sie freuten sich über das deutliche Interesse an ihren historischen Rädern. Hans-Rudolf van Loh, Reiner van Loh und Gerd Düselder: „Das hat uns sehr viel Freude gemacht.“ Mit einer Einrad-Kette vom Bahnhof bis vor das Pressehaus sollte am Nachmittag ein Rekord aufgestellt werden. Das klappte zwar knapp nicht – die meist jungen Teilnehmer der Aktion waren dennoch mit sichtlichem Spaß dabei.
Autofreier Tag kam gut an
Judith Bohl und Thomas Ferbus schoben mit dem Rad über die Martinistraße. Ihrer Meinung nach sollte Bremen auf alle Fälle auch künftig autofreie Sonntage organisieren. „Wir haben vor einem Jahr unser Auto verkauft“, sagte Thomas Ferbus und beide betonten, dass man in Bremen gut mit Rad und BSAG-Karte hinkomme. Verständnis zeigte Judith Bohl aber dafür, dass die Geschäftsleute in der Innenstadt auf Kunden mit dem Pkw angewiesen sind. Anne und Sebastian Hitzemann aus Findorff nutzen für den täglichen Weg zur Arbeit und an die Hochschule ebenfalls das Rad. Sie sind überzeugt: Weniger Autos bedeuten für die Innenstadt einen Wertgewinn. Der autofreie Sonntag sei ein gutes Zeichen dafür, so Anne Hitzemann, dass es funktioniere, sich in Bremen ohne Auto zu bewegen.
Umweltsenator Loske kündigt Wiederholung an
Bis zuletzt hatte es um den autofreien Sonntag eine politische Auseinandersetzung gegeben. Dabei ist ein derartiger Veranstaltungstag kein Bremer Unikum. Eine inoffizielle Liste zählt für das laufende Jahr mehr als 70 solcher Aktionstage im Bundesgebiet auf – und da taucht zum Beispiel der gestrige abgasfreie Tag in Bremen nicht einmal auf.
Der FDP-Politiker Magnus Buhlert hat der Regierung noch einmal vorgeworfen, sie betreibe „Werbung für rot-grüne Politik auf Kosten der Steuerzahler.“ Die Grünen hingegen hatten auf ihrer Homepage geworben: „Dass man mit einem einzigen Event das Klima retten kann, hat doch niemand behauptet. Es geht vielmehr um die Signalwirkung.“
Wiederholungen sind auf alle Fälle beabsichtigt. Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne) – der an der Radtour über die Hochstraße und die Autobahn teilnahm – kündigte an, dass der autofreie Sonntag zur Tradition werden solle. Er will auch darüber nachdenken, ob nicht zusätzlich zu Veranstaltungen im kommenden Jahr die Innenstadt von Autos freigehalten werden kann. Ihn freute gestern vor allem, dass die City ohne Autos weniger hektisch war: „Wir erleben eine andere Grundgeschwindigkeit, eine ruhige Atmosphäre.“
Die plötzliche Stille einer autofreien City konnten die Besucher hier allerdings nicht genießen – von den Bühnen gab es Dauerbeschallung. Nicht nur Stefanie Bernhardt, die mit ihren Söhnen und per Rad den autofreien Sonntag besuchte, wunderte sich über diesen Umstand. Ansonsten lautete auch ihr Urteil: „Ich wünsche mir so etwas häufiger.“

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