Allerdings habe man Beluga-Gründer Niels Stolberg schon 2009 vor einem zu schnellen Wachstum gewarnt.Die Unfähigkeit eines branchenfremden Investors im Umgang mit der Schifffahrtsbranche, der nur auf kurzfristigen Profit aus ist und die Regeln des Geschäfts nicht kennt und ein Firmengründer, der erfolgsgewohnt war und im entscheidenden Moment vermutlich die Grenzen der eigenen Möglichkeiten nicht mehr gesehen hat - in diesem Spektrum bewegt sich die Diskussion um mögliche Ursachen für die Insolvenz der Reederei.
Der Chef des Emissionshauses HCI, Ralf Friedrichs, hat gegenüber dem Magazin "Spiegel" gesagt, die Insolvenz von Beluga wäre vermeidbar gewesen. "In Bremen hat man innerhalb von drei Wochen einen Weltmarktführer zertrümmert", sagte Friedrichs. Der Chef der Bremer Landesbank, Stephan-Andreas Kaulvers, sieht das ähnlich: "Ich teile seine Einschätzung, dass das Ganze so hätte nicht laufen müssen", sagte Kaulvers dem WESER-KURIER. "Wenn man in Schwierigkeiten ist, geht man damit nicht an die Öffentlichkeit, sondern setzt sich mit den Betroffenen zusammen und überlegt, wie man eine Lösung hinbekommt. Das muss man jetzt mit dem Insolvenzverwalter machen. Aber das hätten wir vorher tun können."
Oaktree hatte bekanntlich Anfang März Schiffsfinanzierer wie Banken und Fondsgesellschaften in Hamburg zusammengerufen und ihnen vorgeschlagen, drei Monate lang auf ihr Geld zu verzichten, andernfalls werde man Beluga in die Insolvenz schicken. Anwesend war auch ein Vertreter der Bremer Landesbank, die gemeinsam mit der Deutschen Schiffsbank (Commerzbank-Gruppe) zu den größten Finanzierern der damals noch rund 70 Schiffe umfassenden Beluga-Flotte gehört. Was als Drohung gemeint war, wurde innerhalb von Tagen Realität: Im Anschluss an das Treffen wurden mehr als 50 Schiffe von Beluga abgezogen und bei konkurrierenden Reedereien untergebracht. In einem Dominoeffekt brach daraufhin die ganze Unternehmensgruppe zusammen. Oaktree habe auch aus mangelnder Geschäftskenntnis agiert, erfuhr diese Zeitung aus Branchenkreisen. Dem Investor sei nicht klar gewesen, dass mit diesem Ultimatum die Grundlage für die Kündigung von Verträgen mit Beluga gegeben war und damit Schiffe und Ladung abwandern würden. Allerdings habe es Warnungen gegeben, die Oaktree aber ignoriert habe.
Drohung wurde Realität
Die Bremer Landesbank, deren Schiffsportfolio insgesamt ein Volumen von 5,6 Milliarden Euro umfasst, macht keine Angaben zur Höhe ihres Investments bei Beluga. Kaulvers versichert aber, gemessen am Gesamtportfolio sei dieser Betrag "marginal". Auch die Verluste hielten sich in Grenzen, denn man habe immer vorsichtig investiert und sei 2009 nicht in die von Stolberg geplanten Großprojekte eingestiegen. "Wir haben gesagt, dass uns das Tempo der Expansion zu schnell war und haben uns dann an den neuen Projekten nicht mehr in größerem Umfang beteiligt. Aber wir haben Beluga weiter zur Verfügung gestanden", sagt der Landesbank-Chef.
Damals seien bei der Bank schon die Warnlampen angegangen. "Das Schiffssegment, auch das Schwergutsegment, ist wegen der vielen Neubestellungen durchaus Belastungen unterworfen. Ich halte es nach wie vor für intakt. Aber in einer solchen Situation kann man nicht in einem riesigen Umfang investieren." Entsprechende Gespräche habe es auch mit Stolberg gegeben. "Ich hätte mir ein langsameres, organisches Wachstum gewünscht, entsprechend unserer eigenen Unternehmensphilosophie", sagt Kaulvers.
Chance für Neustart
Jetzt ist Beluga zwangsläufig geschrumpft und die Gläubiger versuchen gemeinsam mit Insolvenzverwalter Edgar Grönda, die Chance für einen Neustart auszuloten. Der Markt habe sich sehr schnell umorientiert, so Kaulvers, die Reeder hätten ihre Ladung bei der Konkurrenz untergebracht. "Das ist natürlich eine schwere Bürde für Beluga. Durch das Verhalten von Oaktree ist in kürzester Zeit sehr viel Vertrauen zerstört worden. Das lässt sich nur schwer reparieren."
Dabei ist der Markt für Schwergutfracht gerade dabei, sich zu erholen. Nach der Wirtschaftskrise besteht bei den Unternehmen ein hoher Investitionsstau. Weltweit werden neue Anlagen und Maschinen geordert. China wird wegen seines Energiehungers eine große Zahl neuer Kraftwerke bauen müssen, nach dem Atomdebakel in Japan vorwiegend konventionelle Anlagen, die aus dem Westen kommen. Der Ausbau der Offshore-Windenergie geht nicht ohne die Spezialschiffe, die Stolberg mit Hochtief bauen wollte. Das Geschäft machen nun wohl andere.





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