Bislang war Beluga Hochtief Offshore ein Gemeinschaftsunternehmen von Beluga und Hochtief. Nach Informationen dieser Zeitung liegt der Preis deutlich über der Summe von 20 Millionen Euro.
Der Hochtief-Konzernvorstand hatte nach Recherchen des WESER-KURIERS bereits vor Wochen per "Vorratsbeschluss" die Ausgabe genehmigt. Beim Bundeskartellamt wurde jetzt auch offiziell die Genehmigung für den Kauf aller Anteile beantragt.
Ein Hochtief-Sprecher bestätigte die geplante Übernahme, die aber offenbar noch nicht vollzogen ist. Offen sei, wie die neue Gesellschaftsstruktur aussehen soll. Dem Vernehmen nach sucht Hochtief erneut eine Reederei als nautischen Partner.
Beluga Hochtief Offshore, 2009 gegründet, hatte im Dezember vergangenen Jahres ein erstes Errichterschiff auf der polnischen Crist-Werft bestellt. Die 147 Meter lange und 190 Millionen Euro teure "Innovation" kann 8000 Tonnen laden und mit einem bordeigenen Spezialkran bis zu 1500 Tonnen bewegen. Bis zu 80 Windkraftanlagen sollen mit dem Schiff pro Jahr installiert werden.
Perspektivenreiches Offshore-Geschäft
Außerdem betreibt Hochtief die Hubinseln "Thor" und "Odin". Der ehemalige Beluga-Chef Niels Stolberg hatte ursprünglich den Bau von insgesamt vier Errichterschiffen unter der BHO-Flagge angekündigt. Auch bei Hochtief werde jetzt bereits über eine Flottenerweiterung nachgedacht, so der Unternehmenssprecher. Denn das Offshore-Geschäft biete gute wirtschaftliche Perspektiven.
BHO hat bereits zwei Großaufträge zur Errichtung des Nordsee-Windparks "Global Tech I" und von "Baltic II" in der Ostsee gewonnen. Bei Nicht-Erfüllung dieser Aufträge könnten Vertragsstrafen drohen, die Hochtief unbedingt vermeiden will. Zudem gebe es erfolgversprechende Verhandlungen über weitere Projekte, heißt es. "BHO ist eine erfolgreiche Gesellschaft, die wir weiterführen wollen", sagte der Hochtief-Sprecher.
Künftig rechnet Hochtief nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von knapp einer halben Milliarde Euro pro Jahr allein aus dem Offshore-Geschäft.
Zwölf Gesellschaften abgewickelt
Weite Teile von Beluga waren im März in die Insolvenz gegangen, allein zwölf Gesellschaften werden seit dem 1. Juni offiziell abgewickelt. Das ehemalige Kerngeschäft soll von der neuen Schwergut-Reederei Hansa Heavy Lift, von Oaktree gegründet, mit derzeit 17 Schiffen und 70 ehemaligen Beluga-Mitarbeitern fortgeführt werden.
Nicht betroffen von der Insolvenzwelle ist die Firmenholding Beluga Group, an der Oaktree 49,5 Prozent der Anteile hält. 48 Prozent liegen noch bei dem Anfang März entmachteten Firmengründer Stolberg, weitere 2,5 Prozent bei der Schawai-Holding (Krombacher). Wichtigste noch geschäftlich aktive Tochter (100 Prozent) ist die Beluga Offshore GmbH, die 50 Prozent der Anteile an Beluga Hochtief Offshore hält.
Seit Längerem war bereits darüber spekuliert worden, dass Oaktree den millionenschweren Verkauf der BHO-Anteile plant - interessanterweise nun augenscheinlich an jenen Partner, den Niels Stolberg im wahrsten Sinne des Wortes mit ins Boot geholt hatte.


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