Bewegte Zeiten hat das Haus erlebt, einst als Hochzeitshaus geschaffen, wurden darin rauschende Feste gefeiert, die Wandschneider trieb es fast in den Ruin und im Zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzbunker.
Zum Jubiläum hat Dieter Riemer, Jurist und Historiker aus Bremerhaven, sich ausführlich mit der Geschichte des Gebäudes befasst. Die urspünglich zwei Gebäude standen wohl schon lange vor 1619, dem bisher angenommene Fertigstellungsjahr, wie er herausfand: "Auf einer Karte von 1588, kann man die beiden Gebäude deutlich erkennen", sagt Riemer . "Ich gehe davon aus, dass es aus dem Spätmittelalter stammt. Vielleicht hat dort ein Domherr gelebt." Das bisher angenommene Datum 1619 resultiere eher aus dem kompletten Umbau des Gebäudes zum Kost- und Hochzeitshaus. Die Gilde der Wandschneider kaufte es ein Jahr zuvor und machte es dazu, was jedoch in eine finanzielle Katastrophe führte. Vor allem jüngere Wandschneider haben später jahrelange Prozesse geführt, um die Schuldenlast bei den Familien abzuladen, die das Kosthaus initiiert hatten, erzählt Riemer.
Insgesamt sollen die Wandschneider bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts für das Kost- und Heiratshaus gezahlt haben . Und das, obwohl es bereits 1685 vom Krameramt gekauft wurde. Dieses habe aber lediglich den Marktwert des Gebäudes bezahlt, der 5000 Reichstalern entsprochen haben soll. Die Krämer nutzen das Haus als Veranstaltungsgebäude, "wenn man sich ansieht was dort alles stattfand, kann man denken das halbe kulturelle Leben Bremens habe sich dort abgespielt", berichtet Riemer über die damalige Bedeutung des Hauses.
Seit 1861 befindet sich die Handwerkskammer, damals noch Gewerbekammer, im nun Gewerbehaus genannten Gebäude. Der Kaufpreis lag bei 35 000 Louisdor, was in etwa acht Millionen Euro entspreche, wie Riemer berechnet hat. Tatsächlich gekauft hat es allerdings der Bremer Senat, dem das Haus fortan gehörte.
Der teure Umbau hatte freilich nur 50 Jahre Bestand. 1912 musste beispielsweise eine große Steintreppe wieder weichen, da die Räume einmal mehr umgestaltet wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus fast vollständig zerstört. Nach dem Krieg sollte es weniger schmuckvoll und in kleiner Form wieder aufgebaut werden. Doch, so Riemer, habe Rudolf Stein, der damals Leiter der Denkmalpflege war, die Verantwortlichen mit einem Trick dazu bewogen, die Giebel wieder aufzubauen. Auf diese Weise sei das Haus aber wieder so hoch wie zuvor geworden, außerdem konnte Stein so überzeugen, dass zu dem wiedererrichteten Seitengiebel nur die Rekonstruktion der beiden Frontgiebel passen würde.
In diesem Haus mit langer Geschichte sitzt eine Handwerkskammer, die ebenfalls auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken kann. Seit 1849 gibt es sie in Bremen - die älteste in Deutschland. Dieter Riemer geht nun noch weiter: "Ich wollte überprüfen, ob das wirklich so ist. Nun bin ich mir sicher, dass es die vermutlich älteste noch existierende Handwerkskammer der Welt ist." Da er aber nicht alle Städte habe überprüfen können, muss er noch ein "kleines Fragezeichen" einräumen.


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