Die vorläufigen Ergebnisse sind erfreulich, auch wenn in der Hansestadt erst 15 von 198 Einrichtungen untersucht wurden. In Niedersachsen wird in einem Monat mit aussagekräftigen Ergebnissen gerechnet. Dort wurden bisher 170 von 1300 Einrichtungen getestet. Die Resultate sind allerdings noch zu vage, um ein genaues Bild zu liefern, so der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Niedersachsen. Auch in Bremen ist mit einer detaillierten Auswertung erst im November zu rechnen.
In den bundesweiten Ergebnissen schnitten zwar zwei Drittel aller getesteten Heime und ambulanten Pflegestationen mit gut oder sehr gut ab. Allerdings fielen 85 der 1057 überprüften Einrichtungen mit ausreichend oder mangelhaft durch. Die Leiterin des Studiengangs Pflegewissenschaften und Management an der Hochschule Bremen, Professorin Martina Roes, sieht die Gründe für das positive Abschneiden Bremens in den Vorbereitungsmaßnahmen: 'Es gibt innovative Einrichtungen, die bereits Anfang 2000 auf ein internes Qualitätsmanagement gesetzt haben. Es wird Geld investiert, um die Mitarbeiter weiterzubilden und zu schulen.'
Die Vergabe von Schulnoten für Pflegeeinrichtungen bietet einerseits Transparenz und kann Angehörigen und Betroffenen bei der Heimsuche helfen. Die Aufschlüsselung gestaltet sich differenzierter als bei bisherigen Testverfahren. Andererseits stellt sich für Roes die Frage nach der Auswahl der Kriterien: 'Es besteht nach wie vor die Kritik, dass Noten sich möglicherweise ausgleichen.' So können sehr gute Ergebnisse in Alltagsgestaltung und Speiseplan negative Eindrücke aus Hygiene und Pflege überdecken und das Gesamtresultat verzerren.
Auf Bundesebene zeigt sich eine Tendenz in diese Richtung. Die Gesamtnote setzt sich aus den vier Hauptkategorien 'Medizin und Pflege', 'Umgang mit Demenzkranken', 'soziale Betreuung und Alltagsgestaltung' und 'Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene' zusammen. Während in der Gesamtnote nur acht Prozent der Pflegeeinrichtungen mit ausreichend oder mangelhaft abschnitten, sind es in den ersten beiden Kategorien rund 20 Prozent.
'Wir heißen die Benotung als Ansatz gut, aber das Verfahren muss erst erprobt werden. Wenn die detaillierten Ergebnisse aus Bremen vorliegen, werden wir sehen, ob sich unser persönlicher Eindruck bestätigt und in den Noten widerspiegelt', sagte der Pressesprecher der Bremer AOK, Jörn Hons. In Bremen und Bremerhaven leben rund 6400 Menschen in den 98 Altenpflegeheimen. Etwa 15400 Pflegebedürftige werden von Angehörigen und von 100 ambulanten Pflegediensten versorgt.
Nach zahlreichen Fällen von unterernährten und wundgelegenen Patienten in ganz Deutschland war mit der Pflegereform eine Überprüfung aller Heime beschlossen worden. Der MDK kontrolliert noch bis Ende des kommenden Jahres alle stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen. Ab 2011 schreibt der Gesetzgeber jährliche Kontrollen vor. Hierbei werden sich je zwei Pflegekräfte, die Mitglieder des MDK sind, vor Ort ein Bild machen und nach insgesamt 64 Kriterien bewerten. Zusätzlich gibt es eine Bewohnerbefragung, die allerdings nicht in die Gesamtnote eingerechnet wird. Bei den ersten Ergebnissen hat sich gezeigt, dass die Pflegebedürftigen ihre Heime zu 87 Prozent mit sehr gut bewerteten. 'Betroffene gehen nach ihrem Zufriedenheitsgefühl. Es ist die Frage, welche Erwartungen Menschen an ihr Pflegeheim haben. Außerdem stehen sie in einer Abhängigkeit. In welchem Umfang das in der Bewertung eine Rolle spielt, ist fraglich', so Roes.
Mit den Pflegenoten müssen erstmals Testergebnisse im Internet sowie in den Heimen selbst veröffentlicht werden. So erhoffen sich MDK und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kontinuierliche Qualitätssteigerungen. Heime, die negativ bewertet wurden, sind angehalten, bis zur nächsten Prüfung Defizite zu begleichen, um eine bessere Note zu erzielen. Kritiker sehen ein Problem darin, dass eine Schließung der Heime auch bei sehr schlechten Ergebnissen nicht veranlasst werden kann.
Dieter Voß, Vorstand des GKV, sieht durch die Ergebnisse die Notwendigkeit des Pflege-TÜV bestätigt: 'Es war gut und richtig, mit den Pflegenoten konsequent auf Transparenz zu setzen.'


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