Bremen. Die Hoffnungen, die die Bürger aus Seehausen in das Bundesverwaltungsgericht gesetzt haben, haben sich als trügerisch erwiesen. Das Gericht in Leipzig hat die Klagen gegen den geplanten A281-Wesertunnel zurückgewiesen. Kern des Urteils: Erstens könnten keine Verfahrensfehler ausgemacht werden, zweitens decke sich die Tunneltrasse grob mit dem Flächennutzungsplan.
Hilmer Hagens, Sprecher der Bürgerinitiative in Seehausen, reagiert gestern "mit Enttäuschung und Unverständnis". Die Kläger vermochten spontan nicht nachzuvollziehen, warum vor einem Jahr Bremen vom Bundesverwaltungsgericht verurteilt worden ist, die A281 bei Kattenturm neu zu planen, in diesem Fall aber nicht. Hagens sprach nach der Urteilsverkündung von einem schlimmen Signal.
Die Richter sehen in den Kosten des Projektes das überragende Argument für den Tunnel in seiner jetzt geplanten Form. Wie berichtet, hat sich der Senat vor Jahren darauf festgelegt, den Tunnel in einer sogenannten Einschwimm- und Absenk-Bauweise zu verwirklichen. Dabei werden komplette Betonsegmente des Tunnels vor Ort abgesenkt und unter Wasser zusammengefügt. Während der Senat davon ausgeht, dass sich so rund 50 Millionen Euro sparen lassen, sprechen die Bürger von der Zerstörung des Dorfes. Sie haben deshalb für einen Bohrtunnel plädiert, dessen Portal sich weit entfernt von der Wohnbebauung befunden hätte.
Die frühere Zusage des Senats unter Klaus Wedemeier (SPD), den Tunnelausgang entsprechend an den Rand der örtlichen Baggergutdeponie zu legen, taucht auch in der Mitteilung des Gerichts wieder auf. Dort heißt es, der betreffende Bürgerschaftsbeschluss besitze nicht die "gebotene Eindeutigkeit".
Während die Bürger noch nicht einschätzen können, ob ihnen weitere Schritte gegen das Projekt offenstehen, herrschte in den Fraktionen und im Rathaus gestern fast einhellig gute Stimmung. Allen voran bei Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD): Er forderte das Verkehrsressort auf, "jetzt mit voller Kraft in die Realisierungsphase der A281 einzutreten". Der zuständige Senator Joachim Lohse kündigte - wie vor Wochen zugesagt - neue Gespräche mit den Bürgern an. Hoffnungen auf einen Kompromiss mochte er gestern aber nicht machen: Was immer jetzt besprochen werde, müsse sich im Rahmen der Kosten und der Planungen bewegen.
Als ein nächster Schritt beginnt jetzt die Suche nach einem privaten Investor für den Tunnel. Wie berichtet, soll sich das Vorhaben später über eine Maut wieder finanzieren. Nach Aussage von Hilmer Hagen ist bereits während der mündlichen Verhandlung in Leipzig angedeutet worden, dass der Bund den Tunnel im Alleingang finanzieren würde, wenn sich kein Investor fände.
Auch Matthias Güldner, Fraktionsvorsitzender der Bremer Grünen, bietet den betroffenen Bürgern Gespräche an: "Wir wissen, dass dieses Urteil für die Menschen in Seehausen eine bittere Pille bedeutet." Umso wichtiger sei es, die zugesagten Gespräche mit ihnen aufzunehmen. Heiko Strohmann, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, mahnt: "Alle Beteiligten müssen das Urteil nun akzeptieren." Den Senat fordert die CDU auf, den Bau der Autobahn zügig umzusetzen. Strohmann: "Einen weiteren Zeitverlust kann sich Bremen bei diesem so wichtigen Infrastrukturprojekt nicht leisten."
Und Otto Lamotte, Präses der Handelskammer Bremen, kommentiert: "Mit großer Freude hat die bremische Wirtschaft die Bestätigung der Planungen für die Weserquerung durch das Bundesverwaltungsgericht aufgenommen. Bremen hat jetzt eine baureife Planung für den Wesertunnel." Umwelt- und Verkehrssenator Joachim Lohse müsse nun die Fertigstellung des Autobahnringes um Bremen bis 2017 anstreben.


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