Bremen. Hölzle heißt er, Vorname: Heiner. Wenn er denkt, klingt das schwäbisch. Gemütlich und sanft ziehen ihm die Worte durch den Kopf. Zu seinem Job will das so recht nicht passen. Zu der brutalen Realität, die ihn jetzt wieder auf den Plan ruft. In einem Wassergraben auf einem Reiterhof am Rande Bremens wurde die Leiche der Russin Sonja Achmatova gefunden. Ein Fall für Kriminalkommissar Heiner Hölzle. Es ist sein erster überhaupt.
Der Schwabe, den es aus Liebeskummer nach Bremen verschlagen hat, ist eine Erfindung der beiden Autorinnen Liliane Skalecki und Biggi Rist. Hölzle ist die zentrale Figur in ihrem Bremen-Krimi "Schwanensterben", der gerade auf den Markt gekommen ist und der ein Stück präzise recherchierte Bremer Geschichte mit einer spannenden Handlung verknüpft, erzählen die beiden Frauen. Inspiriert wurden sie zu ihrem ersten Kriminalroman just dort, wo die Beamten im Buch die Leiche aus dem Wasser ziehen: auf dem Reiterhof am Rande der Wümmewiesen.
Dort sind sich die beiden Frauen vor ein paar Jahren zum erstenmal begegnet. Sie haben sich angefreundet, und irgendwann wurde aus einer "Frühstücks-Kaffee-Prosecco-Laune" heraus die Idee geboren, gemeinsam einen Krimi zu schreiben. "Wir saßen auf dem Reiterhof zusammen und sagten: Über uns kannste ein Buch schreiben", erinnert sich Liliane Skalecki. Immerhin, das Schreiben liegt der Kunsthistorikerin mit Doktortitel nicht fern. Sachbücher, Fachartikel und Unternehmenschroniken hatte sie bisher veröffentlicht. Und nun drehten sich ihre Gedanken um ein neues, ganz anderes Projekt. "Warum machen wir das nicht wirklich?", fragten sich die beiden Frauen und hatten bereits die Idee: Es wird ein Kriminalroman, und es muss ein Thema sein, das auch historisch interessant ist. "Wir wollten in unserer Geschichte keinen Serienmörder und keinen Fall, bei dem aus jeder Seite das Blut fließt", erzählt Biggi Rist. Ruhig und spannend sollte der Krimi werden, mit Bezug zur Hansestadt und einer
Titelfigur zum Gernhaben. Heiner Hölzle sei ein fröhlicher Mensch ohne Depression und ohne Alkoholproblem. "Ganz normale Figuren" wollten sie in ihrem Krimi auftreten lassen.
Wie Hölzle sind beide aus Süddeutschland in den Norden gezogen. Liliane Skalecki kommt aus dem Saarland und lebt seit elf Jahren in Bremen, Biggi Rist wurde in Reutlingen geboren und lebt und arbeitet jetzt in Lilienthal. Schon als Kind habe sie den Wunsch gehabt, unbedingt ein Buch zu schreiben, sagt Rist. Als Siebenjährige habe sie fabulierend an der Schreibmaschine gesessen und um sich herum die Welt vergessen. Nun konnte sie richtig loslegen. Im November 2008 machten sich beide ans Werk. Das Gerüst des Buches war schnell klar: Die junge Sonja findet im Nachlass ihrer Großmutter Unterlagen, die darauf hindeuten, dass diese 1943 in einem Arbeitslager nahe Bremen interniert war. "Sie möchte der Vergangenheit nachspüren, weil sie sich davon einen gewissen Profit verspricht", sagt Liliane Skalecki. Dies führt Sonja nach Bremen, was ihr zum Verhängnis wird. "Das Ende des Buches", sagt die Autorin, "birgt eine Überraschung."
Die einzelnen Kapitel teilten die beiden Autorinnen untereinander auf. Mit unterschiedlichen Schreibstilen, die sich gut ergänzen würden. Fertige Textpassagen haben sie sich gegenseitig zum Lesen und zur Korrektur gegeben. Offenbar hatten sie das richtige Gespür für ihr gemeinsames Buch, das sie dem Gmeiner-Verlag zuschickten, der recht schnell Interesse signalisierte. "Normalerweise wird jedes 100. Manuskript überhaupt nur angeschaut", wissen die Frauen, die auch Band zwei bereits geschrieben haben.
Die Autorinnen stellen ihr Buch am Donnerstag, 1. März, 20 Uhr, bei Thalia in der Obernstraße vor. Am 8. März lesen sie ab 19 Uhr in der Alten Molkerei in Worpswede. "Schwanensterben" gibt es im Buchhandel für 11,90 Euro.


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