Gestern ist eine Debatte über das Kulturticket in der Stadtbürgerschaft kurzfristig von der Tagesordnung genommen worden. Auf Antrag der Linksfraktion. Formaler Grund: Die Unterlagen des Senats dazu hätten nicht rechtzeitig vorgelegen. Laut Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen hat das Projekt hohe Priorität: 'Von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben - und damit auch an Kultur - dürfen wir niemanden ausschließen.' Sükrü Senkal, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, lässt ebenfalls keinen Zweifel aufkommen: 'Das Kulturticket kommt zum 1. Januar. Wir wollen damit einen weiteren Beitrag liefern, um kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.' Im Dezember soll endgültig darüber debattiert werden.
Vorbild stammt aus Berlin
Ab Jahreswechsel, das steht bereits fest, sind das Bremer Theater, die Bremer Philharmoniker, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Shakespeare Company und Schwankhalle dabei. Die Kulturbehörde hofft, dass diese Liste noch länger wird. Das Vorbild für das Bremer Modell kommt aus Berlin, wo die Drei-Euro-Lösung bereits praktiziert wird - allerdings sei die Resonanz darauf 'relativ gering', heißt es.
Wer bislang ins Theater wollte, für den war unter 20 Euro kaum etwas zu holen. Ein Beispiel: Wer an einem Freitagabend Macbeth sehen möchte, kommt zwar für 12,90 Euro in die letzte Reihe, die nächstbeste Kategorie kostet regulär aber schon 25 Euro. Ähnlich sieht es aus, wenn klassische Musik auf dem Programm steht, etwa bei den Philharmonikern in der Glocke. Kultur - nur etwas für Reiche und Gutverdiener? SPD und Grüne haben sich bereits im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, dass im Gegenteil die Beteiligung sozial benachteiligter Menschen am kulturellen Leben in Bremen gefördert werden soll. Und bereits im Herbst 2008 hatten SPD und Grüne in der Bürgerschaft gefordert, dass der Senat die Einführung eines Kulturtickets prüfen solle.
'Stadt-Ticket' statt 'Sozialticket'
Für Hartz IV-Empfänger ändert sich bekanntlich nach einem Beschluss der rot-grünen Regierungskoalition auch der Straßenbahn-Tarif. Das sogenannte Sozialticket soll sozial Schwachen Mobilität für wenig Geld bieten. Allerdings ändert sich kurz vor Start noch der Name: 'Stadt-Ticket' statt 'Sozialticket'. Der Weg zur Günstig-Fahrkarte ist kompliziert. Wer staatliche Leistungen zum Lebensunterhalt bekommt - Hartz IV, Sozialhilfe oder Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz - soll ab Ende November bei der zuständigen Verwaltung (Bagis) eine 'grüne Karte' erhalten. Damit geht es dann zum BSAG-Kundencenter. Mit Personalausweis oder Pass und einem Passbild erhalten die Interessenten dann eine Kundenkarte. Und erst damit kann man am Schalter das Stadt-Ticket kaufen. Der Vorverkauf soll Mitte Dezember starten.
Das Ticket kostet für Erwachsene 29,25 Euro im Monat und gilt für alle Strecken im Stadtgebiet, also nicht für Linien, die über die Bremer Grenzen hinausreichen und nicht für die Bahnverbindung nach Vegesack. Das Projekt steht in der Kritik. Die Linke hält das Sozialticket für zu teuer, die CDU für sozial unausgewogen.



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