Der bunte Vorhang, der die Bühne verdeckte, ließ bereits erahnen, dass es dahinter ebenso farbenfroh wie wild zugehen würde. Als dann zu dem AC/CD-Klassiker 'Highway to Hell' die Abschirmung gelüftet wurde, offenbarte sich eine quirlige Varieté-Szenerie: Das Schlagzeug befand sich unterhalb einer Galerie und wurde von zwei Rutschen eingerahmt, Clowns und Artisten tummelten sich zwischen den Musikern und Pink selbst schwebte von der Mitte des Saales aus in ihr 'Funhouse' ein. Ihre Begleitband agierte über weite Strecken als klassische Rock-Formation. Neben Bass und Schlagzeug spielte im Klangbild eine waschechte Leadgitarre mit Röhrenverzerrung und Wahwah-Pedal eine tragende Rolle. Ein bis zwei Keyboards, eine zweite Gitarre sowie eine Geige ergänzten das Grundgerüst. In die Show hineingearbeitet Wie so oft in der vergangenen Zeit war der Sound im AWD Dome nicht optimal. Besonders der verwaschene Bass sorgte dafür, dass die Arrangements nicht präzise wirkten. Je voller die Instrumentierung, desto diffuser wurde der Eindruck; die Geige war nur in ruhigeren Passagen deutlich zu vernehmen. Auch Pinks Stimme war während der ersten Stücke überraschend kraftlos, ihre Einsätze kamen nicht punktgenau, ihr Gesichtsausdruck auf den Videowänden erschien ein wenig müde. Dass diese Mängel kaum ins Gewicht fielen, war ihrer Energie geladenen Background-Sängerin zu verdanken, die hier durch die Doppelung der Hauptstimme mehr als nur eine verlässliche Stütze war. So wurden die beiden Hits 'Just like a Pill' und 'Who knew' zu Recht wirkungsvollen Einheizern. Pink arbeitete sich allerdings nach und nach in ihre Show hinein. Spätestens als nach einer guten halben Stunde das ruhigere Akustik-Set seinen Höhepunkt erreichte, war auch der Star mental und stimmlich im Konzert angekommen. 'Family Portrait' wurde stimmungsvoll auf einem eigens auf die Bühne gebrachten Flügel eingeleitet; für 'Dear Mr. President' kam Pink mit kleiner Besetzung auf ein vorgezogenes Bühnenpodest in die Mitte des Raumes. Das an George W. Bush gerichtete Stück war eigentlich mit seinem Ausscheiden aus dem Amt aus dem Programm der Funhouse-Tour verschwunden. Ob die Amerikanerin ihre Enttäuschung über die aktuelle Politik zum Ausdruck bringen wollte, sagte sie nicht. Eine dynamische Version des nunmehr vierzig Jahre alten Led-Zeppelin-Klassikers 'Babe, I?m gonna leave you' sorgte mit einem gekonnt inszenierten Zwiegespräch zwischen Akustikbühne und Rockband für den Übergang zum Schlussspurt. Neben Hits wie 'Stupid Girl' und natürlich 'Get the Party started' überraschte Pink mit einer sehr gut zum Varieté-Konzept passenden Darbietung der ausladenden 'Bohemian Rhapsody' von Queen. Der Abschluss des Abends war dann allerdings so organisiert, dass er die aufwendig erzeugte Atmosphäre in kürzester Zeit zerstörte. Zunächst ging es noch spannungsvoll zu: Ein zweiminütiger Countdown erleuchtete den abgedunkelten Saal und kündigte die Zugabe an. Statt Knalleffekt wurde es märchenhaft: Die Artistinnen schwebten in große Tücher gehüllt über dem Star und ließen zu dem Song 'Glitter in the Air' Gold auf sie herunterregnen. Unter ihrem hochgeschlossenen schwarzen Umhang, den sie effektvoll abwarf, befand sich ein mutiges Nichts aus weißen Fäden, mit dem sie aus der Manege heraus kopfüber in ein Wasserbassin getaucht wurde. Das verschnörkelte 'The End' auf den Videowänden sowie Edith Piafs 'Non, je ne regrette rien' zeigten noch, wie die Show eigentlich schließen sollte. Doch in die vereinzelten Zugaberufe wurde nicht nur schnellstens das helle Saallicht eingeschaltet, auch die Techniker waren schon mit ihren Werkzeugen anwesend und entfernten unter Dröhnen der Bohrmaschinen die ersten Bühnenelemente. Die letzten Zuschauer waren noch an den Ausgängen, da fühlte man sich wie auf einer Baustelle. Ein allzu abruptes Ende eines aufwendigen Spektakels.





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