Kino 46 soll in die Innenstadt umziehen

 - 29.11.2010

Neuanfang im ehemaligen "City"

Von Alexandra Albrecht
Bremen. Spätestens im Herbst kommenden Jahres zieht das Kino 46 aus seinen Räumen in der Waller Heerstraße aus. Die dort zu entrichtende Miete ist der Kulturbehörde zu hoch. Sie favorisiert einen Umzug in das leerstehende City-Kino in der Birkenstraße. Die Senatskulturverwaltung erwartet von dem Ortswechsel Einsparungen in einer Höhe von durchschnittlich 80000 Euro pro Jahr.
Bremens Kommunales Kino zieht in die Innenstadt.
Das Kino 46 zieht in die Innenstadt.

Mit dem Umzug verbindet sich auch ein neues Konzept: Künftig soll sich das Kommunalkino verstärkt um die Vermittlung filmästhetischen Wissens bemühen. Die Kulturdeputation wird sich morgen mit dem Thema befassen - und das Konzept diskutieren lassen.

Die Ansiedlung des Kino 46 in Walle war von Anfang an umstritten. Skeptiker warnten gleich, dass viele Filmfreunde aus der Innenstadt, aus dem Viertel und aus Schwachhausen nicht nach Walle fahren würden. Und sie behielten recht. Doch das Zugeständnis, ein eigenes Haus zu bekommen, war seinerzeit von Staatsrat Reinhard Hoffmann (SPD), dem damaligen Chef der Senatskanzlei, an diesen Standort geknüpft worden. Damit sollte der Bremer Westen aufgewertet werden.

Seit den 1970er-Jahren hatte das Kommunalkino vor allem im Cinema Ostertor, aber auch in anderen Kinos gesellschafts- und kulturpolitisch bedeutsame Filme gezeigt, wie es die Satzung des Vereins vorsah und wie es auch dem damaligen Zeitgeist entsprach: also "Kuhle Wampe" von Brecht, Filme von Bunuel und Herzog, Frauenbewegtes und Revolutionäres. 1993 kam das Kommunalkino im Medienzentrum in der Waller Heerstraße 43 unter, wo auch das Filmbüro bis vor kurzem seinen Sitz hatte. Dort konnte ein umfangreicheres Programm angeboten werden, außerdem kamen Symposien, Gespräche und Vorträge hinzu.

Reduzierte Mietkosten

Der Eindruck, dass das Kino im Viertel oder in der Innenstadt mehr Besucher anlocken würde, verfestigte sich über die Jahre. Die Kulturbehörde nutzt jetzt die Chance, dass der Mietvertrag in Walle im Herbst nächsten Jahres ausläuft. Eventuell kann das Mietverhältnis auch schon zum Frühjahr beendet werden. Es heißt, dass sich die Mietkosten mit dem Umzug ins City um 80000 Euro pro Jahr reduzieren lassen. Das City wird seit Februar nicht mehr bespielt; gegen den früheren Betreiber war ein Insolvenzantrag gestellt worden. Für eine Grundsanierung des heruntergekommenen Kinos kalkuliert die Kulturbehörde mit etwa 320000 Euro. Zwei Drittel der Summe sollen aus dem Kulturhaushalt bezahlt werden, der Rest muss bei Stiftungen und Sponsoren eingeworben werden. In dem traditionsreichen Haus will das Kino 46 vor allem den größten der drei Säle für Filmvorführungen nutzen. Er hat circa 150 Plätze und besitzt eine doppelt so große Leinwand wie in Walle. Der kleinste

Saal wird zum Seminarraum umgebaut, im mittleren ließen sich bei Bedarf noch Filme zeigen. Noch stärker als bisher sollen sich die vier Mitarbeiter um die kulturelle Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen kümmern. Diese filmästhetische Erziehung soll mehr umfassen als nur die Vermittlung historischen Wissens, es soll vor allem die Medienkompetenz des Nachwuchses stärken. Bestehende Kooperationen mit der Universität, zum Beispiel im Bereich der Lehrerausbildung, sollen vertieft werden, genauso die Veranstaltungen für die Schulen. Ziel von Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) ist es, kulturelle Bildungsangebote für Kinder zu erweitern, nicht nur im Bereich Kino.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Museen dieser Stadt, für die das Kommunalkino Filmreihen passend zu den Sonderausstellungen zusammenstellt, wird fortgesetzt. In Zukunft soll sich das Programm intensiver als bisher an den Interessen der Bremer mit ausländischen Wurzeln orientieren. Das Internationale Bremer Symposium zum Film wird weiterhin stattfinden, im Januar geht es um das Thema "Der Film und das Tier".

Trägerverein wird aufgelöst

Von der Neustrukturierung der gesamten Bremer Filmförderung verspricht sich die Behörde auf Dauer eine Halbierung der Zuschüsse von einer Million Euro auf 500000 Euro. Darunter ist laut Senatskulturverwaltung ein erheblicher Anteil an Drittmittelleistung. Das Filmbüro ist schon in günstigere Räume in die Plantage umgezogen. Es unterstützt den Profi-Nachwuchs bei seinen Projekten. Der Trägerverein, der bislang das Medienzentrum in Walle verwaltet hat, wird aufgelöst, verursacht also keine Kosten mehr.

Beim Kino 46 würden nach dem Umzug, wenn die Deputation zustimmt, weniger Mietkosten anfallen. Bislang zählte das Kino 46 rund 30000 Besucher pro Jahr, der Umzug in die Innenstadt und die zusätzlichen Angebote sollen 10000 weitere Gäste ins Haus holen, was die Einnahmen steigern würde. Erwartet wird außerdem das Einwerben von Drittmitteln. Stimmt die Deputation den Plänen der Kulturbehörde nicht zu, könnte dies das Ende des Kommunalkinos bedeuten.






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