Bremen

 - 25.09.2009

Sprachenrat soll Mehrsprachigkeit fördern

Von Daniel Goerke
Bremen. Die Ergebnisse einer Studie des englischen "National Centre for Languagues" (CILT) belegen, dass den europäischen Unternehmen immer mehr Aufträge wegen mangelnder Fremdsprachenkenntnisse ihrer Mitarbeiter verloren gehen. Dem wollen Bremer Vertreter aus Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik mit der Gründung eines Sprachenrates am Sonnabend in der Bürgerschaft begegnen. „Wir wollen die Mehrsprachigkeit in Bremen und Bremerhaven fördern“, sagt Mitinitiatorin Bärbel Kühn, Geschäftsführerin des Fremdsprachenzentrums der Hochschulen im Land Bremen (FZHB).
Albert Raasch (rechts), Gründer des Sprachenrats Saar und Yannick Mercoyrol, Direktor des Institut Francais, stehen Bärbel Kühn vom Fremdsprachenzentrum beratend zur Seite.
Albert Raasch (rechts), Gründer des Sprachenrats Saar und Yannick Mercoyrol, Direktor des Institut Francais, stehen Bärbel Kühn vom Fremdsprachenzentrum beratend zur Seite.

Fachkundige Unterstützung erhält sie von Professor Albert Raasch, dem Gründer und Ehrenmitglied des Sprachenrats Saar im Saarland. Das saarländische Projekt ist Vorbild für das Bremer Pendant. Besonders froh ist Kühn darüber, dass Vertreter sowohl aus Bildung und Wissenschaft als auch aus Wirtschaft und Politik ihre Unterstützung zugesichert haben. „Neben dem Fremdsprachenzentrum gehören die drei in Bremen ansässigen europäischen Kulturinstitute, das Instituto Cervantes, das Institut Francais und das Goethe-Institut zu den Initiatoren.“

Aus der Wirtschaft haben die Handelskammer, die Arbeitnehmerkammer und die Industrie- und Handelskammer Bremerhaven Interesse an dem Projekt bekundet. Aus der Politik wollen alle in der Bürgerschaft vertretenen Parteien den Sprachenrat unterstützen. Auch die Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Renate Jürgens-Pieper und Reinhard Loske, Senator für Europa und Umwelt, sind dabei. Eine Zusammenarbeit mit dem Türkischen Elternverein ist ebenfalls geplant.

Erstellung eines „Atlas der Ressourcen“

Konkret wird sich der Sprachenrat um die Erstellung eines „Atlas der Ressourcen“ nach saarländischem Vorbild bemühen. „Wir wollen mit dem ‚Atlas der Ressourcen‘ einen Führer für die verschiedenen Fremdsprachenangebote im Land Bremen schaffen. Außerdem wollen wir den Interessenten beratend zur Seite stehen“, sagt Bärbel Kühn. Gleichzeitig kündigte sie an, dass das Angebot noch im laufenden Jahr im Internet an den Start gehen soll. „Der Atlas soll die vorhandenen Kräfte bündeln und die Weiterbildungsangebote bekannt machen“, so Kühn weiter.

Des Weiteren will der Sprachenrat die Bremer Lernplattform EPOS (Elektronisches Portfolio der Sprachen) weiter ausbauen. Die Plattform ist ein Instrument, mit dessen Hilfe man seine eigenen Sprachkenntnisse einstufen kann und damit eine Vergleichbarkeit gewährleistet ist. Das Projekt orientiert sich an dem vom Europarat entwickelten „Gemeinsamen Europäischen Refrenzrahmen für das Sprachenlernen“. Einige Bremer Schulen und das Fremdsprachenzentrum arbeiten bereits erfolgreich mit EPOS.

Anforderungen an Fremdsprachenkenntnisse sind individuell

Albert Raasch legt Wert auf eine „gesteigerte Bewusstseinsbildung beim Thema Sprachen“. Denn die Anforderungen an Fremdsprachenkenntnisse seien individuell: „Ein Bauarbeiter muss nicht Shakespeare zitieren können. Wir dürfen nicht nur Fremdsprachenkurse anbieten, in denen der korrekte Gebrauch des Konjunktivs gelehrt wird. Wir müssen auch das Bewusstsein für fremde Kulturen schärfen. Über Sprachen muss man reden.“

Während eines feierlichen Festaktes in der Bremer Bürgerschaft wird der Sprachenrat am Sonnabend gegründet. Grußworte sprechen der Präsident der Bürgerschaft, Christian Weber, Bürgermeisterin Karoline Linnert, der Rektor der Universität Bremen, Professor Wilfried Müller, und der Präsident des Europäischen Sprachenrats Wolfgang Mackiewicz.




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