Stadtführungen durch Bremen (Teil 14)

 - 19.08.2011

Als Bremen zu Frankreich gehörte

Von Regina G. Gruse
Bremen. Bei der Stadtführung „Bremen liegt in Frankreich“ zeigt Arthur P. Zapf die Erinnerungen an die kurze Zeit, in der Bremen eine französische Stadt war. Vieles kann nur noch erahnt werden, aber manches ist auch noch deutlich zu sehen. So steht der Roland trotz französischer Bestrebungen in Bremen und nicht in Paris.
Johann Smidt half mit, aus Bremen einen eigenständigen Staat zu machen.
Johann Smidt half mit, aus Bremen einen eigenständigen Staat zu machen.

Nur drei Jahre lang galt der Ausruf „Bremen liegt in Frankreich“ als richtig. Von 1810 bis 1813 gehörte die Hansestadt zu Frankreich. Das ist nur eine kurze Zeit, um etwas zu hinterlassen. Daher sind die französischen Spuren nur schwer zu finden. Viel muss der Stadtführer auch einfach erzählen

So berichtet er beispielsweise, dass Juden im Mittelalter in Bremen nicht gern gesehen waren. „In den 1330er Jahren erlies der Senat ein strenges Zuzugsverbot für Juden“, sagt der Stadtführer. Den Menschen sei der jüdische Glaube mit seinen Traditionen fremd gewesen. Als im 14. Jahrhundert die Pest Bremen erreichte, wurden die jüdischen Bremer zu Sündenböcken erklärt. „Sie wuschen sich täglich für ihre Gebete, und das war den Bremern sehr suspekt“, sagt Zapf. Erst die Franzosen ermöglichten es den Juden wieder nach Bremen zu kommen.

Der Roland sollte nach Paris umziehen

Napoleon hatte außerdem geplant alle Kunstgegenstände aus den besetzten Gebieten nach Paris zu bringen. Dadurch sollte die Stadt zum Zentrum seines Reiches werden. Er hatte auch ein Auge auf den Bremer Roland geworfen. Bürgermeister Wichelhausen reagiert schnell. Er erklärte Napoleon, dass es sich bei dem Roland um den Schutzheiligen der Stadt handelt. „Der katholische Franzose konnte gegen ihn nicht die Hand heben und so blieb der Roland in der Hansestadt“, sagt Zapf.

Gegenüber vom hansestädtischen Wahrzeichen steht der Schütting. Das Gebäude der Bremer Kaufmannschaft sollte während der Franzosenzeit als Justizpalast genutzt werden. Zimmermannmeister Lühring aus der Neustadt baute den Schütting um, bekam aber am Ende kein Geld dafür. „Nach der Franzosenzeit fühlte sich keiner für den Auftrag verantwortlich, sodass Lühring klagen musste und am Ende nur einen Bruchteil der Arbeit bezahlt wurde“, sagt der Stadtführer. Von Lührings Umbau sei heute nichts mehr zu sehen, da ein Feuer im zweiten Weltkrieg nur noch die Grundmauern stehen lies.

Eine weitere Spur der Franzosen findet sich am Landgericht. Dort sind sechs große Figuren zu sehen. Die zweite von rechts war damals von großer Bedeutung: Bürgermeister Johann Smidt. Napoleon wollte nämlich Europa neu ordnen. Die Angst vor Zerstörungen durch die Besetzung war groß. Als Zeichen des Friedens wurden die alten Wallanlagen abgerissen. „Dank des Engagement des Bürgermeisters und jeder Menge Geld wurde Bremen damals zu einem eigenständigen Staat erklärt“, sagt Zapf.

Bremens Zeit als Teil Frankreichs endete am 4. November 1813. Damals zog der russische Generalmajor von Tettenborn mit seiner Reiterei in der Stadt ein. Er setzte eine provisorische Regierungskommission ein. Am 6. November wurde die bremische Verfassung wieder hergestellt, wodurch Bremen endgültig befreit war. „Der 6. November gilt seitdem als Rolands Geburtstag“, sagt Zapf.

Mehr zu dieser und anderen ART.tours-Stadtführung unter www.arttours-bremen.de.






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