Ausverkaufte Tourneen, hymnische Kritiken, vielbeachtete Fernsehauftritte – unter anderem bei der Oscar-Verleihung und bei „Wetten, dass...?“: Die etwa 80-minütige Produktion der US-amerikanischen Tanztheater-Compagnie Pilobolus ist fraglos das, was man eine Kultshow nennt. Noch bevor das sechstägige Bremen-Gastspiel am Dienstag im Musicaltheater begonnen hatte, waren bis auf die Premiere alle Vorstellungen ausverkauft - und so hat der Veranstalter bereits ein zweites Gastspiel vom 15. bis zum 20. Januar 2013 angekündigt.
Wer angesichts solcher Massenerfolge eine gefällige, glatte Produktion erwartet, dürfte sich verwundert die Augen reiben. Natürlich, sie werden gezeigt – die verblüffenden, liebenswert-skurrilen Bilder, die man schon mal im Fernsehen gesehen hat: Menschliche Körper die sich gekonnt zu Hunden und Kamelen formen, zu fahrenden Autos, Blüten, Burgen und Fantasiegebilden – und in Bremen übrigens auch zu den Stadtmusikanten. Da werden Ellenbogen zu Elefantenohren, Hände zu Spinnen, Beine zu Scheibenwischern. Da zerfließen Bilder ineinander, entstehen Fantasiewelten zwischen Tag und Traum.
Doch Träume können ja mitunter auch etwas Bedrohliches haben. Das erfährt auch das behütete Mädchen im Teenageralter, das in der Show von seinem eigenen Schatten geweckt wird. Die junge Frau taucht ein in eine bizarre Welt voller merkwürdiger Kreaturen. Da gibt es verrückte Köche, die sie in einer Suppe verkochen wollen, eine gigantische Hand verwandelt sie in einen Hund, und ein Zentaur findet den Weg zum Herz eines Hundemädchens. Es ist eine eigenartige Wirkung, die von den Figuren hinter der Leinwand ausgeht. Komik, Gefahr und Verführung liegen hier nah beieinander.
Immer wieder hebt sich die Leinwand, aus den Schatten werden Menschen aus Fleisch und Blut – doch das Geheimnisvolle bleibt: Stumme Gestalten tragen das Mädchen tanzend von einem Schattenreich ins nächste. In einer anderen Szene ohne Leinwand springt die junge Frau wie ein gehetztes Tier mit verbundenen Augen durch Reifen, angefeuert von Peitschenhieben. Zurück im Schattenreich wirft sie mit Steinen nach der großen Hand, die sie in einen Hund verwandelt hat.
Es sind vieldeutige Bilder, die da auf der Bühne entstehen. Bilder, in denen man zahlreiche universelle Themen entdecken kann: Erwachsenwerden, Ängste und Hoffnungen, Anpassung und Rebellion, den Wunsch nach Freiheit und das Bedürfnis nach Geborgenheit, oder auch die Frage nach dem Geheimnis unseres (Unter)bewusstseins. Manchmal lässt Shadowland an Sigmund Freuds Theorien zur Traumdeutung denken – und manchmal eher an die schrägen Fantasiewelten aus „Alice im Wunderland“. Denn die Show ist so facettenreich wie die Schatten ihrer Akteure.





Regenwahrscheinlichkeit:



