„Hold that for a minute please!“, schallt es durch den Saal. Genau in dieser einen Position möchte Damon Honeycutt, der Dance Captain, seine Darsteller für einen Moment sehen. Ihre Körper formen sich hinter der Leinwand übereinander und nebeneinander zu vielen unterschiedlichen Figuren, zeigen eine Blume, einen Löwen oder Elefanten. Mit dem Kommando „release“, löst euch, kommen die zwölf Tänzer des Ensembles kurz zusammen und besprechen die Proben. Die Künstler üben ihre Hebefiguren und Tanzschritte auf der Bühne des Bremer Musical-Theaters. Dort bereiten sie sich auf ihre Show „Shadowland“ vor, die derzeit in der Hansestadt gastiert.
Die Hauptdarstellerinnen Molly Gawler und Lauren Yalango, beide 27 Jahr alt, haben Bremen bereits kennen und lieben gelernt. Molly Gawler stammt ursprünglich aus dem bergigen Vermont im Nordosten der USA. Sie findet es immer wieder aufregend, in einer Großstadt zu sein. Das Stadtleben kennt Lauren Yalango hingegen zur Genüge, sie lebt in New York City und ist den Lärm der Stadt gewohnt. Dass Bremen am Wasser liegt, gefällt den beiden besonders gut. Die Innenstadt haben die jungen Frauen bereits besichtigt. Sie wollen sich noch die Stadtmusikanten anschauen und hoffen, dass sie ihnen Glück für die Auftritte bringen. In das Tanzprogramm hat "Pilobolus" das Bremer Wahrzeichen bereits als Schattenbild eingebaut. Jede Show soll so persönlich wie möglich gestrickt sein, sagt Gawler. In Hamburg haben sie mit ihren Körpern zum Beispiel ein Boot und den Michel geformt.
Die Vorbereitung der Tänzer beginnt an jedem Show-Tag um 14 Uhr. Dann wärmen sie sich auf, spielen die Hebefiguren wieder und wieder durch und geben sich gegenseitig Tipps für Verbesserungen. Den Rest des Tages verbringt die Truppe mit Körperpflege, Massagen und Sauna, persönlichen Gesprächen und viel gutem Essen, erzählt Yalango. Eine Stunde vor der Show nimmt sich jeder Darsteller noch eine etwa einstündige Konzentrationsphase und genügend Zeit für das passende Make-up.
Das Ensemble kennt sich schon lange, alle seien sie Freunde, sagt Gawler. Das sei vor allem für die gute Stimmung im Team wichtig, um sich gegenseitig zu motivieren und von den Tournee-Strapazen abzulenken. Besonders viel trainieren müssten die Tänzer während der Tournee nicht mehr, sagt Damon Honeycutt. Nur die sogenannten Dailies, Hebefiguren und Tanzschritte, die in der Show immer wieder gezeigt werden, müssten die Tänzer jeden Tag üben, damit sie sie irgendwann auch im Schlaf können. Doch trotz des täglichen Trainings sind die beiden noch immer etwas nervös, wenn sie die Bühne betreten. „Raising Heartbeat“ nennt Gawler dieses Gefühl, das sie aber keinesfalls als negativ empfindet. Die nervöse Energie helfe ihr immer wachsam und fit in der Show zu sein.
"Pilobolus" gibt es bereits seit 1971. Das Ensemble besteht aus zwölf Künstlern, darunter sind viele professionelle Hip-Hop- und Jazztänzer sowie einige Musiker. Sie stammen aus den verschiedensten Teilen der USA. Laut Molly Gawler sei dies eine gesunde Mischung, man könne sich gegenseitig viele Tipps und Anregungen geben, und daraus ein perfektes Ganzes machen. Shadowland nennen sie nun ihr gemeinsames „Baby“, alle Mitglieder hätten dort ihre Ideen einfließen lassen, betont Molly Gawler.
Zwölf Tänzer und fünf Techniker im Alter von 22 bis 37 Jahren sind an der Show beteiligt. Derzeit sind sie auf Europatournee. Noch bis Ende September zeigen Pilobolus in Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich und in der Schweiz die Geschichte eines jungen Mädchens, das auf einer Traumreise merkwürdigen Schatten und Kreaturen begegnet. Auf Wien freuen sich Molly Gawler und Lauren Yalango am meisten. Den jungen Frauen gefällt es gut, jede Woche eine neue Stadt zu sehen, die Sehenswürdigkeiten zu entdecken und neue Kulturen kennen zu lernen. Die Tickets für die Shows in Bremen sind bereits ausverkauft. Vom 15. bis 20. Januar 2013 wird Shadowland noch einmal ins Bremer Musical Theater zurückkehren.








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