Auf der sechs Meter langen, mit Zeichenpapier ausgelegten Tischplatte bewegen sich zwei Zeichenroboter, eine Art Kreisel, an denen drei bunte Stifte befestigt sind. Dank eines kleinen, batteriebetriebenen Motors können sie über die Zeichenfläche fahren und kreieren ein bizarres Gemälde. Die Kreisel sind nur zwei der vielen Zeichenwerkzeuge, die mit Haken am Tisch befestigt sind. An insgesamt sechs Stationen können sich die Besucher rund um den Tisch künstlerisch austoben.
Zum Beispiel beim „Blind-Zeichnen“. „Zeichne, ohne dass die Augen deine Hände kontrollieren!“ steht auf der Anleitung. Eine Scheibe, in deren Mitte ein Stift angebracht ist. verdeckt die Hand des Malers. An der Station „Fühlen“ muss der Künstler seine Hand in einen Stoffsack stecken, der mit verschiedenen Gegenständen gefüllt ist. Mit der freien Hand wird dann das gemalt, was die andere in dem Beutel fühlt. „Zeichne, was deine Ohren hören“, heißt es an der nächsten Station. Aus Kopfhörern schallt klassische Musik. Die Linien, die die Hand aufs Papier bringt, sehen etwas harmonischer aus als die vorherigen. Nach einigen Minuten ist auf dem vormals weißen, unbenutzten Papier ein Wirrwarr aus bunten Linien, Kreisen, Strichen und Formen entstanden. Alles folgt dem Prinzip des freien Experimentierens.
Die Idee zu dieser Installation entwickelte Designer Geiger im vergangenen Jahr während seiner Diplomarbeit zum Thema „Freies Zeichnen“. In einem mehrere Monate dauernden Prozess entstanden ein theoretischer Teil mit der Forschungsfrage „Was ist Zeichnen?“ und ein praktischer Teil, in dem Geiger herausfinden wollte, wie man Menschen zum Zeichnen bringen kann. Auf das Experiment „Kritzel-Klub“ sei er dann in vielen Gesprächen mit seinen Professoren an der Bremer Hochschule für Künste gekommen.
Arie Hartog musste nicht lange überlegen, ob er Christoph Geiger in seine Ausstellungsräume lassen wollte. Das Konzept habe ihn gleich überzeugt, versichert der Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses. „In einem Museum, dessen Ausstellungen ja meistens auf die Ewigkeit ausgerichtet sind, muss man auch mal spontan sein. Und so war es bei dieser Installation auf jeden Fall.“ Kritzeln ist für Hartog ein Teil des Nachdenkens. „Das Zeichnen entschleunigt und ist eine Tätigkeit, bei der man das Ergebnis seines Tuns gleich sieht. Man macht dabei immer wieder neue Entdeckungen“, hat der Museumsdirektor festgestellt.
Geiger selbst möchte mit dem Konzept Erfahrungen sammeln und herausfinden, welche Stationen am besten angenommen werden und wie die Besucher reagieren. „Ich beobachte die Menschen gerne beim Zeichnen und stelle fest, dass es ihnen gut dabei geht“, sagt Geiger. „Das Ganze soll keine Kunsterziehung sein, und es soll auch kein Kunstwerk entstehen. Die Motive sollen einfach aus der Intuition heraus kommen.“ Was er mit den Ergebnissen machen will, weiß Geiger bisher noch nicht genau. „Jetzt geht es erstmal um den Moment.“
Nach dem Gastspiel im Gerhard-Marcks-Haus wandert die Installation weiter durch Bremen. Zunächst in die Hochschule für Künste (11. und 12. Februar), danach von 14. Februar bis 10. März in die Stadtbibliothek.





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