Der Experimentalfilmer John Smith hat sich in den 70er-Jahren mit seinen künstlerischen Dokumentationen einen Namen gemacht. Aber erst vor wenigen Jahren wurde er auch als Videokünstler entdeckt und zur Biennale in Venedig eingeladen. Zwei Ausstellungen, in der Kestnergesellschaft in Hannover und in der Bremer Weserburg, zeigen nun einen repräsentativen Ausschnitt seines filmischen Schaffens.
Im Werk von John Smith geht es immer um das Zusammenspiel von Wort und Bild und um Manipulation, um die Konstruktion einer Wirklichkeit, die nur scheinbar real ist. Deswegen interessiert sich gerade ein jüngeres Publikum für seine Film- und Videoarbeiten, ein Publikum, das mit dem Handy und im Internet seine eigenen Bildwelten schafft. "Meistens benutze ich Dokumentarmaterial, mache aber daraus Geschichten, die mit der Realität zusammenhängen, sie aber nicht wirklich repräsentieren. Erst wenn ich das Filmmaterial bearbeite, entscheide ich, welche Bedeutungen ich konstruiere oder welche Bedeutungen ich dekonstruiere", sagt Smith.
Eigene Realität herstellen
Die Biografie des fast Sechzigjährigen zeigt zudem, wie das kommerzielle Kino den experimentellen Film aus seinen Sälen ver- und in die Museen hineingetrieben hat. Nicht zum Schaden der Künstler, die, wie Smith, in ihren Arbeiten zugleich radikaler und spielerischer zu Vorreitern einer Filmästhetik werden, die später von Hollywood wieder aufgegriffen wird. Seit den 70er-Jahren setzt sich Smith grundsätzlich mit medienanalytischen Fragen auseinander, Fragen, die angesichts der inszenierten Bilder von den Kriegsschauplätzen im Irak und in Afghanistan wieder aktuell sind. So wurde Archivmaterial gesendet, ohne dies kenntlich zu machen, oder die Bombardierung Bagdads wie ein Videospiel inszeniert. Diese Momente der Wirklichkeitskonstruktion hat der Londoner schon 20 Jahre zuvor kritisch hinterfragt, indem er in seinen Filmen eigene Realitäten herstellte. Im Gegensatz zu den medialen Manipulationen macht er aber seine Eingriffe in das Bildmaterial kenntlich, oftmals
mit einem ironischen Augenzwinkern. Für seinen Film "Worst Case Scenario" hat John Smith tagelang aus dem Fenster die Straße vor seinem Hotel in Wien fotografiert - ein gefährlicher Ort, wie er fand, an dem Passanten, Hunde, Autos und die Tram aufeinanderstoßen. Eine Straßenbahn kollidierte mit einem Auto. Doch der Film erzählt noch eine andere Geschichte: Die eines Filmemachers, der täglich auf das Schild "Wurst und Käse" blickte. Mit seiner Vorliebe für Wortspiele übersetzte Smith "Worst Case" und fand so den Titel für einen Film, den er aus Hunderten von Fotografien am Computer erst erschaffen hat. "Darin schneide ich Dinge, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschahen, so zusammen, dass sie aussehen, als würden sie zeitgleich passieren", erläutert Smith. Dabei wirken seine Filme auf den ersten Blick weder besonders kritisch noch moralisch, eher leicht und lakonisch und immer wieder komisch. Das Hauptthema aller seiner Arbeiten laute: "Traue niemals dem, was du siehst. Und das gilt für künstlerische Arbeiten genauso wie für die Fernsehnachrichten", sagt John Smith.





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