Waller Spielstätte "Kult"

 - 24.01.2012

Neustart wirft bei Bremer Grünen Fragen auf

Von Matthias Lüdecke
Bremen. Kult steht inzwischen über dem Eingangsportal des traditionsreichen Bremer Waldau-Theaters. Der Name hat sich nach der Insolvenz der Betreibergesellschaft im vergangenen Sommer geändert. Der Besitzer aber ist derselbe geblieben und versucht jetzt einen Neuanfang. Doch beschäftigt der Neustart auch das Bremer Arbeitsgericht - und hat die politische Bühne erreicht.
Ehemals "Waldau-Theater" heißt die Waller Spielstätte jetzt "Kult".
Ehemals "Waldau-Theater" heißt die Waller Spielstätte jetzt "Kult".

"The Show must go on & on" - der Titel des nächsten Stücks auf dem Spielplan des Kult Theaters könnte kaum passender sein. Denn die Show geht im ehemaligen Waldau-Theater tatsächlich weiter - trotz der Insolvenz der Betreibergesellschaft im vergangenen Sommer. Es war nicht das erste Mal, dass Bremens zweitgrößtes Theater pleite machte. Bereits 2004 ging es in die Insolvenz, kurze Zeit später ein weiteres Mal. Aber die Insolvenz 2011 war kompliziert. So kompliziert, dass sich jetzt auch die Grünen-Bürgerschaftsfraktion in einer kleinen Anfrage erkundigt hat, wer das Theater mittlerweile betreibt und wie der Spielbetrieb finanziert wird.

Und diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten - knapp eine Din-A4-Seite füllt die Antwort des Senats auf die Frage nach Betreiber und Veranstaltern im Waller Theater. Im Wesentlichen besteht sie aus einem Auszug aus dem Handelsregister. Eingeleitet wird sie mit der Bemerkung, dass Bremen an keiner der privaten Gesellschaften beteiligt sei - und dem Satz: "Ein aktuelles und valides Betreiberkonzept liegt dem Senat nicht vor."

Was dann folgt, ist die Aufzählung verschiedener Gesellschaften: Die "Waldau Theater Betriebs GmbH", die für die Verwaltung und Bewirtschaftung der Immobilie zuständig war und inzwischen mit erweitertem Gesellschaftszweck in die "Kult Events & Artists gemeinnützige GmbH" umbenannt wurde. Die Bremer Musical Company (BMC). Die European Musical Academy (Eumac), eine staatlich anerkannte, private Musicalschule. Und schließlich die "Waldau Theater Bremen - Theater der Kulturen gemeinnützige GmbH (gGmbh)", deren Gesellschaftszweck die Aufführung von Schauspielen, Theaterstücken und sonstigen kulturellen Veranstaltungen gewesen sei.

All diese Gesellschaften haben eines gemeinsam: Thomas Blaeschke leitet sie oder ist deren Geschäftsführer. Blaeschke, Gründer von BMC und Eumac, gehört seit 2006 auch das Theatergebäude. Doch auch wenn sich die Gesellschaften in seiner Person treffen - formal operieren sie unabhängig voneinander. Im vergangenen Sommer ging nur eine von ihnen - die "Theater der Kulturen gGmbH" in die Insolvenz und stellte ihren Spielbetrieb ein. 43 Mitarbeiter wurden damals entlassen. Die anderen Gesellschaften waren von der Insolvenz nicht betroffen.

Wie kompliziert das Geflecht ist, zeigt sich vielleicht daran, dass der Immobilienbesitzer Blaeschke Gläubiger des Mieters "Theater der Kulturen" mit ihrem Geschäftsführer Blaeschke war. Doch schon damals zweifelten einige der entlassenen Mitarbeiter, ob die Gesellschaften wirklich getrennt voneinander arbeiteten. Sechs von ihnen reichten Kündigungsschutzklage ein - mit dem Argument, dass der Betrieb einfach unter einem anderen Namen weitergeführt werde und sie zudem auch für die nicht-insolventen Gesellschaften im Einsatz gewesen seien. Blaeschke bestreitet das. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Unabhängig von dieser juristischen Frage hebt sich im Theater aber mittlerweile wieder der Vorhang - unter neuem Namen und mit Neuinszenierungen von Stücken, die auch schon im Waldau-Theater zu sehen waren. Die Betreibergesellschaft ist nun wieder eine gemeinnützige GmbH. Das ist kein unwichtiges Detail. Denn die Gemeinnützigkeit ermöglicht es Spendern, ihre Unterstützung von der Steuer abzusetzen. Das "Theater der Kulturen" hatte diesen Status wegen einer versäumten Frist verloren. Es war damals der Anfang vom Ende.

Offen ist, ob ein weiterer wesentlicher Punkt des neuen Betreiberkonzepts umgesetzt ist. Blaeschke hatte angekündigt, die Immobilie zu verkaufen und nur noch zu einem Teil zu mieten. Im November verhandelte er noch. Für eine aktuelle Stellungnahme zur Situation des Theaters war Thomas Blaeschke in den vergangenen Tagen nicht zu erreichen.

Unterstützung der Stadt wird er bei seinen Versuchen aber wohl nicht erhalten. Hermann Kuhn, Landesvorstandssprecher der Grünen, betont zwar, wie wichtig das Theater als kulturelles Zentrum für den Stadtteil sei. Er sagt aber auch: "Es geht uns darum, eine vernünftige Lösung für das Haus zu finden - ohne uns in eine dauerhafte Subventionierung zu begeben." Institutionell gefördert wird das Theater seit 2003 tatsächlich nicht mehr. Nur noch projektbezogen - und indirekt. So wurde der Theatervorplatz für gut 1,5 Millionen Euro umgestaltet. 2010 waren die Bauarbeiten abgeschlossen - kurz darauf wurden die finanziellen Probleme bekannt.






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