Dabei gibt es augenscheinlich positive Entwicklungen zu vermelden. Zum Beispiel die eingangs erwähnte Kooperation zwischen Kultureinrichtungen und Schulen. Das Ressort von Kultursenator Jens Böhrnsen (SPD) und Staatsrätin Carmen Emigholz hat sich Ende vergangenen Jahres bei allen Institutionen und Projekten erkundigt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es inzwischen mehr als 300 dieser Kooperationen gibt. Einschätzung der Behörde: "Eine beeindruckende Zahl." Die Bandbreite reicht vom Zeichenkurs in den Ferien bis hin zu regelmäßigen Lese-Übungen von Schülern mit Schauspielern.
An dieser Stelle will die Regierung weitermachen. Eines der Ziele, die in dem 44 Seiten langen Papier formuliert werden: Aus großen Einrichtungen wie Orchestern, Theatern und Museen soll sich ein "Netz der Kulturvermittlung" entwickeln. Deshalb sollen die Kooperationen mit Schulen künftig in den Zielvereinbarungen - also den Verträgen zwischen Stadt und Kultureinrichtung - genau festgehalten werden.
Wie viel Bremen exakt für die kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung ausgibt, sagt der Bericht nicht. Weil an vielen Orten und in vielen Institutionen an der Aufgabe gearbeitet wird, vermag der Senat offenbar keinen Gesamtbetrag zu nennen, liefert gleichwohl viele Beispiele. Das Spektrum reicht von der 500-Euro-Förderung eines Chorprojekts über 10000 Euro für die Neuaufstellung des Kulturtickets bis hin zum Haushaltstitel der Volkshochschule mit mehr als 2,8 Millionen Euro.
Mangelnde kulturelle Teilhabe gilt als "Ausdruck von Armut" und als "fühlbares Zeichen von Ausgrenzung". So formulieren es die Fraktionen von Grünen und SPD, die mit einer großen Anfrage an die eigene Regierung die Grundlage für den jetzigen Bericht geliefert haben. Und die Fraktionen geben die Zielrichtung für die politische Arbeit vor: Es ist notwendig, allen Bürgern Bremens - unabhängig von Alter, Herkunft, Einkommen und Wohnort - Zugang zu kulturellen Angeboten zu eröffnen."
Als einen Baustein der kulturellen Teilhabe betrachten die Fraktionen der rot-grünen Koalition augenscheinlich die Sonntagsöffnung der Stadt Bibliothek. Über dieses Thema wird seit Jahren gestritten, zuletzt hatte die Bürgerschaft in der vergangenen Woche die Regierung aufgefordert, bis zum Sommer ein Konzept für einen Modellversuch vorzulegen. In den Unterlagen für die Sitzung am Dienstag bremst die Kulturbehörde: Es wird einmal mehr auf "die schutzwürdigen Interessen der Arbeitnehmerschaft" und die "wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Stadtbibliothek" verwiesen. Dennoch betont die Kulturbehörde, werde Bremen eine angestrebte Gesetzesänderung im Bundesrat, die Berlin und Hamburg einbringen, unterstützen. Die Erfolgsaussichten sieht der Senat inzwischen positiv.


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