Focke Museum in Bremen

 - 26.11.2009

Manieren-Ausstellung eröffnet am Sonntag

Bremen. Das Focke-Museum eröffnet am Sonntag die erste kulturhistorische Sonderausstellung zum Thema Manieren. Mit "Manieren - Geschichten von Anstand und Sitte aus sieben Jahrhunderten" beleuchtet das Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte bis zum 30. Mai 2010 den Ursprung und die Entwicklung unserer Umgangsformen seit dem Mittelalter.
George Cruikshank veröffentlichte unter dem Titel Monstrosities acht Karikaturen, die die modischen Exzesse und die eitle Selbstdarstellung der Londoner Gesellschaft aufs Korn nahmen. Die Radierung gehört zu den über 200 Exponaten der Sonderausstellung "Manieren" im Focke Museum.
In der Öffentlichkeit: George Cruikshank veröffentlichte unter dem Titel Monstrosities acht Karikaturen, die die modischen Exzesse und die eitle Selbstdarstellung der Londoner Gesellschaft aufs Korn nahmen. Die Radierung gehört zu den über 200 Exponaten der Sonderausstellung "Manieren" im Focke Museum.

Auf einer Fläche von 800 Quadratmetern versammelt die Ausstellung über 200 hochwertige Exponate, darunter bedeutende Gemälde der europäischen Kunst, kostbare Porzellane und Silberschmiedearbeiten, Druckgrafiken und Fotografien sowie zahlreiche alltägliche, den Besuchern aus eigenem Erleben vertraute Gegenstände.

Neben Objekten aus den Beständen des Landesmuseums bereichern Leihgaben aus über 40 namhaften Museen und Institutionen, aus Firmen- und Privatbesitz die Ausstellung.

Alle Exponate erzählen Geschichten von den  Ursprüngen und Erscheinungsformen gesellschaftlicher Regeln und Tabus, vom Streben nach gefälliger Selbstdarstellung, von Rücksichtnahme und Distanzverlust, von Feinsinn und Rüpelei, von Peinlichkeitsschwellen und deren lustvollen Überschreitung, aber auch von Mechanismen gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Titelbild der Sonderausstellung "Manieren" im Focke Museum. Das Gemälde zeigt einen unbekannten Herrn mittleren Alters, der einen mit Wein gefüllten Römer hält. Ganz leicht fasst er ihn am unteren Rand zwischen Daumen und Zeigefinger an – ganz so, wie es um 1650 in vornehmen Kreisen üblich war.
Titelbild der Sonderausstellung "Manieren" im Focke Museum. Das Gemälde zeigt einen unbekannten Herrn mittleren Alters, der einen mit Wein gefüllten Römer hält. Ganz leicht fasst er ihn am unteren Rand zwischen Daumen und Zeigefinger an – ganz so, wie es um 1650 in vornehmen Kreisen üblich war.

„Wir wollen keine Benimmregeln vermitteln. Die Ausstellung regt zum Nachdenken an, gibt aber auch den komischen Seiten der Etikette Raum.“, beschreibt Ausstellungskurator Dr. Urs Roeber das Anliegen der Ausstellung.

In 13 Episoden erfährt der Besucher die Kulturgeschichte unserer Umgangsformen. Den Auftakt bildet eine „Benimm-Bibliothek“. Rund um das Portrait des Aufklärers Adolph Freiherr Knigge stimmen Zitate aus 800 Jahren  europäischer Etiketteliteratur auf das Thema ein.

Neben Knigges Werk „Vom Umgang mit Menschen“ aus dem Jahr 1788 zeugen Erstausgaben der wichtigsten Anstandsbücher seit dem Mittelalter von der langen Tradition der Gattung. In einem kleinen Kino werden Filmausschnitte zum Thema Benimmunterricht gezeigt. Ob Loriot oder Pippi Langstrumpf, hier findet sich allerhand Unterhaltsames.

In den anschließenden Bereichen wird ein Bogen von der Tischkultur über Themen wie Hygiene und Scham, das Verhalten im öffentlichen Raum, die Kultivierung schlechter Manieren, Galanterie, Haltung und Kommunikation bis hin zu Hierarchien und Abhängigkeiten gespannt.

Am Ende des Ganges durch die „anständige Kulturgeschichte“ fordert der letzte Ausstellungsbereich zur Würde des Menschen den Besucher auf, selbst Stellung zu beziehen. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Prinz Asfa-Wossen Asserate.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops vertiefen die Themen der Ausstellung, literarische und musikalische Abende runden das Begleitprogramm ab. Für Schulklassen gibt es spezielle Angebote. An den Wochenenden sowie an einigen Dienstagabenden werden öffentliche Führungen angeboten.

Die Ausstellung ist ausschließlich im Focke-Museum zu sehen.




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