Bremen. Der Ärger und die Enttäuschung sitzen tief. Das wird schnell klar, wenn man sich mit Joshy Peters und Harald Rühl über die vergangenen Monate im Packhaustheater unterhält. Der künstlerische Leiter des Theaters und das Vorstandsmitglied des Betreibervereins können über das Verhalten der Kulturbehörde und des neuen Betreibers nur den Kopf schütteln. Dem Theater wurde der Mietvertrag zum 31. Juli 2011 gekündigt, die Immobilie an einen privaten Investor verkauft.
Im Theater fühlt man sich übergangen. Trotz gegenteiliger Versprechungen habe die Stadt den Trägerverein und die Theatermitarbeiter nicht in die Planungen für die Zukunft des Hauses einbezogen worden, so der Vorwurf. „Es ist beschämend, wie hier mit Menschen umgegangen wird, die das Theater jahrelang mit viel Idealismus betrieben haben“, sagt Peters. Rühl geht noch weiter. „Wir sind nicht nur von der Stadt enttäuscht worden, wir fühlen uns betrogen.“
Der neue Eigner Rolf Specht und der designierte künstlerische Leiter Dirk Böhling hätten es bislang offenbar nicht für nötig befunden, mit den insgesamt acht festangestellten Mitarbeitern, darunter eine frischgebackene Auszubildende, über ihre Pläne zu sprechen, betont Peters.
Zum Hintergrund: Jahrelang hatte die Stadt dem Betreiberverein die Spielstätte im Schnoor mietfrei zur Verfügung gestellt. Zunächst gab es noch öffentliche Zuschüsse für das Theater, doch die fielen in den vergangenen Jahren immer geringer aus – und wurden schließlich ganz eingestellt.
Großer Sanierungsbedarf
Parallel dazu wuchs der Sanierungsbedarf, die Sanitäranlagen stammen noch aus den 70er Jahren, die Heizung lässt sich nicht regulieren. „An dem Haus wurde jahrzehntelang nichts gemacht“, sagt Rühl. Er sieht die Stadt als Vermieterin in der Verantwortung. Die Druckmittel des Vereins seien allerdings begrenzt gewesen, denn wer eine Immobilie mietfrei nutze, könne nun mal schlecht mit Mietminderung drohen.
Im Herbst 2010 schrieb die städtische Gesellschaft Immobilien Bremen das marode Gebäude zum Verkauf aus. Rolf Specht, Betreiber zahlreicher Pflegeheime im Nordwesten, erhielt den Zuschlag. Zum künstlerischen Leiter ernannte er den Theaterregisseur und Radiomoderator Dirk Böhling. Der hat Amateurtheatern wie dem Union-Theater und dem Phoenix-Theatern bereits nahe gelegt, sich eine neue Spielstätte zu suchen. Peters hält diese Entscheidung für falsch. „Diese Theaterensembles haben ein treues Publikum“, sagt er. Rühl verweist zudem auf Mieteinnahmen von 40.000 Euro pro Jahr. „Reich wird man mit den Amateurtheatern zwar nicht, aber es ist immerhin ein verlässlicher Posten im Haushalt.“
"Zu einer Familie zusammengewachsen"
Peters kennt das Haus nicht erst seit seiner Zeit als künstlerischer Leiter, der er seit knapp einem Jahr ist. Der freischaffende Schauspieler ist dem Packhaustheater seit über 20 Jahren verbunden, hat hier viele Freundschaften geknüpft. „Wir sind hier im Laufe der Jahre zu einer Familie zusammengewachsen.“ Eine vergleichbar attraktiv gelegene Spielstätte in dieser Größe lasse sich wohl kaum finden, ergänzt Rühl.
Dennoch will man sich im Packhaus-Theater auch in den verbleibenden Monaten bis zum Auslaufen des Mietvertrages nicht hängen lassen. So stehen Joshy Peters und der TV-bekannte Schauspieler Götz Otto seit dem 17. Februar in dem Western-Stück „Billy the Kid“ auf der Bühne. „Wir machen weiter“, sagt Peters. „Auch wenn es schwer fällt.“





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