Theater im Umbruch Teil 1: Musicaltheater

 - 09.02.2011

Kleyboldt zieht durchaus positive Bilanz

Von Thomas Joppig
Bremen. Im Jahr 2011 zieht sich die öffentliche Hand aus zwei ganz unterschiedlichen Bremer Theatern zurück - dem Musicaltheater und dem Packhaustheater. In unserer Serie beleuchten wir die Umbrüche in beiden Häusern. Im ersten Teil zieht Claus Kleyboldt, Chef des Musicaltheaters, Bilanz.
Musicaltheater-Chef Kleyboldt (rechts) mit Publikumsliebling Ethan Freeman und Veranstaltungsleiterin Anke Dakey: "Das Haus ein Stück weit aus den Negativschlagzeilen herausgeholt".
Musicaltheater-Chef Kleyboldt (rechts) mit Publikumsliebling Ethan Freeman und Veranstaltungsleiterin Anke Dakey: "Das Haus ein Stück weit aus den Negativschlagzeilen herausgeholt."

Wann immer es um Pleiten, Pech und Pannen der Bremer Investitionspolitik geht, wird das Bremer Musicaltheater schnell in einem Atemzug mit dem Space Park genannt. Eine Millioneninvestition der Stadt – mitten in einem Haus, das ihr nicht einmal gehörte - und all dies begründet mit Besucherprognosen, die sich nicht im entferntesten erfüllt haben.

Als Claus Kleyboldt, Chef der Bremen-Arena, im Jahr 2003 zusätzlich die Geschäftsführung des Theaters übernahm, hatten sich die hochtrabenden Musical-Pläne Bremens bereits in Luft aufgelöst. Siebeneinhalb Jahre lang hat er sich mit seinem Team im Auftrag der Stadt um das Vermietungsgeschäft des Musicaltheaters am Richtweg gekümmert. Zum 1. März zieht sich die öffentliche Hand nach Kündigung des Mietvertrags aus dem Theater zurück – und Kleyboldt blickt trotz der Diskussionen um das Haus mit einem guten Gefühl auf seine Zeit als Geschäftsführer zurück.

Mehr als 800.000 Besucher

Mehr als 800.000 Besucher hat das Musicaltheater laut Kleyboldt während seiner Amtszeit verzeichnet. Bei manchen Produktionen trat das Theater unter seiner Leitung auch selbst als Mitveranstalter auf. „Einmal haben wir uns richtig verschätzt. Das war beim ‚Käfig voller Narren‘“, erinnert sich Kleyboldt. Das Stück kam gut an, aber wir hatten wir das Zuschauerinteresse überschätzt.“ Bei anderen Produktionen bewies er dagegen ein gutes Gespür für das Faible des Publikums – etwa beim Musical Evita mit Ethan Freeman und Anna-Maria Kaufmann, oder bei den winterlichen Roncalli-Shows. „Das waren sehr profitable Veranstaltungen, die dem Haus viel Zuspruch beschert haben“, so Kleyboldt.

Musicaltheater-Chef Kleyboldt (rechts), Kindermusical "Lieblingfarbe Bunt": Kurze Gastspiele als Strategie.
Musicaltheater-Chef Kleyboldt (rechts), Kindermusical "Lieblingfarbe Bunt": Kurze Gastspiele als Strategie.

„Sicher“, sagt er, „unter heutigen Gesichtspunkten würde man das Musicaltheater nicht mehr bauen. Aber es ist nun einmal da. Und es wäre ein fatales Signal für den Veranstaltungsstandort Bremen gewesen, wenn man dieses Haus nach „Jekyll & Hyde“ und „Hair“ einfach hätte leerstehen lassen.“

Für den Chef der Bremen-Arena, der nun ein zusätzliches Gebäude zu bespielen hatte, hieß das: Möglichst viele kürzere Gastspiele ins Haus holen. Bei Hit-Musicals wie „Grease“, „Saturday Night Fever“ oder „Miami Nights“ freuten sich die Veranstalter über gut besuchte Vorstellungen, die Original-Fassungen von Welterfolgen wie „Cats“ oder „Aida“ haben hier gastiert, es gab ungewöhnliche Shows wie eine Schwanensee-Inszenierung auf dem Eis, und zahlreiche prominente Künstler sind hier aufgetreten: Zum Beispiel Michael Mittermaier, Max Raabe mit seinem Palastorchester – und sogar Hollywood-Star Kevin Costner mit seiner Band.

420.000 Euro Miete pro Jahr

All diese Gastspiele privater Tourneeveranstalter haben Mieteinnahmen in die Kasse des Musicaltheaters gespült, „und zwar unabhängig davon, ob sich das Gastspiel für den Veranstalter gelohnt hat oder nicht“, betont Kleyboldt. Dennoch reichten die Einnahmen in den meisten Jahren nicht, um die laufenden Kosten zu decken, denn neben Personalkosten, Reinigungs- und Wartungsarbeiten musste Bremen für die Immobilie auch noch Miete zahlen: 420.000 Euro im Jahr.

Das Bremer Musicaltheater: "Es wäre fatal gewesen, wenn man dieses Haus hätte leerstehen lassen", sagt Claus Kleyboldt.
Das Bremer Musicaltheater: "Es wäre fatal gewesen, wenn man dieses Haus hätte leerstehen lassen", sagt Claus Kleyboldt.

Erfolgreich, sagt Kleyboldt, waren im Musicaltheater vor allem die kürzeren Gastspiele. Der Versuch, Stücke mit längerer Laufzeit zu etablieren - wie zum Beispiel das Musical Marie Antoinette - wurde für das Theaters Bremen als Veranstalter zu einem finanziellen Fiasko. „Dabei hat das Stück ja begeisterte Kritiken geerntet, und 80.000 Menschen haben es gesehen“, sagt Kleyboldt. „Aber am Ende hat das eben nicht gereicht, um die Kosten einer solch aufwendigen Neuproduktion hereinzuholen.“

Insgesamt zieht Kleyboldt jedoch eine positive Bilanz: „Durch das breit aufgestellte Programm haben wir es geschafft, das Musicaltheater ein Stück weit aus den Negativschlagzeilen herauszuholen“, sagt er. „Dass sich das Haus bislang nicht profitabel bespielen ließ, ist eben nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass viele Menschen, besonders aus dem Umland, hier begeisternde Shows erlebt haben, die nie nach Bremen gekommen wären, wenn es das Musical-Theater nicht geben würde“, so Kleyboldt.

Insbesondere Aufführungen mit vielen Tanzelementen kämen hier wegen der treppenartig ansteigenden Sitzreihen deutlich besser zur Geltung als in anderen Häusern. „Von Künstlern, Veranstaltern und Besuchern wird das Haus sehr geschätzt", sagt Kleyboldt.

Zum 1. März wird er die Schlüssel des Musicaltheaters an den Eigentümer der Immobilie, die Frankfurter Firma Korn Liegenschaften, übergeben. Für die Zukunft des Hauses wünscht er sich vor allem eines: „Dass das Musicaltheater weiter bespielt wird, denn es ist eines der schönsten Häuser Deutschlands. “






Finden Sie Artikel aus Bremen

  • Vahr
  • Alte Neustadt
  • Überseestadt
  • Findorff-Bürgerweide
  • Ohlenhof
  • Peterswerder
  • Huchting
  • Blockdiek
  • Grolland
  • Neustadt
  • Hohentor
  • Hohweg
  • Neuenland
  • Mahndorf
  • Weidedamm
  • Seehausen
  • Neue Vahr Südwest
  • Östliche-Vorstadt
  • Mitte
  • Hastedt
  • Sebaldsbrück
  • Steffensweg
  • Arsten
  • Ellenerbrok-Schevemoor
  • Neustädter Hafen
  • Bremen
  • Ostertor
  • Schwachhausen
  • Blockland
  • Arbergen
  • Gröpelingen
  • Horn-Lehe
  • Strom
  • Utbremen
  • Radio Bremen
  • Mittelshuchting
  • Rablinghausen
  • Fesenfed
  • Kattenturm
  • Neu-Schwachhausen
  • Gete
  • Industriehäfen
  • Borgfeld
  • Lindenhof
  • Hemelingen
  • Buntentor
  • Hohentorshafen
  • Oberneuland
  • Sodenmatt
  • Häfen
  • Osterfeuerberg
  • Findorff
  • Pusdorf
  • Osterholz (Stadtteil)
  • Altstadt
  • Steintor
  • Gartenstadt Süd
  • Riensberg
  • Ellener Feld
  • Lehe
  • Bahnhofsvorstadt
  • Obervieland
  • Huckelriede
  • In den Hufen
  • Horn
  • Lehesterdeich
  • Kirchhuchting
  • Gartenstadt Vahr
  • Oslebshausen
  • Regensburger Straße
  • Woltmershausen
  • Habenhausen
  • Neue Vahr Nord
  • Bürgerpark
  • Hulsberg
  • Hafen
  • Kattenesch
  • Neue Vahr Südost
  • Südervorstadt
  • Westend
  • Walle
  • Barkhof
  • Tenever
  • Östliche Vorstadt
  • In den Wischen

TOP in Bremen


Zukunft von Kleingärten

Ein Bremer Kleingartenverein wirbt um neue Mitglieder und bietet sogenannte Schnupperparzellen an. Was halten Sie von Kleingärten?

28% (118 Stimmen)
Eine Parzelle im Grünen ist ein guter Garten-Ersatz.
14% (61 Stimmen)
Ein Kleingarten ist mir zu anstrengend. Mir reichen Balkon und Park.
58% (246 Stimmen)
Eine Parzelle hätte ich gerne, aber ohne Vereinsmitgliedschaft.

Wetter - Donnerstag, 17. Mai

Temperatur:
12°C / 0°C
Vormittag: Regenschauer Nachmittag: Regenschauer
60%   Regenwahrscheinlichkeit:
Das Wetter wird präsentiert von

Innenstadtplanung in Bremen

Ob Umweltzone, Bahnhofsplatz, Klinik-Neubau oder die Neugestaltung des Lloydhofes - die Bremer Innenstadt verändert sich stetig. Die Berichterstattung rund um die Innenstadtplanung in Bremen sammeln wir in unserem Online-Dossier.

Aktuelle Ratgeber-Themen aus Bremen

Verbrauchertipps rund um Freizeit, Karriere und Leben in Bremen stellen wir hier regelmäßig zusammen.

Reise: Kinderpass rechtzeitig beantragen

Wohnen: So erhöhen Mieter die Wohnsicherheit

Benzinpreise: Kraftstoffe und Alternativen

Jobsuche: So bewerben Sie sich richtig

Internet: Datenschutz im Netz

Sparen: Rechner und Vergleiche

Stadtführungen durch Bremen

Bremen entdecken – sei es als Tourist beim ersten Besuch oder als Alt-Bremer, der seine Stadt einmal unter einem neuen Aspekt erkundschaften möchte. Wir stellen in unserer Serie verschiedene Stadtführungen vor, die nicht alltäglich sind. Kultur-Jogging im Hafen, Bremens Unterwelten oder Schätze im Bürgerpark - auf unserer Sonderseite finden Sie alle bisher erschienen Rundgänge.

Informationen zu Finanzen

Sport in Bremen

Hier gibt es die Sportmeldungen aus Bremen.

WESER-KURIER Kundenservice

Unsere Leser...

...schreiben im Forum
...kommentieren Artikel
Pizarro setzt im Duell seiner Ex-Vereine auf Bayern
novi_th am 17.05.2012
Wie auch immer: >"[...] ich möchte gegen Ende meiner Karriere noch einmal etwas anderes…
Gesundheit Nord sucht nach Ursache
Zwillingsoma am 17.05.2012
Ich habe mich bein einem der früheren Berichte auch gefragt, warum ein bei der Neueröffnung der…

Veranstaltungen

Suche nach Einträgen

Das Jugendportal des WESER-KURIER

Events, Partypics, Szene-News und mehr »

Tickets

Karten für Theater, Konzerte und andere Veranstaltungen gibt es in unserem Ticketshop. mehr »