Wann immer es um Pleiten, Pech und Pannen der Bremer Investitionspolitik geht, wird das Bremer Musicaltheater schnell in einem Atemzug mit dem Space Park genannt. Eine Millioneninvestition der Stadt – mitten in einem Haus, das ihr nicht einmal gehörte - und all dies begründet mit Besucherprognosen, die sich nicht im entferntesten erfüllt haben.
Als Claus Kleyboldt, Chef der Bremen-Arena, im Jahr 2003 zusätzlich die Geschäftsführung des Theaters übernahm, hatten sich die hochtrabenden Musical-Pläne Bremens bereits in Luft aufgelöst. Siebeneinhalb Jahre lang hat er sich mit seinem Team im Auftrag der Stadt um das Vermietungsgeschäft des Musicaltheaters am Richtweg gekümmert. Zum 1. März zieht sich die öffentliche Hand nach Kündigung des Mietvertrags aus dem Theater zurück – und Kleyboldt blickt trotz der Diskussionen um das Haus mit einem guten Gefühl auf seine Zeit als Geschäftsführer zurück.
Mehr als 800.000 Besucher
Mehr als 800.000 Besucher hat das Musicaltheater laut Kleyboldt während seiner Amtszeit verzeichnet. Bei manchen Produktionen trat das Theater unter seiner Leitung auch selbst als Mitveranstalter auf. „Einmal haben wir uns richtig verschätzt. Das war beim ‚Käfig voller Narren‘“, erinnert sich Kleyboldt. Das Stück kam gut an, aber wir hatten wir das Zuschauerinteresse überschätzt.“ Bei anderen Produktionen bewies er dagegen ein gutes Gespür für das Faible des Publikums – etwa beim Musical Evita mit Ethan Freeman und Anna-Maria Kaufmann, oder bei den winterlichen Roncalli-Shows. „Das waren sehr profitable Veranstaltungen, die dem Haus viel Zuspruch beschert haben“, so Kleyboldt.
„Sicher“, sagt er, „unter heutigen Gesichtspunkten würde man das Musicaltheater nicht mehr bauen. Aber es ist nun einmal da. Und es wäre ein fatales Signal für den Veranstaltungsstandort Bremen gewesen, wenn man dieses Haus nach „Jekyll & Hyde“ und „Hair“ einfach hätte leerstehen lassen.“
Für den Chef der Bremen-Arena, der nun ein zusätzliches Gebäude zu bespielen hatte, hieß das: Möglichst viele kürzere Gastspiele ins Haus holen. Bei Hit-Musicals wie „Grease“, „Saturday Night Fever“ oder „Miami Nights“ freuten sich die Veranstalter über gut besuchte Vorstellungen, die Original-Fassungen von Welterfolgen wie „Cats“ oder „Aida“ haben hier gastiert, es gab ungewöhnliche Shows wie eine Schwanensee-Inszenierung auf dem Eis, und zahlreiche prominente Künstler sind hier aufgetreten: Zum Beispiel Michael Mittermaier, Max Raabe mit seinem Palastorchester – und sogar Hollywood-Star Kevin Costner mit seiner Band.
420.000 Euro Miete pro Jahr
All diese Gastspiele privater Tourneeveranstalter haben Mieteinnahmen in die Kasse des Musicaltheaters gespült, „und zwar unabhängig davon, ob sich das Gastspiel für den Veranstalter gelohnt hat oder nicht“, betont Kleyboldt. Dennoch reichten die Einnahmen in den meisten Jahren nicht, um die laufenden Kosten zu decken, denn neben Personalkosten, Reinigungs- und Wartungsarbeiten musste Bremen für die Immobilie auch noch Miete zahlen: 420.000 Euro im Jahr.
Erfolgreich, sagt Kleyboldt, waren im Musicaltheater vor allem die kürzeren Gastspiele. Der Versuch, Stücke mit längerer Laufzeit zu etablieren - wie zum Beispiel das Musical Marie Antoinette - wurde für das Theaters Bremen als Veranstalter zu einem finanziellen Fiasko. „Dabei hat das Stück ja begeisterte Kritiken geerntet, und 80.000 Menschen haben es gesehen“, sagt Kleyboldt. „Aber am Ende hat das eben nicht gereicht, um die Kosten einer solch aufwendigen Neuproduktion hereinzuholen.“
Insgesamt zieht Kleyboldt jedoch eine positive Bilanz: „Durch das breit aufgestellte Programm haben wir es geschafft, das Musicaltheater ein Stück weit aus den Negativschlagzeilen herauszuholen“, sagt er. „Dass sich das Haus bislang nicht profitabel bespielen ließ, ist eben nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass viele Menschen, besonders aus dem Umland, hier begeisternde Shows erlebt haben, die nie nach Bremen gekommen wären, wenn es das Musical-Theater nicht geben würde“, so Kleyboldt.
Insbesondere Aufführungen mit vielen Tanzelementen kämen hier wegen der treppenartig ansteigenden Sitzreihen deutlich besser zur Geltung als in anderen Häusern. „Von Künstlern, Veranstaltern und Besuchern wird das Haus sehr geschätzt", sagt Kleyboldt.
Zum 1. März wird er die Schlüssel des Musicaltheaters an den Eigentümer der Immobilie, die Frankfurter Firma Korn Liegenschaften, übergeben. Für die Zukunft des Hauses wünscht er sich vor allem eines: „Dass das Musicaltheater weiter bespielt wird, denn es ist eines der schönsten Häuser Deutschlands. “





Regenwahrscheinlichkeit:



