Theater im Umbruch Teil 6: Packhaustheater

 - 28.02.2011

Zukunft der Amateurtheater ungewiss

Von Maren Beneke
Bremen. In diesem Jahr zieht sich die öffentliche Hand aus zwei ganz unterschiedlichen Bremer Theatern zurück - dem Musicaltheater und dem Packhaustheater. In unserer Serie beleuchten wir die Umbrüche in beiden Häusern. Diesmal geht es um die Situation der Amateurtheater.
Seit 27 Jahren spielen die Schauspieler des Amateurtheaters im Packhaustheater. Hier sind Gudrun Henke (v.l.), Günter Gräbner und Jutta Gräbner in "Arsen und Spitzenhäubchen" zu sehen.
Seit 27 Jahren spielen die Schauspieler des Amateurtheaters im Packhaustheater. Hier sind Gudrun Henke (v.l.), Günter Gräbner und Jutta Gräbner in "Arsen und Spitzenhäubchen" zu sehen.

Der Neuanfang im Packhaustheater bedeutet gleichzeitig das Ende einer Ära: Seit Jahrzehnten treten in der Spielstätte im Schnoor die beiden Amateurensembles Theater Phönix und Union-Theater auf. Damit soll jetzt Schluss sein. Dirk Böhling, neuer künstlerischer Leiter des Theater, möchte in Zukunft auf die Auftritte der Laien verzichten.

Anfang Februar hat das Theater Phönix „Plaza Suite“ aufgeführt. Es könnte das letzte Stück der Theatergruppe gewesen sein. „Wir stehen kurz vor der Auflösung“, sagt Mitbegründer Günter Gräbner. Mindestens ein Jahr lang wollen die zwanzig Ensemble-Mitglieder nicht mehr auftreten. Wie es danach weitergeht? „Wir wissen es nicht“, so Gräbner.

Viel Energie wolle man jedenfalls nicht in die Suche nach einer neuen Spielstätte stecken. Erste Gespräche mit dem Waldau-Theater seien gescheitert. „Ein Tod auf Raten kommt für uns nicht in Frage“, sagt Gräbner. Einen Neuanfang an einem anderen Ort, nur um am Ende dann doch zu scheitern, schließt er kategorisch aus. „Manche von uns werden wahrscheinlich nicht mehr auftreten“, sagt Gräbner. Andere Schauspieler werde man in anderen Gruppen wiedersehen.

Schlechte Stimmung

Wegen der ungewissen Zukunft der Bühne ist die Stimmung unter den Phönix-Schauspielern schlecht. „Jeder hofft noch, dass wir weitermachen“, so das Bremer Urgestein des Amateurtheaters, „aber wir sehen uns nicht länger im Packhaustheater.“ Dafür sei der Graben zwischen dem Theater Phönix und Dirk Böhling einfach zu tief. Ein Gespräch zwischen Gräbner, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Landesverbandes Bremer Amateurtheater ist, und dem Käufer des Packhaustheaters, Rolf Specht, ist für den 9. März geplant.

In den vergangenen 27 Jahren hat sich das Theater Phönix ein treues Stammpublikum erarbeitet. Viele der Zuschauer sind älter als 50 Jahre. „Da ist es nicht so einfach die Spielstätte zu wechseln“, so Gräbner. Besonders, wenn diese nicht an einem zentralen Ort liegt. „Dann sind die Wege einfach zu weit.“ Einige der regelmäßigen Zuschauer wüssten noch gar nichts vom Ende des Theater Phönix. „Andere fragen, wie es weitergeht“, sagt Gräbner. Aber das muss die Zeit erst noch zeigen.

Das Union-Theater blickt etwas optimistischer in die Zukunft. „Wir wollen weitermachen“, sagt die Theater-Leiterin Karin Schütze. „Das erwarten unsere 800 Abonnenten von uns.“ Bis zu 6000 Besucher kommen zu den drei Stücken, die das Theater jährlich aufführt. „Viele sind auf uns zugekommen und wollten wissen, was aus uns wird“, sagt die Theater-Leiterin. „Das Interesse hat uns gut getan.“

Seit 1892 gibt es das Union-Theater. „Das ist eine Tradition, die wir natürlich fortführen wollen“, sagt Schütze. Aber wie? Fest steht: Eine neue Spielstätte muss her. Verschiedene Bühne zu bespielen, kommt für die rund 80 Ensemblemitglieder erst einmal nicht in Frage. „Alle, die bei uns mitmachen, wollen auftreten“, sagt Schütze. „Deswegen brauchen wir eine große Bühne.“ Und die sei nun einmal vor allem in den festen Theatern zu finden.

Gespräch mit anderen Theatern

Deswegen ist die Leitung des Union-Theaters derzeit mit anderen Theatern im Gespräch. Aber auch in Sachen Packhaustheater sei noch nicht das letzte Wort gesprochen. „Es wird noch eine Unterhaltung mit Herrn Böhling geben“, sagt Karin Schütze. Der große Wunsch des Ensembles sei es natürlich, auch weiterhin im Schnoor aufzutreten. „Wir hängen an dieser kleinen Bühne. Das ist für uns ein Stück Heimat“, sagt die Sprecherin des Union-Theaters. „Und die geben wir natürlich nur sehr ungern auf.“

Von der ungewissen Zukunft versucht man sich mit Routine abzulenken. Derzeit laufen die Proben für das Stück im Mai. Und auch wenn es die letzte Aufführung im Packhaustheater werden könnte, geben sich die Schauspieler kämpferisch. „Wenn das wirklich unser letztes Stück sein sollte, dann wollen wir es natürlich auch besonders gut machen“, sagt Schütze. Doch anders als im Theater Phönix, denkt keines der Ensemble-Mitglieder daran aufzuhören. „Alle wollen weitermachen – ob mit oder eben ohne Packhaustheater.“

Was nun zählt, ist Engagement. „Wir müssen mehr um junge Ensemble-Mitglieder werben“, sagt Schütze. „Denn die bringen auch ein junges Publikum ins Theater.“ Und die könnten die Zukunft des Amateurtheaters sichern.

Die "Final-Curtain"-Show findet am 28. Februar ab 20 Uhr im Musicaltheater statt. Karten gibt es hier.






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