Bremen ist ab 1. März nicht mehr Mieter des Musicaltheaters. Trotzdem wird das Land bis 2018 noch rund 15 Millionen Euro für die Immobilie zahlen, die ihr nie gehört hat. Die unrühmliche Geschichte sorgt nicht nur bei der Bevölkerung für Ärger und Verwunderung, im Wirtschaftsressort sieht man keine Alternative zum Ausstieg.
Das Musicaltheater im Richtweg ist vor zwölf Jahren hoffnungsvoll an den Start gegangen. Nach kurzer Zeit hat es sich jedoch zu einem Sorgenkind der Stadt entwickelt und wird mittlerweile in einem Atemzug mit Millionengräbern wie Space Park und Galopprennbahn genannt. Aufwändig produzierte Musicals kosteten viel Geld, das nur in seltenen Fällen wieder eingespielt werden konnte.
Den Ausstieg sieht Holger Bruns, Sprecher des Wirtschaftsressorts, als einzigen Ausweg. „Es gab im Senat der großen Koalition eine breite Einigkeit, dass wir die Risiken nicht weiter tragen wollten“, so der Behördensprecher. Darum wurde im Februar 2010 fristgerecht gekündigt. Doch weshalb das Gebäude 2009 nicht von der Stadt gekauft wurde, als es für sechs Millionen Euro zu haben war, dazu fällt Bruns nicht viel ein: „Gute Frage. Welche Weisheit dahinter steckte, das weiß ich auch nicht.“ Schließlich hätte man dann immerhin mit dem Gebäude als Gegenwert aus dem Geschäft herausgehen können.
Ursprünglich angedacht war das Musicaltheater als touristische Attraktion. In den 1990er Jahren wurden Erfolgsprojekte wie die Schlachte und das Universum Science Center geplant. Doch auch die wirtschaftlich lange Zeit auf wackeligen Beinen stehende Botanika und der Riesenflop Space Park gehörten ebenso dazu wie eben das Musicaltheater. Die Stadt wollte damit in einer Liga wie die Musical-Städte Hamburg und Düsseldorf spielen. Mit dem Stück „Jekyll & Hyde“ schien auch ein guter Start geglückt zu sein. Doch der Traum platzte bald nach erfolgreichen ersten Monaten. Es kamen nicht genug Besucher zu den Vorführungen. Zuletzt machten die horrenden Produktionskosten von „Marie Antoinette“ von sich reden. Das Musical schloss mit einem Minus von 2,5 Millionen Euro ab.
Um sich langsam aus dem Thema herauszuziehen, war zunächst angedacht, dass das Wirtschaftsressort den Betrieb der Bühne an einen privaten Betreiber vergibt. Es kamen vier Interessenten in die engere Auswahl, geworden ist aus dem Modell aber letztendlich nichts. Laut Bruns hätten alle vorgelegten Konzepte zur Folge gehabt, dass Bremen weiterhin einen erheblichen Betrag zum Betrieb hätte beisteuern müssen. Der Eigentümer der Immobilie, Korn Liegenschaften, will den Betrieb auch nach dem Ausstieg Bremens auf absehbare Zeit weiterbetreiben.
Nun bleiben Bremen zwar Mietkosten in Höhe von jährlich 420.000 Euro erspart. Die Kosten, die bei den Umbauarbeiten von einer Markthalle zum Musicaltheater angefallen sind, müssen allerdings zurück gezahlt werden. Das sind bis 2018 immerhin 2,2 Millionen Euro pro Jahr. Unter dem Strich soll das Bühnenhaus Bremen so schon rund 60 Millionen Euro gekostet haben.
Inzwischen werden nicht nur Musicals im Richtweg gespielt, sondern auch Konzerte und Comedy. Auf die mögliche Konkurrenzsituation mit dem stadteigenen Konzerthaus Glocke angesprochen, wiegelt Bruns ab. „Es gibt immer ein Risiko. Aber wir gehen davon aus, dass Bremen groß genug ist, damit zwei Häuser nebeneinander existieren können.“








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