Trotz Konjunkturpaket II

 - 27.02.2010

In der Schule blüht Schimmel

Von Arno Schupp
Bremen. Obwohl an der Berufsschule für Großhandel, Außenhandel und Verkehr die Toiletten schimmeln und stellenweise der Putz von den Wänden der Klassenzimmer fällt, ist aller Konjunkturprogramme zum Trotz kein Geld da, um die Schule zu sanieren. 'Wir müssen erst einmal dort tätig werden, wo Gefahr im Verzuge ist', sagt Karla Götz, Sprecherin des Bildungsressorts. Wie gefährlich der Schimmelbefall ist, prüft derzeit das Gesundheitsamt.
Die Berufsschule für Großhandel, Außenhandel und Verkehr - seit Jahren fordern Schüler und Lehrer Geld für Sanierung.
Die Berufsschule für Großhandel, Außenhandel und Verkehr - seit Jahren fordern Schüler und Lehrer Geld für Sanierung.

Die Schule ist wahrlich keine Perle, obwohl sie auf den ersten Blick einen ordentlichen Eindruck macht. Ein Zweckbau, 40 Jahre alt, durchdacht und funktional, aber auch ein Bau, bei dem besser niemand in die Ecken guckt: In Klassenräumen schlägt der Putz bereits Blasen, es regnet hinein, Fenster sind undicht, die Heizanlage ist nicht zu regeln, es riecht nach Schimmel oder dort, wo gerade wieder etwas ausgebessert worden ist, nach frischer Farbe. Und trotzdem kann die Schule an der Ellmerstraße in Utbremen nicht saniert werden, weil es an anderen Schulen offenbar noch schlimmer aussieht.

Schüler und Schulverwaltung beklagen die Situation bereits seit langem. Schon im Frühjahr 2007 wurde der reine Sanierungsbedarf bei rund 3,5 Millionen Euro angesiedelt. Doch passiert ist nicht viel. Dann hoffte die Schulleitung darauf, vom Konjunkturpaket des Bundes zu profitieren. Immerhin sind davon 117,9 Millionen Euro nach Bremen geflossen. Inzwischen ist das Geld beinahe aufgebraucht, doch die Berufsschule wird davon nicht profitieren. Auch von den 30,2 Millionen Euro, die laut Finanzressort für die Sanierung öffentlicher Gebäude zur Verfügung stehen, wird nichts an die Ellmerstraße fließen.

Höchste Priorität: Brandschutz

Die Prioritäten, nach denen die Schulen saniert werden, legt das Bildungsressort fest. Ganz oben auf der Liste steht der Brandschutz, dann die Sanierung von PCB-belasteten Gebäuden, gefolgt von denen mit statischen Problemen. Gesundheitsgefährdender Schimmelbefall taucht in dieser Prioritätenliste nicht auf.

Schulleiter Claus Oellerking wird darüber nicht sonderlich erfreut sein, auch wenn er zum baulichen Zustand seiner Schule lieber nicht in der Zeitung zitiert werden möchte. Der Rektor hat jedoch schon vor einem Jahr an die Bildungsbehörde geschrieben und um Hilfe gebeten. In dem Brief ist von einer 'schlechten Lernumgebung' zu lesen, die sich negativ auf den Unterricht der rund 2000 Schüler auswirke, und von Räumen, die mit der schlecht funktionierenden Heizanlage bei bestimmter Witterung nicht ausreichend erwärmt werden können, um bei anderen Wetterbedingungen Temperaturen von 38 Grad und mehr zu erreichen. Die Fenster auf der Wetterseite seien allesamt undicht, und es regne in wenigstens ein Dutzend Räume regelmäßig rein. Doch das ist offenbar noch nicht genug.

Die knappen Kassen - ein Argument, das der ehemalige Schülervertreter Paul Deitschun nur bedingt gelten lässt. 'Es geht schließlich nicht nur um das Gebäude. Es geht um die Schüler, die dort eine kaufmännische Ausbildung absolvieren. Also geht es um die Wirtschaft von morgen.' Ein gutes Raumklima sei einer der Indikatoren für eine gute Ausbildungsqualität, findet Deitschun, der die Schule gerade erst verlassen hat. 'Denn wer nicht gerne in die Berufsschule geht, bringt keine guten Resultate.'

Deitschun steht mit seiner Kritik nicht alleine, und auch das Bildungsressort ist unzufrieden. 'Aber es wird immer wieder Projekte geben, die bei dieser Finanzlage durchs Rost fallen', sagt Sprecherin Karla Götz. 'Auch wenn das für die Betroffenen nicht schön und sicher unbefriedigend ist.'

Ähnlich lautete jüngst das Fazit in der Bildungsdeputation, die sich über den Zustand der Schule zu Beginn des Monats informiert hatte. 'Der Gebäudezustand der Berufsschule wird auch von Immobilien Bremen als Eigentümervertreterin so eingeschätzt, dass eine Fassaden- und Fenstersanierung sowie die Sanierung der WC-Kerne notwendig ist', heißt es in einer Sitzungsvorlage. 'Immobilien Bremen ist bemüht, die Bremischen Gebäude in einem angemessenen Zustand zu erhalten.' Dabei stünden jedoch für alle bremischen Gebäude nur das jährliche Gesamtsanierungsprogramm und der Bauunterhalt zur Verfügung. Das Programm für 2010 sei mit diesen Maßnahmen bereits 'stark überzeichnet' und lasse für neue Maßnahmen keinen Spielraum.

Ob trotzdem etwas an der Schule getan werden muss, liegt jetzt erst einmal in den Händen des Gesundheitsamtes. Alarmiert durch Medienberichte will das Amt eine umfassende Bestandsaufnahme veranlassen. Danach wird die Frage zu klären sein, ob saniert wird oder ob sich die Schule mit ein paar Eimern Farbe behelfen muss.




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