Ahrens: „Frau Rosenkötter rechnet sich die Welt schön.“ Eine Betreuungsquote von 18 Prozent ergebe sich nur, wenn die sozialpädagogischen Spielkreise mit eingerechnet würden, kritisierte die Abgeordnete. „Diese sind wegen des geringeren Betreuungsumfanges nicht mit Kita-Plätzen vergleichbar und tragen somit nicht zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei.“ Daher würden bei den „seriösen Planungen“ in Bremerhaven die Spielkreise nicht in die Berechnung der Quoten mit einfließen.
Doch die Kritik der CDU greift aus Sicht des Sozialressorts zu kurz. „Mit der Betreuung von Kindern unter drei Jahren verfolgen wir zwei Ziele“, sagte Sprecherin Petra Kodré. Einerseits solle es Müttern und Vätern erleichtert werden, wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. „Das zweite Ziel ist die Förderung der Kinder unter drei Jahren“, so Kodré weiter. An dieser Stelle seien die Spielkreise von großer Bedeutung, „besonders für Kinder mit migrantischem Hintergrund“. Der Wechsel in den Kindergarten falle ihnen nach dem Besuch des Spielkreises viel leichter, „sie sind viel besser vorbereitet, auch weil sie besser deutsch sprechen“.
Nach Berichten des Bundesministeriums für Familie war Bremen beim Ausbau der Kinderbetreuung als Schlusslicht im Westen erschienen: Kein Bundesland hat nach diesen Zahlen weniger Geld beim Bund zu diesem Zweck beantragt. Konkret heißt das: Bremen hat gerade zehn Prozent der verfügbaren Mittel beantragt: Von 16,5 Millionen Euro, die das Land zwischen 2008 und 2013 abrufen kann, sind danach gut 1,6 Millionen beantragt.
Andere Länder – Bayern und Mecklenburg-Vorpommern – haben dagegen schon die 50-Prozent-Marke geknackt. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 29 Prozent. Diese Zahlen dürften aber nicht als „schleppender Ausbau der Betreuungsplätze“ missverstanden werden, versichert das Sozialressort in Bremen nun. „Der Ausbau der Betreuung für die unter Dreijährigen kann nur Schritt für Schritt erfolgen“, sagte die Senatorin. Bislang seien Neubauten für die zusätzliche Betreuung kaum nötig gewesen. Erst für 2011 entstehe im größeren Umfang Bedarf. Die nötigen Bauvorhaben sollten im September vom Jugendhilfeausschuss bewilligt werden.
Finanzielles „Nadelöhr“ seien in Bremen zudem nicht die Investitionsmittel, die der Bund trage, sondern die laufenden Kosten, die Bremen größtenteils allein schultern müsse. „Was wir hier auf den Weg bringen, stellt für Bremen bereits eine richtige Kraftanstrengung dar“, sagte Rösenkötter. „Allein für 2009 stellt Bremen für den Ausbau 11,9 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.“ Von den Bundesmitteln habe Bremen 5,7 Millionen Euro für Investitionen 2008 und 2009 vorgesehen. 1,5 Millionen seien bereits abgerufen, weitere vier Millionen sollten es bis zum Jahresende sein.
Allein im vergangenen Jahr seien etwa 190 neue Plätze geschaffen worden, sagte Rosenkötter, im laufenden Kita-Jahr kämen weitere 170 Plätze dazu. Für 2010 seien „400 neue Plätze in der Planung“. Derzeit leben nach Angaben des Sozialressorts knapp 14000 Kinder unter drei Jahren in der Hansestadt. 1570 von ihnen würden in einer Einrichtung betreut, 320 bei einer Tagesmutter und 535 in einem sozialpädagogischen Spielkreis, meist zwei bis dreimal pro Woche.
Für die Kinderbetreuung wende die Stadt im Moment rund 100Millionen Euro pro Jahr auf. Im Land Bremen seien im März 12,8 Prozent der Kinder unter drei Jahren betreut worden, Spielkreise nicht mitgerechnet. Niedrigster Wert im Bundesländer-Vergleich: Niedersachsen mit 9,2 Prozent. Die höchste Betreuungsquote hat derzeit Sachsen-Anhalt mit 52,7. Die Stadtstaaten Berlin (40,5) und Hamburg (22,9) kommen auf höhere Werte als Bremen.


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