'In der Grundtendenz stehen die Kollegen den Veränderungen positiv gegenüber', sagte Elke Baumann, Landesvorstandssprecherin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bremen. 'Das ist der große Unterschied zu früheren Reformen.' Die Lehrer seien bereit, die Schulreform umzusetzen, 'aber aus Bordmitteln kriegen wir das nicht geregelt'.
'Die Startbedingungen an den Schulen sind ganz unterschiedlich', betont die Gewerkschafterin. Die früheren Gesamtschulen hätten bereits viel Erfahrung mit dem gemeinsamen Unterricht für Kinder auf sehr unterschiedlichem Leistungsniveau. 'Aber für die bisherigen Sekundarschulzentren bedeutet das eine erhebliche Änderung.' Viele Lehrer hätten Zweifel, ob sie die neuen Unterrichtsformen ohne große Vorbereitung umsetzen könnten. An Oberschulen soll der Unterricht Schülern aller Leistungsstufen gemeinsam gerecht werden, zumindest in den ersten beiden Jahren 'binnendifferenziert', also innerhalb einer Klasse für jeden Schüler auf seinem eigenen Niveau. Überdies sollen Jungen und Mädchen bei Bedarf auch noch individuell gefördert werden. 'Mit 25 Schülern in der Klasse funktioniert das nicht.'
Zumal die Schulen jetzt die Inklusion umsetzen sollen, den gemeinsamen Unterricht mit Förderschülern - überwiegend Kinder, 'die Probleme mit dem Verhalten haben'. Eine halbe Sonderpädagogen-Stelle pro Jahrgang sehe die Behörde dafür vor, 'das wird nicht reichen', fasst Baumann die Befürchtungen ihrer Kollegen zusammen.
Echte Inklusion sei so jedenfalls nicht möglich. Damit der Sonderpädagoge die Förderschüler möglichst lange im Blick behalte, müssten sie in 'Schwerpunktklassen' unterrichtet werden. Nach dem derzeitigen Verteilungsschlüssel hätte jede Oberschule dann eine Klasse mit 17 Regel- und fünf Förderschülern: 'Dann hat man wieder alle schwierigen Schüler zusammen.' Von Inklusion könne dagegen erst die Rede sein, wenn die Förderschüler auf alle Klassen verteilt seien. Dazu reichten aber die Sonderpädagogen bei weitem nicht.
So stellte eine Personalversammlung mit etwa 1200 Lehrkräften jüngst fest: 'Die begonnenen Veränderungen leiden unter gravierenden Mängeln.' Weitgehend fehlten 'fundierte Umsetzungskonzepte', es mangele an Personal und Geld, besonders in 'Brennpunktschulen', also sozial belasteten Stadtteilen. Nötig, so die Lehrer-Forderung, seien eine Stunde weniger Unterricht pro Woche sowie 'umfassende kollegiale und individuelle Fortbildungsangebote mit Freistellung von Unterrichtsverpflichtungen'. Für die Inklusion solle jede Schule zumindest eine volle Sonderpädagogen-Stelle bekommen, wenn Schwerpunktklassen schon eingerichtet werden müssten, dürften sie maximal 16 Regel- und vier Förderschüler aufnehmen.


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