Um den Zusammengang zwischen Herkunft und Gymnasial-Besuch zu untersuchen, haben die Bildungsforscher vom IQB (Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) eine Reihe von Sozialdaten der Schüler erhoben, auch den Beruf der Eltern. Die Schüler haben sie dann sieben Gruppen zugeordnet. Das beginnt mit der 'oberen Dienstklasse' mit mindestens einem Elternteil in einer Führungspositionen; auch Ärzte, Anwälte und Oberstufenlehrer sind darin zusammengefasst. Am anderen Ende der Skala stehen Arbeiter, auch in leitender Funktion.
Die Studie vergleicht nun, wie gut es den Ländern gelingt, Kinder aus Arbeiterfamilien ans Gymnasium zu holen. Dabei zeigt sich: Am schwersten haben es Schüler in Bayern: Auf jedes Arbeiterkind im Gymnasium kommen dort 14 Akademikerkinder. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sind es fast zehn. Dass es auch anders geht, zeigen Brandenburg (3,8) und Berlin (4,3). Bremen liegt mit einem Wert von 7 auf Platz 9 von 16.
Nun liegt die Vermutung nahe, dass Akademiker und Führungskräfte ihren Kindern schon früh eine Umgebung bieten, in der sie besser gefördert werden. Diesen Effekt haben die Forscher herausgerechnet, indem sie in einem zweiten Schritt nur Kinder mit identischen Leistungen verglichen haben, genauer: mit identischer Lesefähigkeit. Lesen gilt als Schlüsselkompetenz für alles Lernen in der Schule. Studien zeigen: Anhand der Lesekompetenz (plus Mathe) lässt sich schon in der Grundschule ziemlich genau vorhersagen, ob ein Kind später am Gymnasium bestehen wird oder nicht.
Bremen ist erneut in vielen Kategorien Schlusslicht bei einem bundesweiten Schulvergleich. Macht Ihnen das Sorgen?
Der Vergleich in diesem zweiten Schritt zeigt: Von gleichermaßen begabten Schülern werden in Bayern immer noch fast siebenmal mehr Akademiker-Kinder am Gymnasium aufgenommen. Mehr Bildungsgerechtigkeit gibt es überall in der Republik, Bremen liegt immerhin auf Platz sechs: Arbeiter-Kinder haben es hier 2,9-mal so schwer zum Gymnasium zu kommen wie Schüler aus der 'oberen Dienstklasse'. Im Test hatte Bremen am Ende über 36 Prozent seiner Neuntklässler an einem Gymnasium, Bayern nur 30.
Bei der Suche nach den Ursachen tappt die Bildungsbehörde noch im Dunkeln. 'Die Studie stellt das fest, aber eine Erklärung dazu gibt sie nicht', sagte Sprecherin Karla Götz. 'Unsere Experten wissen da auch noch nicht mehr.'
Bei der Interpretation ist man allerdings auch nicht nur auf Vermutungen angewiesen. So zeigt eine Erhebung des Bundeselternrates vom Januar dieses Jahres, dass in Bayern und Baden-Württemberg ausschließlich die Grundschulnoten darüber entscheiden, ob ein Kind das Gymnasium besuchen darf. Allenfalls mit einer Prüfung oder mit Probeunterricht für einige Wochen lässt sich das Urteil noch ändern.
In Bremen dagegen - wie auch in Berlin, Spitzenreiter dieses Vergleichs - liegt die letzte Entscheidung bei den Eltern. Allerdings hat Bremen das Verfahren inzwischen umgestellt. Mit dem neuen Schulsystem, das die Rolle der Gymnasien zurückdrängt, und die der Oberschulen (Gesamtschulen) stärkt, entscheiden auch hier die Noten, und zwar in den Kernfächern Deutsch und Mathe. Welchen Effekt das auf die Leistung der Schüler insgesamt hat, wird sich erstmals im Leistungsvergleich zeigen, den die Forscher 2019 vorlegen.


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