Arbeiterkinder finden in Bremen leichter den Zugang zum Gymnasium

 - 25.06.2010

Ländervergleich: Bildung in Bremen gerechter?

Von Bernd Schneider
Bremen. Abitur, Studium, ein gut bezahlter, herausfordernder Beruf - der Weg zu diesen Lebensperspektiven führt meist durch das Gymnasium. Doch ob ein Schüler dort aufgenommen wird, hängt in Deutschland viel stärker ab vom Status der Eltern als von der Leistung der Schüler. Auch in Bremen. Allerdings bietet das Land an dieser Stelle etwas mehr Bildungsgerechtigkeit, wenn man der jüngsten Bildungs-Studie 'Sprachliche Kompetenzen' glaubt.
Der Weg aufs Gymnasium hat nicht nur mit Leistung zu tun.
Der Weg aufs Gymnasium hat nicht nur mit Leistung zu tun.

Um den Zusammengang zwischen Herkunft und Gymnasial-Besuch zu untersuchen, haben die Bildungsforscher vom IQB (Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) eine Reihe von Sozialdaten der Schüler erhoben, auch den Beruf der Eltern. Die Schüler haben sie dann sieben Gruppen zugeordnet. Das beginnt mit der 'oberen Dienstklasse' mit mindestens einem Elternteil in einer Führungspositionen; auch Ärzte, Anwälte und Oberstufenlehrer sind darin zusammengefasst. Am anderen Ende der Skala stehen Arbeiter, auch in leitender Funktion.

Die Studie vergleicht nun, wie gut es den Ländern gelingt, Kinder aus Arbeiterfamilien ans Gymnasium zu holen. Dabei zeigt sich: Am schwersten haben es Schüler in Bayern: Auf jedes Arbeiterkind im Gymnasium kommen dort 14 Akademikerkinder. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sind es fast zehn. Dass es auch anders geht, zeigen Brandenburg (3,8) und Berlin (4,3). Bremen liegt mit einem Wert von 7 auf Platz 9 von 16.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass Akademiker und Führungskräfte ihren Kindern schon früh eine Umgebung bieten, in der sie besser gefördert werden. Diesen Effekt haben die Forscher herausgerechnet, indem sie in einem zweiten Schritt nur Kinder mit identischen Leistungen verglichen haben, genauer: mit identischer Lesefähigkeit. Lesen gilt als Schlüsselkompetenz für alles Lernen in der Schule. Studien zeigen: Anhand der Lesekompetenz (plus Mathe) lässt sich schon in der Grundschule ziemlich genau vorhersagen, ob ein Kind später am Gymnasium bestehen wird oder nicht.

Bremen ist erneut in vielen Kategorien Schlusslicht bei einem bundesweiten Schulvergleich. Macht Ihnen das Sorgen?

78% (1255 Stimmen)
Ja, viele Bildungspolitiker und Lehrer sind hier offenbar überfordert.
17% (271 Stimmen)
Nein, der Vergleich von Stadtstaaten mit Flächenländern ist ungerecht.
5% (93 Stimmen)
Egal, diese Vergleichstests werden sowieso überschätzt.

Der Vergleich in diesem zweiten Schritt zeigt: Von gleichermaßen begabten Schülern werden in Bayern immer noch fast siebenmal mehr Akademiker-Kinder am Gymnasium aufgenommen. Mehr Bildungsgerechtigkeit gibt es überall in der Republik, Bremen liegt immerhin auf Platz sechs: Arbeiter-Kinder haben es hier 2,9-mal so schwer zum Gymnasium zu kommen wie Schüler aus der 'oberen Dienstklasse'. Im Test hatte Bremen am Ende über 36 Prozent seiner Neuntklässler an einem Gymnasium, Bayern nur 30.

Bei der Suche nach den Ursachen tappt die Bildungsbehörde noch im Dunkeln. 'Die Studie stellt das fest, aber eine Erklärung dazu gibt sie nicht', sagte Sprecherin Karla Götz. 'Unsere Experten wissen da auch noch nicht mehr.'

Bei der Interpretation ist man allerdings auch nicht nur auf Vermutungen angewiesen. So zeigt eine Erhebung des Bundeselternrates vom Januar dieses Jahres, dass in Bayern und Baden-Württemberg ausschließlich die Grundschulnoten darüber entscheiden, ob ein Kind das Gymnasium besuchen darf. Allenfalls mit einer Prüfung oder mit Probeunterricht für einige Wochen lässt sich das Urteil noch ändern.

In Bremen dagegen - wie auch in Berlin, Spitzenreiter dieses Vergleichs - liegt die letzte Entscheidung bei den Eltern. Allerdings hat Bremen das Verfahren inzwischen umgestellt. Mit dem neuen Schulsystem, das die Rolle der Gymnasien zurückdrängt, und die der Oberschulen (Gesamtschulen) stärkt, entscheiden auch hier die Noten, und zwar in den Kernfächern Deutsch und Mathe. Welchen Effekt das auf die Leistung der Schüler insgesamt hat, wird sich erstmals im Leistungsvergleich zeigen, den die Forscher 2019 vorlegen.






Finden Sie Artikel aus Bremen

  • Vahr
  • Alte Neustadt
  • Überseestadt
  • Findorff-Bürgerweide
  • Ohlenhof
  • Peterswerder
  • Huchting
  • Blockdiek
  • Grolland
  • Neustadt
  • Hohentor
  • Hohweg
  • Neuenland
  • Mahndorf
  • Weidedamm
  • Seehausen
  • Neue Vahr Südwest
  • Östliche-Vorstadt
  • Mitte
  • Hastedt
  • Sebaldsbrück
  • Steffensweg
  • Arsten
  • Ellenerbrok-Schevemoor
  • Neustädter Hafen
  • Bremen
  • Ostertor
  • Schwachhausen
  • Blockland
  • Arbergen
  • Gröpelingen
  • Horn-Lehe
  • Strom
  • Utbremen
  • Radio Bremen
  • Mittelshuchting
  • Rablinghausen
  • Fesenfed
  • Kattenturm
  • Neu-Schwachhausen
  • Gete
  • Industriehäfen
  • Borgfeld
  • Lindenhof
  • Hemelingen
  • Buntentor
  • Hohentorshafen
  • Oberneuland
  • Sodenmatt
  • Häfen
  • Osterfeuerberg
  • Findorff
  • Pusdorf
  • Osterholz (Stadtteil)
  • Altstadt
  • Steintor
  • Gartenstadt Süd
  • Riensberg
  • Ellener Feld
  • Lehe
  • Bahnhofsvorstadt
  • Obervieland
  • Huckelriede
  • In den Hufen
  • Horn
  • Lehesterdeich
  • Kirchhuchting
  • Gartenstadt Vahr
  • Oslebshausen
  • Regensburger Straße
  • Woltmershausen
  • Habenhausen
  • Neue Vahr Nord
  • Bürgerpark
  • Hulsberg
  • Hafen
  • Kattenesch
  • Neue Vahr Südost
  • Südervorstadt
  • Westend
  • Walle
  • Barkhof
  • Tenever
  • Östliche Vorstadt
  • In den Wischen

TOP in Bremen


Zukunft von Kleingärten

Ein Bremer Kleingartenverein wirbt um neue Mitglieder und bietet sogenannte Schnupperparzellen an. Was halten Sie von Kleingärten?

28% (118 Stimmen)
Eine Parzelle im Grünen ist ein guter Garten-Ersatz.
14% (61 Stimmen)
Ein Kleingarten ist mir zu anstrengend. Mir reichen Balkon und Park.
58% (246 Stimmen)
Eine Parzelle hätte ich gerne, aber ohne Vereinsmitgliedschaft.

Wetter - Donnerstag, 17. Mai

Temperatur:
12°C / 0°C
Vormittag: Regenschauer Nachmittag: Regenschauer
60%   Regenwahrscheinlichkeit:
Das Wetter wird präsentiert von

Innenstadtplanung in Bremen

Ob Umweltzone, Bahnhofsplatz, Klinik-Neubau oder die Neugestaltung des Lloydhofes - die Bremer Innenstadt verändert sich stetig. Die Berichterstattung rund um die Innenstadtplanung in Bremen sammeln wir in unserem Online-Dossier.

Aktuelle Ratgeber-Themen aus Bremen

Verbrauchertipps rund um Freizeit, Karriere und Leben in Bremen stellen wir hier regelmäßig zusammen.

Reise: Kinderpass rechtzeitig beantragen

Wohnen: So erhöhen Mieter die Wohnsicherheit

Benzinpreise: Kraftstoffe und Alternativen

Jobsuche: So bewerben Sie sich richtig

Internet: Datenschutz im Netz

Sparen: Rechner und Vergleiche

Stadtführungen durch Bremen

Bremen entdecken – sei es als Tourist beim ersten Besuch oder als Alt-Bremer, der seine Stadt einmal unter einem neuen Aspekt erkundschaften möchte. Wir stellen in unserer Serie verschiedene Stadtführungen vor, die nicht alltäglich sind. Kultur-Jogging im Hafen, Bremens Unterwelten oder Schätze im Bürgerpark - auf unserer Sonderseite finden Sie alle bisher erschienen Rundgänge.

Informationen zu Finanzen

Sport in Bremen

Hier gibt es die Sportmeldungen aus Bremen.

WESER-KURIER Kundenservice

Unsere Leser...

...schreiben im Forum
...kommentieren Artikel
Pizarro setzt im Duell seiner Ex-Vereine auf Bayern
novi_th am 17.05.2012
Wie auch immer: >"[...] ich möchte gegen Ende meiner Karriere noch einmal etwas anderes…
Gesundheit Nord sucht nach Ursache
Zwillingsoma am 17.05.2012
Ich habe mich bein einem der früheren Berichte auch gefragt, warum ein bei der Neueröffnung der…

Veranstaltungen

Suche nach Einträgen

Das Jugendportal des WESER-KURIER

Events, Partypics, Szene-News und mehr »

Tickets

Karten für Theater, Konzerte und andere Veranstaltungen gibt es in unserem Ticketshop. mehr »