Die Bremer Schulen stehen zum Start des neuen Schulstarts vor großen Herausforderungen. Das stellte Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper am Mittwoch auf einer Pressekonferenz fest. Selten hätten sich so viele Schulen auf einen Schlag verändert. Insgesamt starten am Donnerstag 15 weitere Schulen als Oberschulen ins Schuljahr. Im vergangenen Jahr waren es neun gewesen. Die Bildungssenatorin ist zufrieden mit der Entwicklung: 24 von 29 Bremer Schulen der Sekundarstufe 1 sind nun Oberschulen. Die anderen sollen im folgenden Jahr nachziehen.
Die Oberschule soll die neue Standardschulform in Bremen werden. Ab kommendem Schuljahr soll es in Bremen nur noch Oberschulen und Gymnasien geben. An der Oberschule werden alle Kinder gemeinsam unterrichtet, die Schule bietet alle Abschlüsse an. Das Abitur kann nach 13 Jahren abgelegt werden - an den Bremer Gymnasien erfolgt das Abitur nach zwölf Jahren.
Eine weitere Neuerung zum Schulstart: 29 Bremer Schulen werden künftig auch Förderkinder in Klasse 5 aufnehmen. Die Kinder, die Probleme im Bereich Lernen, Sprache oder Verhalten haben, sollen gemeinsam mit den Regelschülern unterrichtet werden. Die Eltern der Kinder konnten in diesem Jahr zum ersten Mal wählen, ob sie Sohn oder Tochter nach der vierten Klasse auf eine Förderschule oder eine Regelschule schicken wollen. Das betraf in Bremen 227 Familien, von denen sich laut Senatorin 137 für eine Regelschule entschieden, also etwa 60 Prozent.
Kooperationsklassen bleiben bestehen
Schüler mit einer geistigen Behinderung werden nach Angaben der Senatorin zunächst noch nicht vollständig in die regulären Klassen integriert. An einigen Schulen gebe es bereits sogenannte Kooperationsklassen, in denen die geistig behinderten Kinder stundenweise gemeinsam mit nicht-behinderten Kindern unterrichtet werden. Dabei solle es erst mal bleiben, um die Schulen nicht mit zu vielen Neuerungen zu überfordern.
Der Fachbegriff für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Schülern ist Inklusion. Wie der Unterricht in solch einer Inklusionsklasse aussehen kann, zeigte Gerd Menkens, Schulleiter der Oberschule an der Koblenzer Straße, an einem Beispiel. Seine Schule wird mit vier Inklusionskindern ins neue Schuljahr starten. Sie haben Lern- oder Sprachprobleme. Alle werden in einer Klasse untergebracht. Der Klassenlehrer wird durch eine Sonderpädagogin unterstützt.
Der Unterricht wird den Vorstellungen des individuellen Lernens folgen. Das bedeutet, dass die Schüler sich zeitweise ihre Lerninhalte selbst aussuchen. Damit dabei nichts auf der Strecke bleibt, bekommt jeder Schüler ein sogenanntes Logbuch, in dem genau eingetragen wird, was diese Woche alles erledigt werden muss. Wann er welche Aufgabe macht, steht ihm weitestgehend frei.
Menkens und seinen Kollegen ist besonders wichtig, dass sich die Kinder mit Förderbedarf an der Schule wohl fühlen. Damit das klappen kann, hat Menkens beispielsweise darauf geachtet, dass in der Inklusionsklasse besonders viele Kinder sitzen, die schon in ihrer Grundschule dafür bekannt waren, dass sie fair mit schwächeren Altersgenossen umgehen. Ob das alles so klappen wird, kann Menkens nicht sicher beantworten. Er sieht den Start ins neue Schuljahr als große Herausforderung.
Schülerzahlen gehen zurück
Zum Start ins neue Schuljahr schaute die Bildungssenatorin auch in die Statistik: Demnach werden in diesem Jahr 3689 Mädchen und Jungen eingeschult. Im vergangenen Jahr waren es etwa 60 Schulanfänger mehr. Insgesamt sinkt die Schülerzahl in Bremen um etwa 1000 im Vergleich zu 2009. Obwohl es weniger Schüler in Bremen gibt, bleibt die Zahl der Lehrer laut Bildungsbehörde gleich. Alle frei gewordenen Stellen seien wieder besetzt worden, wobei sich immer mehr Teilzeitkräfte wunschgemäß eine Stelle teilen.
Für den Fall, dass ein Lehrer krank wird, hält das Bildungsressort insgesamt 4,3 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses Geld soll für Vertretungslehrer ausgegeben werden. Eingeplant sind laut Behörde 60 Stellen für längerfristige Vertretungen und noch einmal 35 für kurzfristige Ausfälle.
Im Schuljahr 2010/2011 werden 352 Referendare an Bremens Schulen arbeiten. Die Behörde will weitere anlocken, so dass es auch in Problemfächern wie Chemie, Physik und Spanisch nicht zu Engpässen komme. Um gegenüber anderen Bundesländern nicht das Nachsehen zu haben, richtet die Bildungsbehörde zwei neue Starttermin fürs Referendariat ein. In diesem Schuljahr werden die angehenden Lehrer in Bremen auch am 1. August und 1. Februar in den letzten Teil ihrer Ausbildung starten können.









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