'Wir werten die Betreuungszeit in der Verlässlichen Grundschule für die Kinder deutlich auf', sagte die Senatorin, 'das bedeutet: Wir gewinnen mehr Lernzeit für die Schüler.' Nach den PISA-Studien hatten Experten dem Bremer Schulressort genau das immer wieder ans Herz gelegt. Der Schulversuch soll so angelegt werden, dass er übertragbar ist auf alle Grundschulen in Bremen, die sich nicht zur Ganztagsschule umwandeln wollen.
'Ich leite den Schulversuch in die Wege, weil ich weg möchte von der gebundenen Ganztagsschule in den Grundschulen', erklärte Jürgens-Pieper. Mit der gebundenen Form der Ganztagsschule - die Teilnahme am Nachmittag ist für alle Schüler verpflichtend - 'erreichen wir eine ganze Reihe von Eltern nicht'.
Dabei gilt die Ganztagsschule im Grunde als Modell der Zukunft - international leistet sich fast nur noch Deutschland die Halbtagsschule als Regelform. Doch gerade in Grundschulen droht oft die Spaltung der Elternschaft, wenn die Umwandlung in eine Ganztagsschule ansteht. Und das heißt in Bremen bislang immer: gebundene Ganztagsschule. Teils lähmen erbitterte Kämpfe die Schulentwicklung über Jahre. Während einige Mütter und Väter auf Nachmittagsbetreuung angewiesen sind, können und wollen andere die Erziehung am Nachmittag selbst in die Hand nehmen.
So haben Grundschulen in Bremen einen schweren Stand, wenn sie sich in verbindliche Ganztagsschulen umwandeln: Manche Schule hat schon die Erfahrung gemacht, dass bessergestellte Familien ihre Kinder dort nicht anmelden. Die soziale Mischung ist dann verlorengegangen, gerade jene Eltern, die sich engagieren könnten in der Schule, bleiben weg. In dem Modellversuch soll nun die 'Verlässliche Grundschule PLUS' eine Alternative bieten, die beiden Seiten gerecht wird: Das Angebot soll hochprofessionell und qualitativ hochwertig sein, aber freiwillig. Nur wer dafür angemeldet ist, muss teilnehmen.
Der Schulversuch soll im neuen Schuljahr ab August 2011 an der Grundschule Admiralstraße den 'pädagogischen Mittagstisch' mit Hausaufgabenbetreuung ersetzen. Der wird seit über einem Jahrzehnt organisiert und betrieben von Eltern. Künftig sollen Lehrer den Kindern nach dem Mittagessen qualifizierte Lernangebote machen: auf der einen Seite Förderung für die Schwachen, die mehr Zeit brauchen, die Grundlagen des Rechnens und Schreibens zu vertiefen. Und auf der andere Seite geistige Herausforderungen für leistungsstarke Schüler - etwa eine weitere Fremdsprache. Solche Angebote muss die Schule jetzt gemeinsam mit Eltern und der Behörde entwickeln.
Der Modellversuch soll auch zeigen, wie Eltern auf Dauer von der organisatorischen Verantwortung an ihrer Schule entlastet werden können. Denn praktisch alle pädagogischen Mittagstische werden von Schul- oder Elternvereinen getragen. Und mit der Finanzierung hangeln sie sich meist von Jahr zu Jahr, ohne Planungssicherheit: 'Da schlüpfen Eltern in die Rolle von Arbeitgebern' für Küchen- und pädagogisches Personal, 'mit allen rechtlichen Konsequenzen', sagt Renate Jürgens-Pieper: 'Ich will eine dauerhafte Konstruktion, die Eltern entlastet.' Am besten solle die Schulleitung steuernde Aufgaben übernehmen. 'Elternvereine werden manchmal müde, immer wieder neue Verträge schließen zu müssen.'
Wenn es nach der Bildungssenatorin geht, bleibt der Schulversuch im bürgerlichen Stadtteil Findorff nicht der einzige: 'Ich kann mir vorstellen, das auch in Gröpelingen einzurichten, in Tenever oder in Huchting.' Breite Erfahrungen in unterschiedlichen Stadt-Milieus sollen helfen, die Übertragbarkeit auf alle Bremer Grundschulen zu prüfen.
In der Grundschule Admiralstraße laufen schon seit Freitag die ersten Signale aus dem Ressort ein, dass der Schulversuch kommen soll. Über 50 Kinder essen dort und nutzen die Betreuung. Seit Jahren droht dem Angebot regelmäßig das Aus, Eltern stehen vor der Sorge, dass die Finanzierung und die Organisation zusammenbrechen. 'Der Bedarf an ganztägiger Betreuung bei uns im Stadtteil ist sehr groß', sagt Schulleiterin Jantje Mehlhop. 'Ich freue mich, dass sich für uns eine Lösung gefunden hat.' Kommentar Seite 2



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