Auszüge aus dem Stück sind zu hören, wenn die Bundeszentrale für politische Bildung den „einheitspreis“ vergibt – schließlich hat „89“ in der Kategorie „Jugend – Zukunft der Einheit“ die Auszeichnung ergattern können. Schüler und Absolventen von Huchtinger Schulen führen es nun zur Preisverleihung auf. Der Regisseur und die Autoren kommen aus Achim und Ottersberg.
Seine Uraufführung feierte das Musical im vergangenen Jahr, als Huchtinger Schüler der Wilhelm-Wagenfeld- und der Alexander-von-Humboldt-Schule im März insgesamt fünf Vorstellungen gaben. Die Laiendarsteller im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, die Schülerband und Pädagoge Hans Hermann Hille konnten sich über viel Applaus freuen, dann wurde es in Huchting still um „89“. Bis vor drei Wochen Hilles Telefon klingelte. „Völlig überraschend“ sei die Anfrage gekommen, ob sie bei der Preisverleihung auftreten könnten, erinnert sich der regieführende Musical-AG-Leiter und fügt hinzu: „Für uns ist das natürlich eine Ehre.“
„89 – Das Political“ erinnert an die politischen Vorgänge in den letzten Monaten der DDR, indem es von der (verhinderten) Liebe zwischen dem 24-jährigen Tom aus West- und der 18-jährigen Nadine aus Ost-Berlin erzählt. Ihr Schicksal ist es, das die Teilung und den Umbruch verdeutlicht. Getragen wird der Plot von spritzigen Dialogen, von Rock- und Pop-Songs. Ein pädagogisches Musiktheaterstück ohne erhobenen Zeigefinger. „Jugendlich und jugendnah“, findet Hille. Darstellerin Nele Sander bestätigt: „Das hat Spaß gemacht“, sagt sie über die „89“-Realisierung.
Die 20 Jahre alte Sander spielt die in der Bürgerrechtsbewegung engagierte Tine, eine von sieben Rollen, die für den 2. Oktober im Weserhaus zu besetzen sind. Damit treten weniger Akteure auf als bei den Aufführungen 2009, doch anders wäre der Auftritt nicht zu leisten. Einerseits wegen der kurzen Vorbereitungszeit, vor allem aber wegen der nötigen Zusammenfassung des zweistündigen Musicals auf ein zehnminütiges Medley; Letzteres abgestimmt mit den drei Autoren.
Die Musik haben Anne Schröder und Holger Twietmeyer, den Text hat Bettina Brauer geschrieben. Während die beiden Lehrer Brauer und Twietmeyer in Ottersberg leben, ist die in Achim aufgewachsene Schröder als Komponistin in Hamburg tätig.
Wie das Trio auf die Idee zu „89“ kam? „Die deutsche Teilung ist bei vielen Jugendlichen kein Begriff. Da schlackert man mit den Ohren“, sagt die 42-jährige Schröder. Beispiel: Willy Brandt ist aus der DDR, meinte jeder vierte, bei einer Berliner Studie befragte Schüler. Der pensionierte Lehrer Hille sagt mit Blick auf den Geschichtsunterricht: „Den Schülern ist die Renaissance oft näher.“
Die drei langjährigen Weggefährten Brauer, Twietmeyer und Schröder haben mit „89“ eine Kombination von musikalischer Liebesgeschichte und politischer Bildung geschaffen. „Ein wenig hölzern, wenn es ums Ideologische geht“, so Hille. Aber auch gegensätzliche Pole zeigend, etwa die Bürgerrechtlerin und den Volkspolizisten. Seit der Uraufführung in Huchting haben sich acht Schulen des Stücks angenommen, unter anderem das Schulzentrum Carl von Ossietzky in Bremerhaven.
In Ostdeutschland wurde „89“ aber noch nicht auf die Bühne gebracht. „Wir haben uns schon den Kopf zerbrochen, woran es liegt“, sagt Schröder, „vielleicht kommen nach dem 2. Oktober Nachfragen“. Dann wäre die Einheitsfeier auch in dieser Hinsicht ein Brückenschlag. Weitere Infos zum Thema unter www.neunundachtzig.com.


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