Letzte Wahlkampfrede auf dem Bremer Marktplatz

 - 15.09.2009

Westerwelle überlässt nichts dem Zufall

Von Andrea Suhn
Bremen. Wenn Guido Westerwelle auf der Bühne steht, überlässt er nichts dem Zufall. So auch nicht am Dienstag bei seiner Wahlkampfrede auf dem Bremer Marktplatz. Bekleidet mit einem perfekt geknoteten, gelben FDP-Schal sprach er vor rund 300 Menschen auf dem Bremer Marktplatz und gab sich dabei als Kämpfer für den Mittelstand. Eine Protest-Aktion von Anhängern der Politorganisation Campact! konterte der FDP-Mann dabei sicher – weil er wusste, was ihn erwartete.
Guido Westerwelle bei seiner Wahlkampfrede in Bremen.
Guido Westerwelle bei seiner Wahlkampfrede in Bremen.

Mit einem sogenannten Flashmob wollten die Campact-Aktivisten auf die Haltung der FDP zur Atomkraft aufmerksam machen. Dazu mischten sich zahlreiche Campact-Anhänger unter die Menge und taten zunächst so, als würden sie zu den Zuhörern gehören. Auf ein Zeichen hin hielten sie schwarz-gelbe Plakate in die Höhe, auf denen erst zustimmende Kommentare wie „schwarzgelb jawoll“ zu lesen waren. Wenig später entfalteten die Campact-Aktivisten jedoch die Banner und enthüllten ihre wahre Meinung: „Schwarzgelb verstrahlt“ und  „Schwarzgelb Atomalarm“.

Gelassen wartete Westerwelle die Aktion ab und gab sogar noch Regieanweisungen: „Jetzt müssen sie die Plakate in der Luft zerreißen und den Marktplatz verlassen – so stand es doch im Internet.“ Offenbar hatte sich der FDP-Chef oder einer seiner Mitarbeiter zuvor im Internet gut über die Aktion informiert.

Ebenso schlagfertig reagierte Westerwelle auch auf einen Zwischenruf aus dem Publikum. Auf den rhetorisch eher wenig ausgefeilten Einzeiler:  „Westerwelle, Westerwelle wählen wir auf keine Fälle“  konterte er mit einem trockenen: „Deshalb sage ich immer: Gebt der Bildung eine neue Chance.“

Danach widmete sich Westerwelle seinen politischen Themen. In seiner Rede kritisierte er die Politik der Großen Koalition. „Eine Regierung, die mal eben fünf Milliarden Euro für alte Autos übrig hat, soll nie wieder sagen, für bessere Bildung sei in diesem Land kein Geld vorhanden – lassen sie sich das nicht einreden“, sagte er und kündigte an: „Wir wollen die Große Koalition beenden und eine Linkskoalition verhindern.“

Zudem stellte er die Stärkung der bürgerlichen Mitte („Wir sind es leid, dass die Mittelschicht weiter ausgebeutet wird.“) sowie die Forderung nach einer leistungsorientierten Gesellschaft in den Mittelpunkt seiner Rede. „Wer sich anstrengt, der soll auch etwas davon haben“, forderte der FDP-Chef. „Es muss einen Unterschied geben zwischen dem, der morgens aufsteht, und dem, der liegenbleibt. Das ist die fundamentale Frage.“

Der Leistungsgedanke zog sich auch durch Westerwelles Aussagen zur Bildungspolitik. Unter dem Motto "Fördern und Fordern" betonte er dabei zwar die Chancengleichheit für alle, machte jedoch auch deutlich: „Aber man muss sich auch anstrengen“. Bildung sei gerade für ein Land wie Deutschland außerordentlich wichtig. „Wir haben keinen anderen Rohstoff als unseren Grips.“

Das Thema Atomenergie fand in Westerwelles Rede nur wenig Platz – und dass zudem, ohne dabei das Wort Atom überhaupt in den Mund zu nehmen. So stellte Westerwelle die rhetorische Frage: "Was nutzt es denn eigentlich der Umwelt, wenn wir in Deutschland heute die modernsten Kraftwerke und sichersten Kraftwerke der Welt abschalten, um am Tag danach den Strom aus sehr viel unsichereren Kraftwerken einzukaufen - das hat mit Umweltschutz nichts zu tun“.

Zum Abschluss appellierte FDP-Chef Westerwelle noch einmal eindringlich zu einem Regierungswechsel: „Ich bitte Sie mit Nachdruck: Gehen sie zur Wahl, werben sie für die FDP, machen sie mit!“ Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Campact-Aktivisten den Marktplatz schon längst wieder verlassen.




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