Keinen begründeten Zweifel, so Schulte-Sasse, gebe es an den Testbefunden selbst. Danach sind in der Haarsubstanz bei Kindern nicht nur Spuren von Drogen gefunden worden, sondern auch deren Abbauprodukte, wie sie nur durch den Stoffwechsel entstehen. Das Bremer Labor habe sich aber auf die Interpretation festgelegt, dass diese Drogen im Körper der Kinder verstoffwechselt wurden. Außerdem kenne es weltweit keine Studien zu diesem Thema.
Beides habe sich als nicht haltbar erwiesen, so Schulte-Sasse weiter. Mindestens eine französische und eine kanadische Studie hätten vergleichbare Befunde geliefert. Diese seien aber wesentlich zurückhaltender interpretiert worden. So hätten die Forscher eine Übertragung auch der Abbauprodukte durch den Schweiß der Eltern als Ursache angenommen. Auch in der Gerichtsmedizin der Berliner Charité gelte das als gut möglich. Die Stoffe könnten so von außen ins Kinderhaar einwandern, der labortechnische Nachweis sei nicht zwangsläufig ein Beleg dafür, dass sie den Kindern bewusst verabreicht wurden. Auch aus diesem Grund sollten Kinder nie ausschließlich wegen positiver Haarbefunde aus der Familie genommen werden, notwendig sei eine Gesamtschau der Lebensumstände.
Die Ergebnisse von 30 weiteren Haaranalysen, die bei Kindern im zweiten und dritten Lebensjahr genommen wurden, liegen noch nicht vor. Auf Nachfrage der CDU-Abgeordneten Rita Mohr-Lüllmann räumte Schulte-Sasse ein, dass die Haarmengen bei einigen Kindern nicht ausreichten - einige hatten offensichtlich zu kurze Haare. Besonders bei kleinen Kindern trat aber offenbar das Problem auf, dass von dem feinen Haar eine zu geringe Menge entnommen wurde. Ob dadurch die Analyse gefährdet ist, stand nach Ressortangabe gestern noch nicht fest. Sollte sich bei den Analysen in Labors in Hamburg und Berlin der Verdacht erhärten, dass Bremer Eltern ihren Kindern Drogen bewusst verabreicht haben, muss die Regierung nach dem gestrigen Beschluss des Parlaments zusätzliche Kontrollen einführen. Das können regelmäßige Drogentests im Haar oder Blut sein, die aber nur in bestimmten Fällen verbindlich angeordnet werden sollen. CDU und FDP konnten sich mit einem weitergehenden Antrag nicht
durchsetzen. Er sah sofortige Haartests bei allen Kindern vor, die bei drogenabhängigen oder Methadon substituierten Eltern leben. Beide stimmten aber dem Antrag der Koalition zu.
Nach dem Tod des zweijährigen Kevin bei seinem drogenabhängigen Ziehvater habe Bremen "noch immer nicht die richtigen Konsequenzen gezogen", kritisierte Rita Mohr-Lüllmann. Es sei zudem "unerträglich", dass Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) zu dem Thema bislang "nicht ein Wort des Bedauerns" geäußert habe. Die Politikerin stellte fest: "Das Hilfesystem funktioniert nicht, sonst hätten wir diese Kinder nicht."
Wenn Methadon substituierte Eltern keine weiteren Drogen konsumierten, hätten sie ein Recht, ihre Kinder selbst großzuziehen, erklärte Magnus Buhlert (FDP): "Aber wenn Eltern versagen, ist der Staat gefordert." Dabei müsse er "schnell und zügig handeln" und die Belange des Kindes in den Mittelpunkt stellen. Mustafa Ötztürk (Grüne) forderte "strenge Kontrollen, aber mit Augenmaß" und wehrte sich gegen "überzogene, hastige Entscheidungen aus dem Bauch heraus". Unterdessen warf Karin Garling (SPD) der CDU "Wahlkampfgetöse" vor. Als "Unterstellung" wies sie zudem den Vorwurf zurück, "die Fachleute würden nicht ordentlich arbeiten". Garling: "Die haben die Fälle ja selber entdeckt und Maßnahmen eingeleitet."


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