Die Demonstration vor dem Rathaus war Teil eines dreistündigen Warnstreiks der Lehrkräfte, mit denen sie auf ihre Situation aufmerksam machen wollen: Bei gleichen Arbeitsbedingungen werden sie schlechter bezahlt als ihre verbeamteten Kollegen. Wie Christian Gloede-Noweck, Landesvorstandssprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), erklärte, gibt es in Bremen 400 Lehrer, die Verträge als Angestellte haben.
Dabei handele es sich um Pädagogen, die zu einer Zeit angestellt worden seien, als Bremen Lehrer generell nicht verbeamtet habe. Als sich das Anfang des Jahrtausends änderte, wurden viele angestellte Lehrer nachträglich verbeamtet, aber nur, wenn sie jünger als 50 Jahre waren. Um die Nachteile für die verbleibenden Angestellten abzumildern, zahlte Bremen seit 2002 einen Ausgleich. 2008 wurde das eingestellt, seither werde zwischen Gewerkschaft und Politik verhandelt, es „öffnet sich die Schere immer mehr“, so Herbert Wiese (60), Lehrer am Schulzentrum Rockwinkel.
Denn für die Betroffenen bedeutet der Wegfall: Sie verdienen durchschnittlich 500 Euro netto weniger im Monat. "Das ist auf die Lebensarbeitszeit hochgerechnet ein Eigenheim", sagt Hans-Werner Voss (59), ebenfalls Lehrer am Schulzentrum Rockwinkel. Außerdem sei man bei der Altersversorgung erheblich schlechter gestellt als die Kollegen, die Pensionen ausgezahlt bekommen.
Damit sich dieser Zustand schnell ändert, fordern die Lehrer, den Bremer Sonderweg einer Ausgleichszahlung fortzusetzen, bis es eine bundeseinheitliche Regelung gibt. Alternativ bieten sie an, pro Woche drei Stunden weniger zu arbeiten. Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) wies das zurück: "Es wird keinen Bremer Sonderweg mehr geben, dafür fehlt uns das Geld".
Das betonte auch Staatsrat Henning Lühr, der eine Abordnung der Demonstranten im Rathaus empfing. Der Senat verstehe die Lage der angestellten Lehrer, werde den bundesweit geführten Tarifverhandlungen aber nicht vorgreifen, und auch finanziell nicht in Vorleistung treten.
GEW-Sprecher Noweck zeigte sich enttäuscht von dem Gespräch: "Unsere Forderung bleibt und wird werden weiter dafür demonstrieren." Die Lehrer vermuten zudem, dass die Politik auf Zeit spielt. Der Altersdurchschnitt der Betroffenen liege bei 60 Jahren - "in ein paar Jahren gibt es niemanden mehr, der protestiert", so Herbert Wiese.


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