Junge Migranten hätten es oft nicht im Blick, dass sie eine Ausbildung im öffentlichen Dienst machen können, sagt Kirsten Schüller, Referatsleiterin im Aus- und Fortbildungszentrum für den öffentlichen Dienst (AFZ). „Sie haben nur selten Eltern oder Großeltern, die hier in Deutschland schon als Beamte gearbeitet haben.“
Der Senat will jedoch, dass sich die Vielfalt der Gesellschaft auch im öffentlichen Dienst widerspiegelt. Anfang 2009 hat er deshalb beschlossen, mit Werbemaßnahmen gezielt Migranten anzusprechen. Im Sommer desselben Jahres stellte Bürgermeisterin Karoline Linnert eine entsprechende Kampagne unter dem Titel "Du bist der Schüssel" vor. Seit September 2010 wird das Vorhaben zudem durch geänderte Ausschreibungsrichtlinien gestärkt. „Die Verwaltung soll genauso bunt wie unsere Gesellschaft werden“, sagt Karoline Linnert. „Eltern beraten häufig ihre Kinder bei der Berufswahl. Deshalb wurden für Eltern mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache nicht so gut beherrschen, Broschüren über Ausbildungsplatzangebote des öffentlichen Dienstes in russischer und türkischer Sprache veröffentlicht.“
Schüller: Werbemaßnahmen zeigen Wirkung
„Wir merken, dass die Werbemaßnahmen Wirkung zeigen“, sagt AFZ-Referatsleiterin Schüller. „Im vergangenen Jahr haben wir sehr stark um Migranten geworben, und die Bewerberzahlen stiegen. In diesem Jahr haben wir mit der Werbung etwas nachgelassen, und es zeichnet sich ab, dass die Zahlen nun wieder leicht zurückgehen. Deshalb wollen wir die Werbemaßnahmen für den Ausbildungsjahrgang 2012 wieder verstärken.“
Ziel sei es, dass sich der Anteil von Schulabgängern mit Migrationshintergrund auch in den Bewerberzahlen widerspiegelt. „Menschen mit Migrationshintergrund bringen Sprachkenntnisse und Kenntnisse über andere Kulturen mit, die wir im öffentlichen Dienst gut gebrauchen können“, sagt Schüller und nennt einige Beispiele: „Das kann die Feuerwehrfrau sein, die bei einem Notfalleinsatz beruhigender auf eine türkischstämmige Bewohnerin einwirken kann, weil sie selbst deren Sprache spricht. Oder der Verwaltungsangestellte, der weiß, dass mancher Behördenbesucher Blickkontakte mit den Beamten vermeidet, weil das in seinem Heimatland aus Gründen der Höflichkeit tabu ist.“
Starker Anstieg bei den Verwaltungsfachangestellten
Die Werbemaßnahmen haben in verschiedenen Ausbildungsberufen des öffentlichen Dienstes unterschiedlich großen Erfolg. Das geht aus Zahlen der Senatorin für Finanzen für das Ausbildungsjahr 2010 hervor. Am stärksten stieg die Zahl der Bewerber mit Migrationshintergrund im vergangenen Jahr im Bereich der Verwaltungsfachangestellten: Hatten im Jahr 2009 noch 19,6 Prozent der Bewerber einen Migrationshintergrund, so waren es 2010 bereits 25,7 Prozent. Im Justizvollzug stieg die Zahl der Bewerber um knapp zwei Prozent auf 10,8 Prozent, bei der Polizei um gut ein Prozent auf 13,1 Prozent. Einen moderaten Anstieg gab es auch bei den Bewerbern im Beruf des Verwaltungsinspektors (plus 1,5 Prozent) und bei den Justizfachangestellten (plus 1,4 Prozent).
Etwas anders sieht die Lage indes bei der Feuerwehr aus. Hierbei handelt es sich um eine der wenigen Berufsausbildungen, die man nur beginnen kann, wenn man bereits eine abgeschlossene Ausbildung in einem anderen geeigneten Bereich - zum Beispiel einem technischen Beruf - vorweisen kann. Zwar gab es bei der Feuerwehr im Jahr 2010 mit 704 Bewerbungen mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr, der prozentuale Anteil der Bewerber mit Migrationshintergrund sank jedoch um 1,8 Prozent auf 6,1 Prozent.
Auch an den Bremer Schulen steigt nach Angaben des Bildungsressorts die Zahl junger Lehrer mit Migrationshintergrund - die meisten kämen aus türkischstämmigen Familien, sagt Karla Götz, Sprecherin von Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper: „Wir stellen jedes Jahr etwa 240 neue Lehrer ein, mittlerweile ist ungefähr ein Achtel davon türkischer Abstammung.“



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