„Das Iftar-Mahl mit einer judenfeindlicher Parole zu kommentieren, lasse sich nicht als ‚Sarkasmus‘ entschuldigen", sagte Horn am Mittwochvormittag. "Dass der Beitrag immer noch online steht, zeigt, dass dem CDU-Jungpolitiker jede Sensibilität abgeht. Wer wie Engelmann Politikmanagement studiert habe, sollte wissen, dass Antisemitismus nicht für Satire tauge. „Gut, dass Engelmann nicht mehr Bildungsdeputierter ist“, so der Linkspartei-Politiker.
Alle Jahre wieder, wenn der Verfassungsschutzbericht Bremens herausgegeben werde, töne es aus CDU-Kreisen, von der Linken gehe eine Gefahr für die Demokratie aus, sie müsse daher verstärkt unter Beobachtung gestellt werden. "Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Röwekamp sollte mal die beiden Aussagen seiner Parteifreunde genauer analysieren. Wenn er dies täte, würde ihm auffallen, dass die Gefahr in seinen eigenen Reihen lauert.“ Röwekamp müsse noch deutlicher herausstellen, dass rechte Parolen in der Bremer CDU keinen Platz haben und dies auch unter Beweis stellen.
Engelmann hatte mit seinen Äußerungen aber auch in der eigenen, ohnehin schon krisengeschüttelten Partei für blankes Entsetzen bis hin zu Wut gesorgt. Auf seiner Internetseite hatte der frühere Vorsitzende der Jungen Union (JU) und heutige Chef des JU-Metropolverbands eine Einladung der christdemokratischen Bürgerschaftsfraktion zu einem Iftar-Essen kommentiert, mit dem im muslimischen Fastenmonat Ramadan das traditionelle Fastenbrechen zelebriert wird. "Deutsche! Kauft nicht beim Juden!!!", heißt es in dem Eintrag von Malte Engelmann, der gleich anschließend in Anspielung auf den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Heiko Strohmann ergänzt: "Äh, ich mein: Heiko!!! Koch nicht für den Muselmann!!!"
Postwendend reagierte am Dienstagabend ein Parteisprecher darauf mit dem Hinweis, die Christdemokraten in der Hansestadt hätten zwar keinen Einfluss auf das, "was Privatleute in ihrem privaten Blog" im Internet aufschrieben und verbreiteten. Die CDU Bremen aber distanziere sich ganz klar und "aufs Schärfste von diesem Eintrag", so der christdemokratische Sprecher. Es handele sich bei diesem Text auf der Seite von Malte Engelmann um "eine Entgleisung, die durch nichts zu rechtfertigen ist".
Die CDU hatte zu dem Iftar-Mahl eingeladen, um bei einem gemeinsamen Essen den Kontakt auch mit Andersgläubigen zu pflegen. Mehr als 90 Gäste, hieß es aus CDU-Kreisen, seien zu dem Mahl gekommen und hätten das Gespräch gesucht. Auf der Seite der Gastgeber hätten unter anderem auch Heiko Strohmann und Fraktionschef Thomas Röwekamp teilgenommen.
Die Veranstaltung hatte unverkennbar in den vergangenen Tagen in den eigenen Reihen schon für Gesprächsstoff auch mit deutlich kritischen Untertönen gesorgt. Vor diesem Hintergrund sei eine Aussprache für die Sitzung der christdemokratischen Fraktionssitzung gestern eingeplant worden, hieß es aus der Partei. Und tatsächlich wurde dort gestern das Iftar-Essen diskutiert.
Am selben Tag stießen die Christdemokraten unter dem Datum 23. August auf den Internet-Kommentar von Malte Engelmann, der auch schon Deputierter in der Bremischen Bürgerschaft war und sich als CDU-Vorstandsmitglied im Bremer Westen ausweist.
In seinem Text kommentierte Malte Engelmann ausführlich das gemeinsame Essen: "Naja, also zu Heiko. Wollte in einen Dialog mit den Museltypen treten. Ja, voll dumm. Also Kinder: Es gibt in unserer Welt Muselleute. Die sind wie Christen, nur halt muselig. Und die feiern so doofe Sachen wie Ramadan. Ist doof, aber egal. Und der Heiko hat gesagt: Macht man! Ich lad euch zum Essen ein. Total doof, der Heiko."
Malte Engelmann bestätigte am Dienstagabend, dass er diesen Text verfasst hat. Ihm sei es darum gegangen, die Kritik in der CDU an dem Iftar-Essen zu kontern. Für ihn sei es überhaupt kein Problem, wenn der Kontakt zu anderen Glaubengemeinschaften gesucht werde.
Als dann gleichwohl die parteiinterne Debatte darüber angelaufen und auch öffentlich geworden sei, "ist mir die Hutschnur geplatzt", so Malte Engelmann am Abend. Der Text sei so zu verstehen, so der Christdemokrat, dass er gegen die Kritiker an dem Iftar-Essen gerichtet ist.
Christdemokrat Malte Engelmann räumte ein, dass er "überspitzt" formuliert habe. Der Christdemokrat: "Mit Sarkasmus und Ironie hat man immer das Problem, dass Menschen das falsch verstehen." Sein Text im Internet sei vor diesem Hintergrund offenbar ein "grenzwertiger Scherz". Malte Engelmann: "Von der Wortwahl unklug."


Regenwahrscheinlichkeit:



