Geplantes Sozialticket in Bremen

 - 12.10.2009

Für Familien wird es teuer

Von Michael Brandt
Bremen. Geht das Sozialticket in Bremen mit einem gehörigen Webfehler an den Start? Eigentlich soll die günstige Straßenbahnkarte sozial Schwachen erlauben, im Stadtgebiet für wenig Geld unterwegs zu sein. Für Familien könnte sich das allerdings als teures Vergnügen entpuppen. Der Grund: alle Familienmitglieder brauchen ein eigenes Sozialticket, weil es nicht übertragbar ist.
Für die Straßenbahn gibt es jetzt auch ein Sozialticket.
Für die Straßenbahn gibt es jetzt auch ein Sozialticket.

Die Rechnung ist ganz einfach: Wenn zum Beispiel zwei Erwachsene und ein Jugendlicher per Sozialticket in Bremen unterwegs sein wollen, dann kostet das im Monat genau 83 Euro. Für Erwachsene wird das Ticket nach der Einführung zum Jahreswechsel bei 29,25 Euro liegen, für Kinder und Jugendliche bei 24,50 Euro. Übertragbar ist der Schein nicht, nur ab 19 Uhr und an den Wochenenden können weitere Personen mitgenommen werden.

Die Konkurrenz dazu ist das altbekannte Monatsticket: 47 Euro kostet der Fahrschein nach Angaben von BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer nach der Preiserhöhung ab dem 1. Januar. Dafür die die Monatskarte aber übertragbar. Heißt: Wer teilen kann, fährt mit dem bisherigen Ticket im Zweifelsfall viel günstiger, als mit dem Sozialticket. Das räumt auch Meyer ein und er rät: „Man muss sich genau anschauen, wie man den ÖPNV nutzt.“ Die BSAG hat die Problemlage erkannt, die Servicemitarbeiter werden gezielt darauf geschult, in derartigen Fällen die richtigen Tipps zu geben.

Das Sozialticket – eine Mogelpackung? Die SPD-Sozialpolitikerin Karin Garling will nicht ausschließen, dass es „ungünstige Rechenmodelle“ gibt, die sich für die betroffenen als Nachteil herausstellen können. Ziel des Sozialtickets sei es aber, sozial schwachen Menschen in Bremen mehr Mobilität zu ermöglichen. In solchen Fällen müsse das Sozialticket in der Erprobungsphase überarbeitet werden. Garling: „Dies ist der erste Schritt, auf keinen Fall der letzte.“

Wie berichtet, wird das Sozialticket zunächst für eine Modellphase von zwei Jahren eingeführt. BSAG-Sprecher Meyer kündigt an, dass vor Ablauf dieser Frist ein Kassensturz gemacht wird. Auch Karin Garling kennt bereits jetzt Punkte, die ihrer Ansicht nach auf der Agenda stehen müssen. Dazu zählt sie eine Erweiterung des Sozialtickets auf das Netz des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (VBN). Und dazu zählt sie ein Kombination mit dem Kulturticket. Selbst der jetzige Preis muss nicht in Stein gemeißelt sein: „Wir hätten uns gewünscht, dass es preiswerter ist. Ich gehe aber davon aus, dass sich das Sozialticket für die Bremer Straßenbahn rechnet.“

Horst Frehe (Grüne) hält es angesichts der eingangs geschilderten Problematik für überlegenswert, für Familien, in denen alle Mitglieder staatliche Hilfe beziehen, ein übertragbares Ticket zu schaffen. Dies müsste, so ist er sicher, noch nicht einmal wesentlich teurer sein. „Das Sozialticket soll weiterentwickelt werden“, kündigt er wie Karin Garling an. Die jetzige Konstruktion sei gewählt worden, weil sie praktikabel erschien: „Wir wollen nicht, dass alle sofort anfangen, darüber nachzudenken, das Ticket wieder abzuschaffen.“

Die BSAG bereitet derzeit noch die letzten Schritte für den Verkauf des neuen Tickets vor. Demnächst soll mit einer Werbeaktion der Start beflügelt werden. Nach Kundenbefragungen geht das Verkehrsunternehmen davon aus, dass in Bremen rund 85.000 Menschen Anspruch auf den neuen Fahrschein-Typ haben.

Dabei rechnet die BSAG allerdings damit, dass mehr als drei Viertel der Sozialticket-Kunden auch bisher schon mit der BSAG unterwegs waren. Heißt: Es wird kein großes Potenzial an Neukunden erwartet und nach wie vor bezweifelt, dass sich das Ticket selbst trägt. Wenn 220<ET>000 Sozialtickets in einem Jahr verkauft werden, so das jetzige Gerüst, dann liegt das finanzielle Risiko bei 1,75 Millionen Euro plus X.






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