Die Plakate hängen bereits entlang der Straßenbahnlinie 3. In weihnachtlichen Grün- und Rottönen und mit einem deutlich sichtbaren Elefant. Wenn am 22. Dezember das Gastspiel des "Bremer Weihnachtscircus" beginnt, dann werden nach einer Ankündigung des Veranstalters nicht nur die Dickhäuter dabei sein, sondern auch Krokodile in der Manege auftreten. Wie genau die Aufführung mit den Reptilien aussehen wird, vermochte gestern allerdings noch niemand zu schildern. Bis zum 8. Januar 2012 sollen an der Nordstraße täglich zwei Aufführungen stattfinden, bei denen zwar ein Schwerpunkt auf Artistik gelegt wird, bei denen aber eben auch Tierdressuren geplant sind.
Mit dem Gastspiel befindet sich der Zirkus in einem offenen Konflikt zu den erklärten Absichten von SPD und Grünen. Die Regierungsfraktionen haben bereits erklärt, dass sie keine Zirkusse mit Wildtieren mehr auf öffentlichen Flächen in der Stadt wollen. Ein Beschluss war in der November-Sitzung der Bürgerschaft aus Zeitgründen noch vertagt worden, jetzt soll das Thema mit einigen redaktionellen Änderungen in der Dezember-Sitzung aufgerufen und beschlossen werden. Im bisherigen Antragstext hieß es: "Die Wildtiere müssen einen großen Teil ihres Lebens in engen Transportwagen oder wenig strukturierten Gehegen verbringen. Zudem geht die Dressur der Tiere oftmals mit Quälerei einher und kann schmerzhafte Haltungsschäden verursachen."
"Ich kann das nicht befürworten", sagt Linda Neddermann, die bei den Grünen in der Bürgerschaft für dieses Thema zuständig ist, deshalb zum Dezember-Gastspiel. Sie bedauert, dass eine politische Entscheidung für den Weihnachtscircus zu spät kommt, hofft aber gleichzeitig, dass die neuen rechtlichen Vorgaben zum Beginn der Zirkus-Saison im Frühjahr 2012 greifen. Die Folge: "Zirkusse können dann nur noch auf private Flächen ausweichen."
Städte mussten Verbote aufheben
Parallel zu den Überlegungen in Bremen hat Hamburg eine Bundesratsinitiative angestoßen, die auch von Bremen unterstützt wird. Allerdings geht es dabei nur um eine begrenzte Zahl von Tierarten, genauer um Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde. Das reicht Linda Neddermann nicht. Der Bremer Vorschlag geht weiter, umfasst wesentlich mehr Tiere, unter anderem eben auch Krokodile, Robben, Zebras und Großkatzen. "Es ist wichtig, dass wir das verbieten", sagt die grüne Politikerin.
Allerdings hatte ein Verbot nicht in allen Städten Bestand, die diesen Versuch bisher unternommen haben. So berichtet der Verband der Tierlehrer auf seiner Internetseite davon, dass Kassel etwa nach einer rechtlichen Prüfung schon 2010 sein Wildtierverbot wieder aufgehoben habe. Auch Heidelberg taucht in dieser Liste auf, habe das Gastspiel eines namhaften Zirkus erst untersagt, dann nach Prüfung doch genehmigt. Eines der Argumente: Tierschutz sei Angelegenheit der Bundesgesetzgebung und könne nicht von den Ländern reguliert werden.
Der "Weihnachtscircus" ist ein Projekt des Renz-Unternehmens. Sean Renz bestätigt, dass neben Pferden und Seelöwen in Bremen auch Elefanten und Krokodile zum Einsatz kommen. Die Konfliktlage allerdings sieht man beim "Bremer Weihnachtscircus" recht gelassen. Auch Sprecher Holger Fischer erinnert daran, dass schon mehrere Städte versucht hätten, im Alleingang Spielverbote durchzusetzen. "Das hat noch nie zum Ziel geführt. Das halten wir für relativ aussichtslos."
Insa Peters-Rehwinkel ist tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Sie geht davon aus, dass es eventuell eine "schwierige Angelegenheit" werden könnte, das Wildtierverbot durchzusetzen. Dennoch bleiben die Regierungsfraktionen bei ihrer grundsätzlichen Haltung. "Ziel muss ein langfristiges Umdenken sein. Wir wollen erreichen, dass sich Zirkusunternehmen, die feststellen, dass sie in den Städten keinen Platz mehr finden, sich zum Beispiel keine neuen Elefanten mehr anschaffen."
Der "Bremer Weihnachtscircus" übrigens schlägt sein Zelt nicht auf privatem Grund auf, sondern auf öffentlichem Gelände. Vermieterin ist die Bremer Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Das Geschäft, heißt es dort, sei aber bereits vor einigen Monaten abgeschlossen worden.


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