Nach Frühchen-Tod im Klinikum Bremen Mitte

 - 25.11.2011

Experten überprüfen Hygiene in Klinik

Von Arno Schupp
Bremen. Am Donnerstag haben die beiden Mitarbeiter des "Deutschen Beratungszentrum für Hygiene (BZH)" ihre Arbeit im Klinikum Mitte abgeschlossen. Zwei Tage haben die Experten die Hygienepläne, Strukturen und Arbeitsabläufe des Klinikums durchleuchtet, um Schwachstellen zu finden. Hintergrund der Überprüfung ist der Hygiene-Skandal um drei tote Frühchen.

Das Ergebnis werde das Institut "vermutlich schon innerhalb der nächsten Tage" vorlegen können, sagte der ärztlicher Direktor des BZH, Ernst Tabori, auf Nachfrage. Der Bericht gehe allerdings ans Klinikum selbst, fügte Tabori hinzu. Ob er dann auch veröffentlicht werde, sei Sache der Krankenhaus-Dachgesellschaft Gesundheit Nord (Geno).

Grundsätzlich gehe es bei einem Prüfauftrag wie dem aktuellen um die Frage, "wo es Kreuzungspunkte zwischen sauberen und unsauberen Arbeiten gibt", sagt Tabori. Ganz praktisch also um Fragen wie: Desinfizieren sich die Mitarbeiter ausreichend oft die Hände, um die Ausbreitung und Übertragung von Keimen zu verhindern? Darüber hinaus überprüfe das BZH die Hygiene-, Reinigungs- und Desinfektionspläne des Klinikums. Dabei wird abgeglichen, "ob sie den aktuell geltenden Standards entsprechen", wie sie vom Robert-Koch-Institut und von der "Kommission für Krankenhaushygiene" festgelegt werden.






Dossier zum Hygiene-Skandal

Wie Anfang November bekannt geworden ist, sind im Klinikum Bremen-Mitte mehrere Frühchen am sogenannten ESBL-Keim gestorben. In unserem Online-Dossier sammeln wir die Berichterstattung rund um den Hygiene-Skandal.

Chronlolgie: Resistente Keime im Klinikum

30. April 2011: Der multiresistente Keim wird erstmals auf der Intensivstation für frühgeborene Babys entdeckt.

8. August 2011: Ein Frühchen stirbt an der Infektion. Im August und im September wird der Erreger bei weiteren Babys nachgewiesen.

7. September 2011: Die Klinikleitung informiert das Bremer Gesundheitsamt.

16./27. Oktober 2011: Zwei weitere Kinder sterben.

1. November 2011: Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) wird informiert, das Robert-Koch-Institut (RKI) eingeschaltet.

7. November 2011: Die Klinik startet mit der Desinfektion der betroffenen Intensivstation. 15 Babys werden verlegt.

15. November 2011: Der Chefarzt der Kinderklinik wird entlassen.

18. November 2011: Die Bürgerschaft in Bremen setzt einstimmig einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein.

1. Dezember 2011: Die RKI-Experten legen ihren Bericht vor. Sie können nicht mehr feststellen, was die tödliche Infektionswelle auf der Frühchenstation ausgelöst hat.

20. Dezember 2011: Auf der Frühchenstation wurde schlampig dokumentiert, Meldepflichten wurden missachtet. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsbericht von Staatsrat Matthias Stauch.

9. Januar 2012: Die Klinik eröffnet die Frühchenstation wieder.

23. Februar 2012: Wieder werden Darmkeime bei Frühchen nachgewiesen.

24. Februar 2012: Für die Station gilt ein Aufnahmestopp, Experten des RKI untersuchen die Vorfälle.

28. Februar 2012: Senatorin Jürgens-Pieper lässt prüfen, ob ein anderes Krankenhaus in Bremen für die Intensivbehandlung von Frühchen hergerichtet werden kann.

29. Februar: Zwei Frühchen sterben an Blutvergiftung.

29. Februar: Gesundheitssenatorin Jürgens-Pieper stellt Geno-Chef Diethelm Hansen von seinen Aufgaben frei

01. März: Der Untersuchungsausschuss kündigt an, seine Arbeit fortzusetzen

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