Schölzel stammt aus Bremen. 1967 ging der Wehrdienstleistende rüber in die DDR. Er studierte Philosophie und arbeitete mit der Stasi zusammen, bespitzelte eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität.
Heute ist Schölzel Chefredakteur der "Jungen Welt" (JW), dem ehemaligen Zentralorgan der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ). Das Blatt ist Sammelbecken alter Stasi-Spitzel und im Visier der Verfassungsschützer. Bis heute ist die JW die Stimme der Betonköpfe. Glaubte der 67 zum Sozialismus konvertierte Schölzel, in der DDR den Machthabern zeigen zu müssen, dass er ein besonders guter Gläubiger des Sozialismus ist, so fährt er diese Linie auch heute noch in seinem Blatt weiter.
Es ist gruselig und komisch, einem wie Schölzel bei seinem Vortrag "Die ?Wende" aus der Sicht eines Bremer Deserteurs' zuzuhören. Gruselig, weil mitten in Bremen keiner der rund 30 Besucher Unmut über das zeigt, was Schölzel von sich gibt.
Das sind Sätze wie "89 ist ein später Sieg der Wehrmacht", in der Bundesrepublik gebe es einen "totalitären Antikommunismus" oder "Die DDR stand für Frieden und eine Alternative". Themen wie Schießbefehl, die Toten an der Mauer oder die Foltermethoden der Stasi kommen nicht vor. Es fragt auch keiner danach.
Stattdessen warnt ein Zuhörer davor, dass Kinder in den Schulen jetzt mit negativer Propaganda über die DDR aufgehetzt würden. Berührungsängste mit einem, der Menschen verpfiff, die ihn für einen Freund hielten, der in Kauf nahm, dass diese womöglich alle Formen der Repression des SED-Apparats spüren, hat in der Villa Ichon offenbar kaum einer.
Nur einer stellt eine Frage in die sozialistische Glückseligkeit an der Weser. Nachdem Schölzel der DDR eine "fruchtbare und vertrauensvolle Diskussionskultur" attestierte, meldet er sich und fragt, inwieweit Schölzel dazu denn beitrug, wenn er die Inhalte der Diskussionen der Oppositionsgruppe, die er bespitzelte, an die Stasi weitergab. Schölzel: "Das MfS hat doch mitdiskutiert." Dann gibt es Applaus für einen IM - mitten in Bremen.


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