Debatte um Wildtiere in der Manege

 - 07.01.2012

Aktivisten protestieren gegen Weihnachtscircus

Von Liane Janz
Bremen. Mit einer Mahnwache haben am Sonnabend Tierschutzaktivisten das Ende der „allgemeinen Tierausbeutung“ und speziell ein Verbot von Tieren im Zirkus gefordert. Sie formierten sich nahe dem Weihnachtscircus an der Nordstraße, der an diesem Wochenende seine vorerst letzten Vorstellungen in Bremen gibt. Die Aktivisten folgten mit der Aktion einem internationalen Aufruf zu Tierrechtsaktionen aus Frankreich.
Tierschützer haben am Sonnabend gegen den Bremer Weihnachtscircus demonstriert.
Tierschützer haben am Sonnabend gegen den Bremer Weihnachtscircus demonstriert.

In Massen strömten am Nachmittag die Familien zum Zirkuszelt in der Überseestadt. Dort hat der Bremer Weihnachtscircus seine Zelte und Wohnwagen aufgeschlagen und lädt zu Vorführungen mit Clowns und Artisten, aber auch Wildtieren wie Krokodilen, Seelöwen und Elefanten ein. Das rief Tierschutzaktivisten auf den Plan, die den ganzen Nachmittag und Abend über eine Mahnwache nahe dem Zirkus abhielten. Jeder Besucher, der zu den Vorstellungen wollte, musste an den Aktivisten mit ihren Transparenten vorbei. „Kein Applaus für Tierquäler“ war darauf in großen Lettern zu lesen. Oder „Unterhaltung braucht keine Tiere“.

Rund 25 Aktivisten hatten sich bis zu Beginn der Mahnwache eingefunden und verteilten Flugblätter des Vereins „die Tierbefreier“ an die Passanten. Darin kritisieren die Vereinsmitglieder die Tierhaltung im Zirkus als Quälerei und Folter. Auf dem Flyer werden die Methoden angeprangert, mit denen laut „Tierbefreiern“ die Tiere in der Wildnis gefangen und für die Vorstellungen dressiert werden. Von Elektroschocks, Futterentzug, Dreizack und Peitsche ist die Rede. Die Tiere seien zudem außerhalb der Vorstellungen in viel zu kleinen Käfigen zur Untätigkeit verdammt. Als Folge des Zirkuslebens zeigten die Tiere Verhaltensstörungen und Aggressionen.

Mit ihrer Mahnwache folgten die Aktivisten einem weltweiten Aufruf, der in Frankreich seinen Ursprung hat, erzählt die 18-jährige Viktoria*. Künftig solle es regelmäßig öffentlichkeitswirksame Tierrechtsaktionen geben. Diese Aktivisten wollen sich so nicht nur für ein Wildtierverbot in Zirkussen einsetzen, sondern fordern zudem einen Ausstellungs- und Vorführungsstopp für Hunde, Pferde, Reptilien und andere Tiere sowie deren Schlachtung.

Die Mahnwache gestern sollte auch politische Wirkung haben. Gerade erst hat der Bundestag ein Verbot bestimmter Tierarten in Zirkussen abgelehnt. Vor allem aber die Bremer Grünen setzen sich weiterhin dafür ein, Zirkussen mit Wildtieren den Auftritt in Bremen zu untersagen. Der Senat befasst sich noch mit dem Thema.

Allerdings gestalte sich so ein Verbot schwierig, wie Bildungs- und Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) bereits im Dezember mitteilte, da sich dieses Verbot nicht mit der im Grundgesetz verankerten Berufs- und Eigentumsfreiheit vertrage.

Die gestrige Aktion war bereits die zweite Demonstration der Aktivisten in Bremen. Auch am ersten Vorstellungstag des Weihnachtscircus’ standen einige von ihnen Spalier und verteilten ähnliche Flyer. In der Öffentlichkeit scheint das Problem der Wildtierhaltung in Zirkussen, das Tierschutzaktivisten und Teile der Bremer Landespolitiker beschäftigt, jedoch noch nicht so recht angekommen zu sein. Sie und ihre Mitstreiter hätten bei ihren Protesten zwar auch Zuspruch geerntet, berichtet Viktoria. Der Großteil der Zirkusbesucher nehme die Flyer aber einfach nur entgegen und schaue sich die Vorstellung dann trotzdem an. Auch die Zirkusmitarbeiter selbst würden die Demonstranten eher belächeln, sagt die 18-Jährige. „Wir wurden bisher nicht ernst genommen.“ Bislang hatten die Zirkusbetreiber auch keinen Grund dazu, denn das Recht ist auf ihrer Seite und die Protestbewegung ist klein.

Die Bremer Bewegung sei allerdings auch noch sehr jung und wenig organisiert, sagte Viktoria – und zeigte sich überrascht, dass sich gestern am frühen Nachmittag, doch dann doch mehr als 20 Leute für die Mahnwache eingefunden haben. Mit Flyern, über das Internet und durch Mund-Propaganda hatten sie auf die Protestveranstaltung aufmerksam gemacht. Dorthin kamen dann vor allem junge Frauen und Männer in Viktorias Alter. Sie formierten sich derzeit noch und bauten die Gruppe „Vegan Connection“ auf, sagt Viktoria, die seit drei Jahren für Tiere aktiv ist. Die neue Organisation fordere in erster Linie Anarchie und eine vegane Lebensweise. Dazu gehöre auch, die allgemeine Tierausbeutung – sei es in Zirkussen, Versuchslaboren oder als Nutztiere – zu stoppen.

*Name geändert






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