Klinikum Bremen-Mitte

 - 19.01.2012

Experten listen Hygiene-Mängel auf

Bremen. Nach dem tödlichen Keimausbruch im Klinikum Bremen-Mitte haben Experten vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene (BZH) in Freiburg die Frühchen-Intensivstation untersucht. In ihrem Bericht, der dem WESER-KURIER vorliegt, werden zahlreiche Hygiene-Mängel aufgelistet.
Nach Umbauarbeiten ist die Frühchen- Intensivstation am Klinikum Mitte wieder geöffnet. Die Änderungen gehen auf Empfehlungen von Hygiene-Experten aus Freiburg und des Robert-Koch-Instituts in Berlin zurück.
Nach Umbauarbeiten ist die Frühchen- Intensivstation am Klinikum Mitte wieder geöffnet. Die Änderungen gehen auf Empfehlungen von Hygiene-Experten aus Freiburg und des Robert-Koch-Instituts in Berlin zurück.

Eine lange Mängelliste haben die Experten vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene erstellt. Beispiele aus ihrem Bericht: "Ein Wasseranschluss mit Pistolengriff ist mit einer Plastiktüte abgedeckt und mit einem Warnhinweis versehen, dass der Anschluss wegen hoher Keimzahlen nicht benutzt werden soll"- "Die Absaugkatheter am Notfallwagen sind offen und abgeknickt gelagert" - "Im Aufbereitungsraum ist eine eindeutige Trennung zwischen rein und unrein beziehungsweise einzelnen Arbeitsprozessen zum Zeitpunkt der Begehung kaum zu erkennen" - "Unter dem Händedesinfektionsspender stehen Medizinprodukte in einem Metallkorb"- "Die Oberfläche Ablage des Ultraschallgeräts ist teilweise rissig und sollte repariert werden"- "Spülschwämme und Bürsten in der Elternküche sind potenzielle Keimquellen und sollten daher nicht mehr zum Einsatz kommen"- "Im Stillzimmer ausliegende Zeitschriften sollten entfernt werden, da sie durch viele Hände gehen" - "Der Deckel des Milchwärmers ist defekt und sollte professionell repariert beziehungsweise ausgetauscht werden."

Bericht umfasst 67 Seiten

Zwei Tage lang haben sich die Hygienespezialisten, die heute als Sachverständige im Untersuchungsausschuss "Krankenhauskeime" aussagen, nach Bekanntwerden des tödlichen Keimausbruchs auf der Frühchen-Intensivstation im Klinikum Mitte umgesehen. Auftraggeber dieser Begehung am 23. und 24. November war der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno), zu dem das Krankenhaus an der St.-Jürgen-Straße gehört.

Die Ergebnisse der Vor-Ort-Untersuchung haben die Experten in einem 67-seitigen Bericht zusammengefasst. Darin haben sie sich nicht nur mit sichtbaren Mängeln auf der neonatologischen Intensivstation beschäftigt. Verbesserungsbedarf sahen die Experten im gesamten Hygienemanagement des Klinikums. Zum Beispiel in der Erfassung und Dokumentation von Keimbefunden. Auf der fünften Seite des Berichts heißt es dazu: "Diese wurden in der Vergangenheit in Papierform an die Kliniker weitergeleitet und dort abgeheftet. Die Information der Hygienefachkräfte erfolgte ebenfalls in Papierform. Eine zuverlässige, zeitnahe Erkennung von auffälligen Häufungen ist bei diesem System erschwert, insbesondere weil klare Zuständigkeitsregeln bei den Ärzten fehlen."

Die Hygienespezialisten raten in ihrem Bericht zu einem EDV-gestützten Erfassungssystem, mit dem auffällige Keimbefunde künftig schneller erkannt und bewertet werden könnten. Dieser Empfehlung und weiteren Ratschlägen ist der Klinikverbund inzwischen im Rahmen eines Zehn-Punkte-Plans, den er im Dezember vorgelegt hat, nachgekommen: Bis zum Ende dieses Quartals soll ein solches System, das in vielen anderen Krankenhäusern bereits zum Einsatz kommt, installiert werden.

Thema ist auch die Ausstattung der Hygieneabteilung: Die Personalstrukturen sollten aufgestockt werden, heißt es. Insgesamt sind in dem Bericht mehr als 50 Empfehlungen formuliert, die sich aus den offiziellen Richtlinien der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko) ergeben.

Unter anderem sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass Personen, die mit den Säuglingen in Kontakt kommen und sich deshalb die Hände desinfizieren müssen, keinen Schmuck und keine Uhren tragen sowie auf künstliche Fingernägel und Nagellack verzichten. "Die Effektivität der Händedesinfektion als wichtigste infektionspräventive Einzelmaßnahme wird ansonsten mitunter deutlich eingeschränkt. Hier wurde an den Begehungstagen Verbesserungspotenzial sichtbar", so der Bericht.

Im Untersuchungsausschuss "Krankenhauskeime" werden heute Justizstaatsrat Matthias Stauch sowie die Freiburger Hygiene-Experten Sebastian Schulz-Stübner und Patrick Weißgerber als Sachverständige gehört.






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