In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Bremer unter 15 Jahren, die von Hartz IV leben, um 11,3 Prozent gesunken. Das belegen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Demnach waren im Land Bremen im September vergangenen Jahres 24.368 Kinder unter 15 Jahren auf Hartz IV angewiesen. Das sind etwa 30 Prozent aller Bremer Kinder. Fünf Jahre zuvor waren es rund 3100 mehr gewesen. Im Stadtgebiet Bremen ging die Zahl von 21.058 auf 19.483 zurück. Besonders stark sei der Rückgang im vergangenen Jahr ausgefallen, meldet die BA.
Das Bremer Landesamt für Statistik bestätigt den Trend, hat allerdings noch keine Daten aus dem Jahr 2011 vorliegen. Dennoch sind die Zahlen der Statistiker aufschlussreich: Sie widerlegen eine spontane Erklärung für den Rückgang bei den jungen Hartz-IV-Beziehern: Die Entwicklung hat nicht allein etwas damit zu tun, dass weniger Kinder geboren werden: In Bremen lebten im September 2010 zwar 3,3 weniger Menschen unter 15 Jahren als 2006. Doch dieser Unterschied kann den Rückgang um 11,3 Prozent bei den jungen Hartz-IV-Beziehern nicht allein erklären.
Mehr Menschen haben einen Job
Die BA sieht übrigens einen ganz einfachen Grund für den Rückgang. „Die Eltern haben eine Arbeit aufgenommen“, sagt Katrin Demedts, Pressesprecherin des Bremer Jobcenters. Zu welchen Bedingungen die Betroffenen arbeiten, ist allerdings unklar. „Wir sprechen von auskömmlicher Arbeit. Das bedeutet, dass sie mehr verdienen als den Hartz-IV-Satz“, erklärt Demedts. Ob dieser Mehrverdienst möglicherweise nur wenige Euro ausmacht, werde nicht erfasst.
Genau deswegen mag Thomas Schwarzer sich über die vermeintlich guten Nachrichten nicht so richtig freuen. Als Referent für kommunale Sozialpolitik bei der Bremer Arbeitnehmerkammer weiß er, dass der Ausstieg aus Hartz IV häufig nur die halbe Miete ist. „Das bedeutet noch lange nicht, dass es den Kindern wirklich besser geht“, stellt Schwarzer klar. Für ihn ist eine andere Zahl viel aussagekräftiger: Die Zahl derer, die von Armut bedroht sind. Das sind all diejenigen, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. „Diese Quote ist in den Großstädten seit Jahren konstant“, sagt Schwarzer. Um eine wirklich verlässliche Aussage über Kinderarmut in Bremen treffen zu können, müsse man die Nettoeinkommen der Familien vergleichen.
Doch Schwarzer kann der rückläufigen Hartz-IV-Quote bei Familien auch etwas Positives abgewinnen. Schließlich hätten die Eltern auch eine Vorbildfunktion. Er hat die Beobachtung gemacht, dass sich die Stimmung in den Familien schlagartig bessert, wenn die Eltern einen Job haben.
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