Die bisherige Bundesregierung hatte sich noch vor ein paar Monaten scheinbar offen gezeigt. Seitdem hat sich vieles getan, aber weder sind die Argumente schlechter, noch ist die öffentliche Zustimmung zur Ampelkennzeichnung geringer geworden.
Im Mai kam die bislang einzige umfassende wissenschaftliche Studie über verschiedene Kennzeichnungssysteme zum glasklaren Fazit: Nährwertangaben werden am besten verstanden, wenn sie rot, gelb oder grün unterlegt sind.
Die gesetzlichen Krankenkassen sind ebenso wie Ärztevertreter oder Verbraucherverbände für die Ampel. Und 70 (!) Prozent der Bürger. Wessen Interessen also vertritt die "Kanzlerin aller Deutschen" (Angela Merkel über sich selbst)? Ganz offenkundig nicht die der Bevölkerung.
Es geht bei der Ampel-Absage weder um die besseren Argumente noch um die Wünsche der Verbraucher, sondern allein um die Interessen der Lebensmittelwirtschaft. Die lebt gut davon, Kalorienbomben und versalzene Fertigprodukte als Gesundheitswunder zu verkaufen, deshalb wehrt sie sich gegen leicht verständliche Ampelsignale auf den Packungen. Schwarz-Gelb begegnet der Industrie mit vorauseilendem Gehorsam.
Vom Tisch ist die Ampel damit noch lange nicht. Die Entscheidung fällt frühestens im Mai 2010 - und zwar in Europa. Das schwarz-gelbe Basta ist ein Rohrkrepierer und ändert daran herzlich wenig. Neu ist lediglich, dass die deutsche Regierung in Brüssel mit offenem Visier gegen die Ampel streitet. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die EU den Mitgliedstaaten gewährt, die Ampel national vorzuschreiben. Die Debatte wird dann auch in Deutschland neu entfacht.
Ein Gespenst geht um in Deutschland, es ist farbig, es ist klar, es hilft den Verbrauchern dreiste Werbeversprechen der Ernährungsindustrie auf einen Blick zu entlarven. Kleinmütige Koalitionäre kommen dagegen auf Dauer nicht an.
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