Bundesweite Kampagne

 - 01.02.2012

Bremen stellt immer häufiger Migranten ein

Bremen. Die Integration von Migranten steht und fällt mit der Chance auf Arbeit. Deshalb hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern auf dem Integrationsgipfel in Berlin angekündigt, den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst deutlich zu erhöhen. Bremen hat bereits 2009 eine Kampagne gestartet, um junge Auszubildende mit Migrationshintergrund für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. Die ersten Trends zeigen: Sowohl die Zahl der Bewerber als auch die der Einstellungen sind für diese Zielgruppe gestiegen.
Schülerin mit Kopftuch
In Bremen arbeiten immer mehr Migranten im öffentlichen Dienst, zum Beispiel als Lehrer.

Eine bessere interkulturelle Kompetenz, eine höhere Zahl von Beschäftigten in den Behörden, die mehrsprachig aufgewachsen sind - der öffentliche Dienst kann sich mit der Einstellung von Menschen mit Migrationshintergrund zukunftsfest machen. Die Verwaltung muss auf die sich verändernde Bevölkerungstruktur und den weiter steigenden Anteil der Migranten reagieren. Außerdem ist mit der insgesamt sinkenden Zahl von Bewerbern auch die Konkurrenz um Fachkräftenachwuchs gestiegen.

Bremen hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, verstärkt Auszubildende mit ausländischem Hintergrund zu gewinnen. Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne): "Bei dem Thema mehr Migranten bleiben wir am Ball. Wir werden uns weiter um Nachwuchskräfte mit migrantischer Herkunft bemühen, bei Infoveranstaltungen in Schulen, Moscheen, Ausbildungsmessen. Der öffentliche Dienst soll so vielfältig wie unsere Gesellschaft sein."

Mit der Kampagne "Du bist der Schlüssel" versucht Bremen seit über zwei Jahren, den Anteil von Personen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst entsprechend ihres Anteils an der Bevölkerung zu erhöhen. Dafür braucht es einen langen Atem - und die aktuelle Entwicklung zeigt das. Zwar gibt es für den Zeitraum 2009 bis 2011 erste Erfolge, zum Beispiel mit wachsenden Einstellungszahlen von Migranten bei der Polizei oder in der Steuerverwaltung, doch im Finanzressort weiß man auch: "Die bisherigen Bemühungen, alle ethnischen Gruppen der Bevölkerung für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst zu interessieren, müssen mit gleicher Intensität fortgesetzt werden."

Erschwerend kommt hinzu, dass die genaue Zahl von Beschäftigten mit Migrationshintergrund nicht verlässlich zu ermitteln ist. Problemlos erfasst werden können nur Beschäftigte, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Bei allen anderen basieren die Daten auf freiwilligen Angaben.

Niedersachsens Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU), Teilnehmerin des gestrigen Integrationsgipfels, sagte dieser Zeitung: "Man kann nicht oft genug betonen, dass in Deutschland geborene und zugewanderte Menschen nicht Rivalen sind, sondern Partner. Das gilt übrigens auch für die Bemühungen, mehr Migranten für den öffentlichen Dienst auf allen Ebenen zu gewinnen, also über Lehrer oder Polizisten hinaus." Der Weg dahin ist aber auch in Niedersachsen noch weit. Laut Özkan ist es gerade als erstes Flächenland dabei, zu erfassen, wie viele Migranten im öffentlichen Dienst arbeiten.

Libuse Cerna, Vorsitzende des Bremer Rats für Integration, lobt die Bremer Bemühungen, betont aber auch, wie lang der Weg hin zu echter Chancengleichheit noch ist. Wichtig sei es daher, "zum Beispiel mit Praktika für Migranten bisher unbekannte Berufsfelder bekannt zu machen, damit sie sehen, was alles möglich ist".

Mit einem Aktionsplan will die Bundesregierung die Integration vorantreiben. "Wir müssen vor allem von den Modellprogrammen schrittweise zu dauerhaften Angeboten für eine verbesserte Integration kommen", sagte Kanzlerin Merkel beim Spitzentreffen in Berlin. Opposition und Verbände halten den Aktionsplan für zu vage. Es reiche nicht aus, immer nur "einen Plan nach dem anderen" zu verkünden, kritisierte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özuguz.






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